Horb · Pandemie
: Was geht eigentlich noch?

Der Winter-Lockdown greift seit Mittwoch. Welche Läden neben den Lebensmittelmärkten noch geöffnet haben, zeigt diese Übersicht.
Von
Dagmar Stepper,
Benjamin Breitmaier
Horb

Das Horber Wein-und Teehaus hat offen.

Nicht gesetzt

Der Busbahnhof ist verwaist, manche Straßen wie leergefegt. Wo eine Woche vor Weihnachten normalerweise Kunden durch die Geschäfte hetzen, um letzte Geschenke zu besorgen, herrscht irritierende Leere. Der Winter-Lockdown in Baden-Württemberg ist in Horb angekommen. Seit Mittwoch dürfen nur noch Geschäfte für den täglichen Bedarf geöffnet haben, der Rest ist geschlossen. Beim Einkaufszentrum steht der Passant bei Schuh-Deichmann, „Ernsting’s family“ und „Mister and Lady“ daher vor verschlossenen Türen.

Beim Drogeriemarkt Müller jedoch nicht. Hier herrscht emsiges Treiben, eine Kundin lässt sich an der Parfümerieecke beraten. „Alle Fachabteilungen sind geöffnet“, sagt eine Mitarbeiterin. Daher wandern nicht nur Zahnpasta und Tees in den Eink aufskorb, sondern auch Parfüms und Kuscheltiere. Das entspricht der Verordnung: „Geschäfte mit Mischsortiment dürfen alle Waren verkaufen, wenn die Produkte für den täglichen Bedarf überwiegen. Sollte das Sortiment der verbotenen Artikel überwiegen, darf das Geschäft mit einer räumlichen Abtrennung lediglich die Artikel des täglichen Bedarfs verkaufen“, steht in der Verordnung des Landes, die vom 16. Dezember bis 10. Januar gilt.

Liefern ja, abholen nein

Bei Blumen-Müller ist daher der Floristik- und Dekorationsbereich abgesperrt. Wo vorher ein Meer von Blumen standen, ist seit Mittwoch Obst und Gemüse drapiert. Robert Müller hat – wie im ersten Lockdown – sein Angebot erweitert, damit er sein Geschäft weiterhin öffnen darf. Sträuße darf er nicht vor Ort verkaufen, er muss sie liefern. Eine Kundin deckt sich gerade mit Vitaminen ein. „Wenn es nach mir ginge, sollten Floristen und Buchhändler weiterhin offen sein. Sträuße und Bücher sind Balsam für die Seele“, sagt sie. Müller lacht. Aber dann wird er ernst. Im umsatzstarken Dezember erwirtschaftet er normalerweise das Polster für die weniger starken Monate Januar und Februar. Jetzt muss er schauen, wie es läuft. Was er allerdings nicht versteht: In NRW haben die Blumenläden offen.

Schräg gegenüber vom Blumen-Müller öffnet sich die Türe zu Prooptik geräuschlos. „Ja, wir sind noch da“, sagt Gessica Nigliazzo. „Darüber sind wir sehr froh“, betont Nigliazzo. Allerdings weiß sie nicht, wie die kommenden Tage laufen. Die Augenoptikerin hat ein paar Kundentermine, aber wahrscheinlich wird es ruhiger, wenn so viele Läden zu haben. „Eventuell reduzieren wir dann die Öffnungszeiten oder es gibt Kurzarbeit.“

Etliche Anrufe hat Dieter Beuerle vom Horber Wein- und Teehaus in den vergangenen Tagen bekommen. „Habt ihr geöffnet?“, wollen die Leute wissen. „Ja, ich habe ganz normal offen“, sagt Beuerle. Er verkauft Lebensmittel wie Tee, Kaffee, Öl und Essig – und eben auch Wein. Mit dem Vorweihnachtsgeschäft ist er mehr als zufrieden. „Schon im Vorfeld war mehr los als sonst. Die Kunden, die immer kommen, sind noch zeitiger da gewesen.“ Einziger Nachteil: Es dürfen inzwischen nur noch zwei Kunden in den Laden. Das Weinhaus Dörr hat ebenfalls geöffnet. „Wir sind ein Getränkemarkt“, erklärt Beatrix Dörr. Diese dürfen auch im Winter-Lockdown geöffnet haben. Sie hat es sich extra vom Ordnungsamt absichern lassen, damit sie nicht dieselbe Überraschung wie beim 1. Lockdown im Frühjahr erlebt. Da musste die Weinhandlung nämlich schließen. Doch dieses Mal sind Getränkemärkte ausgenommen. Darauf beruft sich auch Georg Djuga vom Horber Weinkontor. „Wenn die anderen offen haben, kann ich auch öffnen“, sagt er.

Zeitschriften und Zeitungen gelten ebenfalls als Produkte des täglichen Bedarfs. Daher haben Kioske und Tabakläden im Einkaufszentrum und im Kaufland geöffnet. Lottospielen ist übrigens ebenfalls erlaubt. Zur Ritter-Post kann m an auch. Postkarten verkauft die Post weiterhin, aber Bücher nicht mehr. Auch das ist in der Verordnung geregelt. Poststellen und Paketshops dürfen öffnen, aber ohne den Verkauf von weiteren Waren.

Auf dem Hohenberg trotzen neben Real und Norma zwei weitere Geschäfte: Equiva Reiterzubehör und Fressnapf. „Seit Freitagnachmittag, als Herr Kretschmann mit dem zweiten Lockdown vorgeprescht ist, ist richtig viel los“, berichtet eine Mitarbeiterin. Sie ist froh, dass der Laden noch offen ist. „Was will man auch zuhause machen? Da ist es ja nur langweilig“, sagte sie.

Wer braucht noch Tannenbäume?

Dem Weih nachtsbaumverkauf kann der Lockdown ebenfalls wenig anhaben. Doch langsam ist Eile geboten. Vor allem bei kleineren Händlern ist das kommende Wochenende die letzte Gelegenheit, um noch recht entspannt das Grünzeug ins heimische Wohnzimmer zu schaffen.

Neben den klassischen Verkäufern wie Globus, Kaufland oder Real gibt es in den Horber Teilorten einige kleine Händler, die sich oft durch Frische und Bio-Produktion aus heimischen Gefilden auszeichnen.

Beispielsweise bei Familie Schorpp im Maiacker 3 in Grünmettstetten. Förster Ferdinand Schorpp kennt sich qua Amt bestens mit guten Bäumen aus. Noch bis zum 19. Dezember können hier Bäumchen erstanden werden. Das Aussuchen und der Vertrieb funktionieren kontaktlos.

Ähnlich sieht es bei Familie Klink in Talheim aus. Dort werden noch am 18. und 19. Dezember Nordmanntannen aus dem Nordschwarzwald verkauft und bei

Bedarf sogar geliefert. Weitere

Informationen können unter 07486/963800 erfragt werden.

Wer aus der Kernstadt nicht ganz so weit fahren will und doch den Einkauf im Familienbetrieb vorzieht, wird in Bildechingen fündig. Aus der Zucht von Familie Moser werden hier durch die Wollensaks Bäumchen quasi direkt an der Ortsdurchfahrt über die Theke geschoben. Die Bäume werden auch hier lokal gezüchtet.

Dagmar Stepper und

Benjamin Breitmaier