Horb · Neu im Gemeinderat: Den Piepser am Ohr und das Herz an der Heimat

Die Feuerwehr ist Jan Straubs zweite Heimat und sie steht für ihn auch an erster Stelle.
Benjamin BreitmaierJan Straub (42) hat etwas von einem Bären. Das liegt nicht nur an seiner mächtigen Statur, der Gemütlichkeit, die aus ihm strömt, sondern auch dem leichten Grinsen, das seine Lippen umspielt. Man denkt unwillkürlich an Balu aus dem Dschungelbuch und sein Lebensmotto: „Versuch’s mal mit Gemütlichkeit“.
Doch wenn man Jan Straub bei seinen Einsätzen bei der Horber Feuerwehr erlebt, ist es aus mit der Gemütlichkeit. Hochkonzentriert managt er Einsatzpläne, er weiß, dass es hier um Leben und Tod gehen kann. Er ist so mit der Feuerwehr verwachsen, dass sich Straub überlegt, ob er mal so eine Stunde im Neckarbad abhängen kann. Der Piepser könnte ja Alarm schlagen.
Jan Straub ist neu im Horber Gemeinderat, es war seine erste Kandidatur, und mit Anhieb hat er es für die FD/FW-Fraktion ins Gremium geschafft. Seine Bekanntheit führt er auf die Feuerwehr und das Mini-Rock-Festival zurück, das letztere ist allerdings nun Geschichte. Dafür hat Straub nun mehr Zeit, beispielsweise für die Arbeit im Gemeinderat. Hier hält er sich mit seinen Anmerkungen noch ein wenig zurück, das entspricht seiner Art: „Ich will erst mal sehen, wie es abläuft, wie die Leute ticken.“ Eins weiß er aber jetzt schon: „Es dominieren sehr die politischen Richtungen. Wir sollten aber weg von dem Fraktionsgehabe. Die Stadt nach vorn zu bringen, sollte unser oberstes Ziel sein.“ Er glaubt, dass seine ruhige Art auch hilft, Barrieren in den Fraktionen abzubauen.
Die FD/FW-Fraktion kommt Straub in seiner politischen Richtung am nächsten. Er kennt die FDP-Granden Michael Theurer und Timm Kern, er selbst ist aber bewusst parteilos. „Parteigehabe hat in einem Gemeinderat nichts verloren“, betont er. Er würde sich nur am Rande als politischen Menschen bezeichnen, aber er ist gut informiert über das lokale und regionale Geschehen. „Meine Heimat soll gut dastehen“, sagt er.
Horb ist sein Lebensmittelpunkt, hier ist er geboren und aufgewachsen. Mit zwölf ging er zur Jugendfeuerwehr („Das fand ich interessanter als sonntags auf dem Fußballplatz zu stehen“), er blieb bis heute hängen. Neben den Einsätzen und Übungen kümmert er sich auch um die Facebookseite und den Instagram-Account der Wehr. Ein bis zwei Stunden täglich investiert er ins Ehrenamt. Dazu kommt der Piepser als ständiger Begleiter: 247, sagt er, sprich 24 Stunden, 7 Tage die Woche.
„Die Feuerwehr steht für mich an erster Stelle“, stellt er klar. „Ich würde nicht zu jeder Ölspur rausrennen, aber welche Priorität die Feuerwehr hat, hat der Buchhof-Brand gezeigt.“ Die Feuerwehr bedeutet Termine, auch menschliches Leid, aber sie erdet ihn. Das ist Jan Straub wichtig. Ähnlich ist es mit seiner Arbeit. Er hat bei der Telekom Energieelektroniker gelernt und dort auch gearbeitet, wechselte aber hauptberuflich 2004 in den Rettungsdienst, fünf Jahre hatte er da bereits ehrenamtlich als Sanitäter gearbeitet.
Beruf und Ehrenamt fordern ihn gut, doch er braucht auch seine Auszeiten. Die findet Straub in der Natur. „Wenn ich den Kopf frei haben möchte, dann packe ich meine Wanderschuhe und die Kamera und gehe in den Schwarzwald. Da gibt es genügend ruhige Ecken.“ Er wird in den Momenten auch nachdenklich. Straub hat Asthma, als Kind und Jugendlicher war er häufig in Kliniken. Sein Beruf und das Ehrenamt haben ihn etwas gelehrt: Ein Leben kann schnell zu Ende sein. Daher nimmt er sich seine Auszeiten und er muss nicht auf jeder Hochzeit tanzen: „Wenn ich Lust hab aufs Sofa, dann bleibe ich liegen.“
Horb für alle Generationen attraktiver machen
Trotzdem kennt Straub die Probleme der Jugendlichen, sie sind ganz ähnlich wie in seiner Jugend: die wenigen Freizeitangebote, der schlechte Nahverkehr, zu wenig bezahlbare Wohnungen. Er weiß aber auch um die Belange der Erwachsenen, die einen Bauplatz suchen, einen Betreuungsplatz für ihre Kinder, eine gute medizinische Versorgung, Läden zum Shoppen. „Horb attraktiver für alle Generationen zu machen, das muss unser Ziel werden“, sagt er.
Straub ist ein nachdenklicher Mensch. Er fragt sich, wo Horb in 5, 10 oder 20 Jahren sein will. „Eine große Industriestadt werden wir nicht werden“, ist er überzeugt. Will Horb dann eher Wohnstadt sein, Kleingewerbe ansiedeln oder gar zum Gesundheitszentrum werden? „Solche Ideen muss man sich gut überlegen“, sagt Straub. In den vergangenen Jahren hat er beobachtet, wie Horb zurückfällt in der Region. Das tut ihm weh: „Horb hat so viel Potential, dass das eigentlich nicht passieren durfte.“
Doch wie das Ruder herumreißen? Straub plädiert für die Stärkung der harten und weichen Standortfaktoren: Zu den ersten gehören Wohnungen und Bauplätze („Ich kenne Feuerwehrkameraden, die wegziehen, weil sie keinen Bauplatz bekommen“) sowie eine gute medizinische Versorgung. Zu den letzteren zählen ein blühendes Vereinsleben, Musik-, Sport- und andere Freizeitangebote. „Junge Familien ziehen nirgends hin, wo es kein Krankenhaus, Arzt, Feuerwehr und Kinderbetreuung gibt“, sagt er. Da sei auch die Stadt gefordert. Als Beispiel nennt er das Mini-Rock-Festival, das nicht zuletzt auch durch bürokratische Auflagen gescheitert sei. „Da ist die Stadt gefordert!“
Manchmal ist er selbst im Zwiespalt, wie beim Einkaufszentrum. „Activ-Arkaden: Ich frage mich, wo sind die Arkaden? Das habe ich mir anders vorgestellt. Aber wenn es nicht gebaut wäre, was wäre dann?“, fragt er sich. Der Drogeriemarkt Müller wäre weg, die Kleiderläden würden Horb fehlen. „Doch da sind wir wieder beim fehlenden Plan für Horb. Wo will sich die Stadt hinentwickeln?“ Daher findet er den beschlossenen Gestaltungsbeirat so wichtig. Doch pauschal Kritik zu üben, davon hält er nichts. „Die Kritik an anderen hat noch keinem die eigene Leistung erspart“, zitiert er den englischen Schriftsteller und Schauspieler Noël Coward. Jan Straub nimmt sich da nicht aus.