Horb · Natur: Droht erneut ein Dürresommer?

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Nicht gesetztBereits im dritten Jahr in Folge sind die Grundwasserstände in Baden-Württemberg zu Sommerbeginn unterdurchschnittlich. Das geht aus einer Pressemitteilung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) zur Grundwasserbilanz im ersten Halbjahr 2020 hervor. Die Basis haben die vorausgegangenen Trockenjahre 2018 und 2019 gelegt: „Sie führten bereits im vergangenen Sommer dazu, dass an zahlreichen Messstellen in Baden-Württemberg die bisher niedrigsten Grundwasserwerte seit Beginn der Aufzeichnung gemessen wurden“, so die LUBW. Allerdings gebe es regionale Unterschiede.
Wie entsteht Grundwasser?
Rund 70 Prozent des Trinkwassers in Baden-Württemberg wird aus Grundwasser gewonnen. Es fließt in Hohlräumen unter der Erdoberfläche. Bei Niederschlägen versickert ein Teil davon im Boden und fließt durch verschiedene Erdschichten aus Sand, Kies oder anderem Gestein. Je nach Material gibt es größere oder kleinere Poren in der Erdschicht, durch die das Wasser sickert und dabei gefiltert wird.
Beim Durchlaufen des Erdbodens wird das Wasser immer sauberer und löst aus den Gesteinsschichten Mineralien wie Kalzium und Magnesium aus. Das Grundwasser fließt in Richtung der Flüsse, Seen und Meere ab. In den letzten Jahren hat die Grundwasserneubildung jedoch abgenommen: „Modellberechnungen für die zurückliegenden 70 Jahre von 1951 bis 2019 haben gezeigt, dass die vergangenen 17 Jahre für Baden-Württemberg, infolge erhöhter Lufttemperatur und meist nur durchschnittlicher Niederschlagsmenge, eine unterdurchschnittliche Grundwasserneubildung gebracht haben“, so Michel Wingering von der LUBW. Fällt im Sommer Regen, wird er schnell von der Vegetation auf der Oberfläche angenommen. Auch durch Verdunsten bei hohen Temperaturen geht das Wasser schnell verloren. Es gelangt somit nicht ins Grundwasser und die Neubildung bleibt aus.
Situation in Horb und Umgebung
Laut der unteren Wasserbehörde Freudenstadt befinden sich im Landkreis überwiegend Festgesteinsgrundwasserleiter, also klüftige, verkarstete Hohlräume unter der Erde. Da diese als vergleichsweise schnelle Leiter gelten, sei eine repräsentative Erprobung von Grundwasserständen nicht möglich. Daher erfolge die Wasserversorgung mehrheitlich über Quellschüttungen, die meist aus Oberflächenwasser bestehen.
Quellschüttungen geben den Abfluss an, also die pro Zeiteinheit austretende Wassermenge aus einer Quelle in Liter pro Sekunde (l/s). Bei der Egelstalquelle sei die Schüttung mit 26 l/s derzeit recht hoch, sagt der zuständige Wassermeister Uwe Vögele. Das sei durch die großen Niederschläge am Anfang des Jahres entstanden. Letztes Jahr sei dieser Wert bei 17 l/s gewesen. Allerdings zeige die Tendenz allgemein nach unten, so der Wassermeister.
Eckdaten und Entwicklungstendenzen von Grundwasserständen kann man auf den Servern von der LUBW ablesen. Hier ist ein Bewertungsmessnetz der Grundwasserstände zu finden. Die meisten Quellen haben den Status „mittel“, also durchschnittliche Werte, und werden als „rückläufig“ eingestuft. So auch die Bewertungen der umliegenden Bronnbachquelle in Rottenburg und Altablagerung Erlen in Oberndorf.
Auswirkungen auf die Umwelt
Eine Anfrage der SÜDWEST PRESSE beantwortet Wingering von der LUBW so: „Die unmittelbaren Folgen von Dürreperioden sind Trockenstress für die Vegetation und Feuchtbiotope sowie gewässerökologische Auswirkungen. Da das Grundwasser im Spätsommer der Hauptlieferant für die Fließgewässer ist, können in besonders angespannten Perioden, wie es zum Beispiel in den Jahren 2003 und 2018 der Fall gewesen war, vereinzelt auch Gewässerabschnitte austrocknen.“ Bis dato habe es noch keine Auswirkungen auf die Wasserversorgung gegeben.
Kreisforstamtsleiterin Susanne Kaulfuß berichtet, dass Bäume durch extreme Wetter gestresst und anfälliger für Schädlinge seien: „Der Landkreis Freudenstadt ist 2020 bisher mit einem blauen Auge davongekommen. Die Niederschläge im Juni haben uns eine Verschnaufpause gebracht. Die Situation im Hinblick auf den Borkenkäfer ist aber nach wie vor angespannt.“ Die Folgen der Trockenheit und Hitze könne man bei den Nadelbäumen anhand der schütteren Kronen erkennen.
„Die LUBW erwartet bis zum Beginn des Winterhalbjahrs keine Erholung des Grundwasserdargebots“, heißt es in der Grundwasserbilanz. Viel eher würden die Grundwasserstände und Quellschüttungen in den kommenden Wochen und Monaten weiter zurückgehen. Nur ergiebige und mehrtägig anhaltende Sommerniederschläge würden die für die Jahreszeit typischen Rückgänge im Grundwasser verhindern.
Trendberechnungen aus dem Grundwasserüberwachungsprogramm 2017 der LUBW zeigen, dass die kurz- und mittelfristige Entwicklung (das bedeutet, über 10 bis 20 Jahre) der Grundwasserstände und Quellschüttungen in Baden-Württemberg mehrheitlich rückläufig ist.
Masterplan Wasserversorgung
Da das Grundwasser einen erheblichen Anteil des Trinkwassers ausmacht, hat das Umweltministerium und das Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz das Projekt „Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg“ begonnen, um die Herausforderungen des Klimawandels für eine sichere Wasserversorgung zu meistern. „Es sollen alle relevanten Daten zur aktuellen Versorgungsstruktur sowie zur Entwicklung der Wasserressourcen und des Trinkwasserbedarfs bis 2050 erhoben werden. Auf dieser Grundlage können Kommunen und Wasserversorger entscheiden, welche Maßnahmen erforderlich sind, damit die Wasserversorgung in Baden-Württemberg weiterhin auf sicheren Beinen steht“, so Wingering.