Horb · Gewerbe
: Horber A.T.U-Filiale schließt

Die Autowerkstatt- und -teile-Kette gibt ihren Standort auf dem Hohenberg auf. Das Unternehmen sieht hier „keine nachhaltige Zukunftsperspektive“.
Von
Manuel Fuchs
Horb

Ein Anblick, den es für die Horber in absehbarer Zeit nicht mehr geben wird.

Benjamin Breitmaier

Prominent und verkehrsgünstig steht das Gebäude der Horber A.T.U-Filiale auf dem Hohenberg in der Einmündung zwischen der Bundesstraße 28 nach Bildechingen und der Landstraße zum Industriegebiet Heiligenfeld beziehungsweise weiter nach Talheim. Auf den Gewerbeflächen dahinter versammeln sich Autohäuser diverser Marken, freie Werkstätten und Tankstellen - Bestlage für A.T.U, könnte man meinen.

Aber die Filiale hat diese Voraussetzungen in jüngster Zeit nicht so erfolgreich umgesetzt, wie sich das die Firmenzentrale in Weiden/Oberpfalz vorgestellt hatte. Die Folge: A.T.U wird seine Horber Niederlassung voraussichtlich zum 30. September schließen; momentan werden die Restbestände der Waren mit Rabatt abverkauft.

Markus Meißner, Pressesprecher des Unternehmens, sieht in dieser Entscheidung einen üblichen Prozess. Auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE holt er etwas aus: „A.T.U überprüft kontinuierlich Strukturen, Filialkonzepte und Leistungen für die Kunden und passt sie an neue Gegebenheiten an, um das Unternehmen zukunftssicher und wetterfest aufzustellen.“ Dazu gehöre, Filialen zu schließen, die nicht profitabel arbeiten oder keine nachhaltige Zukunftsperspektive haben. Zu diesen Standorten zähle die Filiale in Horb. Dennoch sieht Meißner die Werkstattkette A.T.U in der Region weiterhin gut repräsentiert: „Die nächstgelegene Filiale befindet sich zirka 15 Kilometer entfernt in Nagold.“

Probleme waren bekannt

Björn Waldner, Inhaber des benachbarten Opel-Autohauses, nimmt die Nachricht im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE zunächst überrascht, dann achselzuckend zur Kenntnis: Von der A.T.U-Schließung in Horb habe er nichts gewusst, aber in der Branche seien die Schwierigkeiten der Kette nicht zu übersehen gewesen. Er ist optimistisch, dass die bisherigen A.T.U-Kunden dem Hohenberg treu bleiben und sich dort auf die freien und Vertragswerkstätten verteilen werden.

In der Tat prägten die Suche nach Investoren und eine abgewendete Insolvenz in den zurückliegenden Jahren die Nachrichten über A.T.U. Die Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“ meldete im August, dass in Deutschland und Österreich insgesamt 45 A.T.U-Standorte geschlossen werden sollen. Insgesamt seien 400 Mitarbeiter betroffen –10 davon arbeiten in der Horber Filiale. Nach Auskunft des Unternehmens wird den Beschäftigten „so weit wie möglich“ angeboten, an anderen Standorten weiterzuarbeiten. So möchte A.T.U betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. „Die zur Umsetzung notwendigen Vereinbarungen werden derzeit mit den Arbeitnehmervertretern besprochen und ausgestaltet“, schreibt Pressesprecher Meißner.

Vermieter überrascht

Bleibt die Frage, was mit dem Gelände und dem Gebäude, wo sich A.T.U eingemietet hatte, nun passiert. Als die SÜDWEST PRESSE telefonisch beim Eigentümer nachfragt, zeigt der sich aufs Äußerste überrascht: Er wisse noch überhaupt nichts von der bevorstehenden Schließung der A.T.U-Filiale. „Da muss ich doch gleich mal schauen, wie lange der Mietvertrag noch läuft“, meint er.

Immerhin liegt das Gelände im erweiterten Umfeld des nördlichen Hochbrückenanschlusses und könnte im Zuge der Hohenbergumfahrung an strategischer Bedeutung gewinnen. Wäre es vielleicht interessant für die Stadt Horb oder die zuständige Straßenbau-Behörde, das Regierungspräsidium Karlsruhe, das Gelände zu erwerben, um bei den bevorstehenden Straßenbaumaßnahmen gegebenenfalls flexibler agieren zu können?

Stadt benötigt die Fläche nicht

Die Horber Stadtverwaltung dementiert auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE dahingehende Überlegungen. Auch das RP habe hierzu nicht angefragt. „Die Stadt Horb hält für die Straßenplanung auf der gegenüberliegenden Seite (Grünfläche vor ARAL-Tankstelle) bereits eigene Flächen vor, um flexibel agieren zu können“, ergänzt Sprecherin Inge Weber.