Horb
: Gemeinsam und voneinander lernen statt alleine kämpfen

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Von
Philipp Koebnik über längeres gemeinsames Lernen an GMS
Horb

Schwäbisches Tagblatt

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Gemeinschaftsschulen gibt es in Baden-Württemberg nun schon seit dem Schuljahr 2012/13. Die ersten Jugendlichen der Starterklassen haben 2017 ihren Hauptschulabschluss gemacht, 2018 folgten die ersten mit einem Realschulabschluss. Die Ergebnisse waren so gut wie jene der Schüler, die nach der Grundschule auf eine Realschule gegangen waren. Noch vor der Landtagswahl 2016 kritisierte die CDU die GMS scharf, wandte sich entschieden gegen Notenfreiheit und forderte, dass das Sitzenbleiben möglich sein soll.

Die Erfahrungen, die man an der Horber Gemeinschaftsschule gemacht hat, zeigen jedoch, wie schwierig es ist, Schülern nach der 4. Klasse eine Empfehlung zu geben - eine Empfehlung, die sich in der Regel auf das gesamte weitere Leben auswirkt. Der Rektor der Horber GMS, Götz Peter, hat unerwartet positive Entwicklungen bei einzelnen Schülern festgestellt. Er betont deshalb: „Schüler entwickeln sich.“ Ein frühzeitiges Aussondern, wie es so wohl nur in der Bundesrepublik geschieht, ist höchst unsozial und schädlich.

Vom längeren gemeinsamen Lernen profitieren alle. Denn Schüler können ihren gleichaltrigen Schulkameraden Dinge nicht selten nachvollziehbarer erklären, als es die Lehrer können. Und auch einem guten Schüler nützt es, jemand anderem etwas erklären zu müssen. Oft merkt man erst dann, ob man selbst etwas wirklich durchdrungen und verstanden hat.

Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich habe ein Gymnasium besucht. In der 10. Klasse bin ich sitzengeblieben - wegen Mathe und Physik. Als ich die Klasse wiederholte, habe ich es in diesen Fächern auch nur mit Ach und Krach geschafft. Unterstützung gab es nicht - und professionelle Nachhilfe wäre für meine alleinerziehende Mutter mit nicht gerade üppigem Lohn schwer zu finanzieren gewesen.

Ich habe deshalb in Klasse 11 von einem Klassenkameraden private Nachhilfe in Mathe bekommen. Mit Erfolg. In den Klassen 12 und 13 habe ich dann intensiv gelernt. Das Ergebnis: Ich hatte am Ende einen Abi-Schnitt mit einer Eins vor dem Komma und in Mathe eine Zwei. Ansonsten hat mir niemand geholfen, außer mir selbst. Kleine unschöne Anekdote: Mein Mathelehrer in der 10. Klasse, der zugleich mein Klassenlehrer war, brachte nach der Hälfte des Schuljahrs Abmeldeformulare mit, als er die korrigierten Klausuren austeilte, in der mal wieder mehrere Leute eine Sechs geschrieben hatten.

Ich habe mich am Gymnasium von den Lehrern stets alleine gelassen gefühlt. Und so ging es vermutlich nicht nur mir. Das Sitzenbleiben hat mir nachweislich nichts gebracht. Aber ich bin sicher, dass mir längeres gemeinsames Lernen durchaus genützt hätte und ich mich an einer GMS deutlich wohler gefühlt hätte.