Horb
: Eine Frau sieht rot ... und wer war eigentlich dieser Valentin?

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Von
philosophiert über moderne Romantik
Horb

Brigitte Zintz-Manis denkt über den Valentinstag nach. Privatbild

Nicht gesetzt

Heute sehe ich rot, und das liegt nicht etwa an den rot-weißen Wimpeln, die die Horber Straßen pünktlich zur fünften Jahreszeit zieren. Es liegt viel mehr an Herzchenballons, Rosensträußen und der Schokolade, die überall in roter Herzverpackung angeboten wird. Der Valentinstag steht an und natürlich lässt es sich da niemand nehmen, ins rosarote Geschäft mit einzusteigen.

Spätestens heute steht der Mann von Welt wieder zig Minuten in der Schlange, um seiner Liebsten den obligatorischen Strauß Blumen zu kaufen. Dieselbe hat schon letzte Woche ein Geschenk besorgt - an Boxershorts (natürlich mit Herzchen), Rasiersets oder romantischen Bilderrahmen für das neueste Pärchenfoto hat es in den Werbeprospekten schließlich nicht gemangelt.

Ganz frisch Verliebte, oder diejenigen, die es nach zig Jahren Ehe immer noch sind, gönnen sich ein feines Dinner zu zweit, selbstverständlich bei Kerzenschein und mit romantischer Musik.

Man merkt, ich bin kein Fan des Valentinstags, gönne es aber jedem, der ihn von Herzen zelebriert. Wie meine Mama zum Beispiel, die mich etwas entsetzt angesehen hat, als sie mit meiner allgemeinen Ablehnung konfrontiert wurde. Das sei ja schließlich der Tag der Liebenden, der sei was Besonderes. Auf meine Frage, warum man den Valentinstag denn eigentlich feiere, hatte sie allerdings auch keine Antwort parat.

Erleuchtung hierzu bringt, wie so häufig, das Internet. Im dritten Jahrhundert wurde der Bischof Valentin von Terni angeblich am 14. Februar 273 als Märtyrer hingerichtet. Auch der Priester Valentin von Rom fand vier Jahre zuvor den Märtyrertod. Möglicherweise handelt es sich aber auch um ein und dieselbe Person, auf die der Valentinsmythos zurückgeht. Man ist sich nicht einig. Sicher ist jedoch, dass sich zahlreiche Legenden um seine Person ranken. So soll er zum Beispiel verbotenerweise Soldaten christlich getraut haben. Als Hobbygärtner habe er auch Blumengeschenke an vorbeigehende Liebende gemacht. 200 Jahre nach Valentins Hinrichtung hat die Kirche seinen Todestag zum Gedenktag erklärt, diesen allerdings 1969 wieder aus dem römischen Generalkalender gestrichen. Traditionell romantisch, als Tag der Liebe, wird der 14. Februar aber erst seit dem 14. Jahrhundert gefeiert, in Deutschland sogar erst ab den 1950ern, dank amerikanischer Soldaten, die den Brauch wieder ins Land gebracht hatten. Aber wer weiß so etwas schon?

Höchst motiviert wollte ich mir diese Frage beantworten, also Schreibblock und Stift eingepackt und ab vor die Activ-Arkaden. Ob es an Corona, dem Thema oder dem Wetter lag, weiß ich nicht, jedenfalls war die allgemeine Reaktion auf meine Fragen die Flucht, vorzugsweise schon, bevor ich mich überhaupt vorgestellt hatte. Also hab ich Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen befragt. Das Ergebnis ist eigentlich wie erwartet: Männer schenken häufiger als Frauen und keiner weiß, warum.

Und so wird auch dieser 14. Februar wieder relativ unberührt an mir vorübergehen. Jedoch wird, wie jedes Jahr, ganz ganz tief in mir der winzige Funke Hoffnung aufkeimen, dass ich vielleicht doch mit einem Sträußchen Blumen überrascht werde (ein wenig Romantik schadet ja nicht). Und wie jedes Jahr werd ich diesen Strauß nicht bekommen, weil mein Auserwählter den Tag mal wieder vergisst.