Horb · Eigenheim: Der Traum platzt in Serie

Schwäbisches Tagblatt
.Lediglich 70 Baugenehmigungen gab es in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im gesamten Landkreis Freudenstadt für neue Ein- und Zweifamilienhäuser. Das ermittelte das Pestel-Institut aus Hannover in einer Regional-Analyse des Wohnungsmarkts.
Das macht den Experten Sorgen: Im ersten Halbjahr 2022 waren es noch 152 Baugenehmigungen. „Damit ist der Eigenheimbau innerhalb von nur einem Jahr um 54 Prozent zurückgegangen“, wird Matthias Günther zitiert. Der Leiter des Pestel-Instituts sieht „das Wohneigentum weiter auf der Rutschbahn“. Um eine Kehrtwende zu erreichen, müsse der Staat ein Wohneigentumsprogramm auf die Beine stellen. Er stellt sich da „Bauhilfen fürs Wohneigentum“ vor, also „Bundes-Baustartkapital“. Der Ökonom erklärt: „Es geht in erster Linie um die nötige finanzielle Starthilfe. Also um ein staatliches Baudarlehen, das nicht nur fehlendes Eigenkapital ersetzt, sondern den Haushalten durch einen langfristigen Niedrigzins auch Sicherheit bietet.“ So wünscht er sich ein mehrere Milliarden Euro schweres Darlehenspaket des Bundes.
Unterstützt wird er dabei von Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der die Wohnungsmarkt-Untersuchung beim Institut in Auftrag gegeben hat.
Sie behauptet: „Der Traum vom eigenen Haus, von der eigenen Wohnung - er platzt gerade in Serie.“ Dass nur wenige Menschen sich Wohneigentum anschaffen, gelte auch für den Kreis Freudenstadt, denn sie könnten es sich nicht mehr leisten. „Hohe Zinsen, hohe Baulandpreise, hohe Baukosten, die auch durch Klimaschutz-Auflagen nach oben getrieben werden: Wohneigentum scheitert am Geld“, so Metzger.
Das Institut argumentiert, die Wohneigentumsförderung des Bundes sei gescheitert: Mit 350 Millionen Euro ließe sich der Neubau von 2000 Eigenheimen anschieben. Das genügt ihnen nicht, sie wünschen sich jährlich 100000 neu gebaute Eigenheime.
Die Analyse des Wohnungsmarkts in Freudenstadt ergab auch, dass die Wohneigentumsquote in Freudenstadt bei 59 Prozent liegt. Das sind rund 32600 Einfamilien-, Reihenhäuser und Wohnungen.
Wer leistet sich ein Haus?
Gün ther und seine Mitarbeiter haben einen „Machbarkeitscheck“ für Wohneigentum erstellt. Sie behaupten, ein Reihenhaus mit 95 Quadratmeter Wohnfläche könnten nur die bauen, die 4900 Euro Nettoeinkommen im Haushalt haben: „W er ein Einkommen in dieser Höhe hat oder darüber liegt und außerdem noch über ein Eigenkapital von mindestens 38000 Euro verfügt, der sollte sich auch unter den aktuellen Bedingungen den Neubau im Kreis Freudenstadt leisten können“, so Günther. Bei der Berechnung seien die Zinsen, die lokalen Baulandpreise sowie die aktuellen Baukosten eingeflossen.