Horb · Duale Hochschule: E-Motorräder für Burkina Faso

De legation der Université Aube Nouvelle mit der Präsidentin der DHBW, Martina Klärle, und unter anderem Wolf Burger (Dritter von links).
DHBWD ie m edizinische Versorgung im ländlichen Raum ist schon in Deutschland eine aktuelle Herausforderung. Umso schwieriger ist der Zugang zur ärztlichen Hilfe in der Subsahara Region. Ein Grund für die Delegation um den Präsidenten der Universität in Burkina Faso, Isodore Kini, die DHBW zu besuchen. Darüber berichtet der Campus Horb in einer Pressemitteilung. „Wir haben seit längerem eine Kooperation mit der Universität aus Ouagadougou“, teilt Prof. Wolf Burger mit.
Neben dem ehemaligen Gesundheitsminister Adama Traore hat sich demnach auch der Leiter des Universitätskrankenhauses in Ouagadougou, Gnoumou Savayé, über die Studiengänge im Gesundheitswesen der DHBW informiert. Sowohl der Studiengang der angewandten Hebammenwissenschaft als auch das Studium „Physican Assistant/Arztassistent“ seien auf großes Interesse gestoßen.
Prof. Raymond Bimazubute von der DHBW Stuttgart hat mit seinen Studierenden dafür eine App entwickelt, die Malaria diagnostizieren kann. Im Studienfachbereich Gesundheit werde an der optischen Erkennung und Diagnose von Wunden über die Smartphone Kamera geforscht. Mit einem zugeschalteten Arzt und einer Datenbank im Hintergrund erfolge dann eine optimale Behandlung vor Ort.
Basis: Honda-Maschine
Die angewandte Hebammenwissenschaft sei nicht unbedingt die Kernkompetenz im Maschinenbau in Horb, die Mobilität der Hebammen und der Arztassistentinnen jedoch schon. Neben der „Tyn-e“ Elektroambulanz haben laut der Mitteilung Studierende des Maschinenbaus mit dem Rettungsmotorrad „Health-e“ ein weiteres innovatives Konzept erarbeitet. Studentinnen im Gesundheitswesen entwickeln dafür Rüstsätze für verschiedene Missionen. „Wir versuchen gerade mit den Kollegen eine Produktion von E-Motorrädern Burkina Faso aufzubauen“, erklärt Burger. Die Basis sei ein ursprünglich von Honda unter dem Namen „Cub“ (Cheap Urban Bike, kostengünstiges Leichtmotorrad) entwickeltes Motorrad. „Die großen Räder bieten eine gute Geländegängigkeit auf Schlechtwegstrecken, der tiefe Einstieg macht die Bedienung einfacher“, heißt es in der Mitteilung.
Den Antrieb hätten die Spezialisten am Campus Horb angepasst. So sei der klassische Verbrennungsmotor einem Elektroantrieb gewichen. „2010 hatten wir auf der Intermot Motorradmesse das erste Konzept mit einem elektrischen Mittelmotor vorgestellt“, wird Prof. Burger in der Mitteilung zitiert. „Wir verwenden die gleichen Aufnahmepunkte wie der Verbrennungsmotor bei der Cub, so dass sich auch ältere Motorräder über ein Second-Life-Kit modernisieren lassen.“ Es seien allein bei Honda bisher 100 Millionen Stück des Fahrzeugs gebaut worden - die ganzen Kopien aus China nicht mitgerechnet. Burger: „Unser Antrieb hat also ein ziemliches Marktpotenzial.“
Beibehalten wurde demnach das Vier-Gang-Schaltgetriebe. „Das mag auf den ersten Blick ungewöhnlich sein, die Automobilindustrie erkauft sich aber mit dem Eingang-Getriebe bei Elektrofahrzeugen eine ganze Reihe von Nachteilen“, ist sich Burger sicher. „Es müssen hochdrehende und teure Elektromotoren eingesetzt werden, um die Drehzahlspanne vom Start bis zur Höchstgeschwindigkeit abzudecken.“ Und auch Elektromotoren hätten einen Bestpunkt im Wirkungsgrad. Alle Betriebspunkte, die außerhalb liegen, zögen einen erhöhten Energieverbrauch nach sich.
Porsche setze deshalb als Innovation aktuell im Taycan zwei Gänge ein. „Vier sind dann natürlich viel besser“, schmunzelt Prof. Burger. „Wir müssen ja mit unseren Innovationen einen gewissen Abstand wahren.“