Horb
: Die Entscheidung kommt meistens nach dem Studium. Man ist jung, hat eine Idee. Die Vorstellung, für

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Von
Benjamin Breitmaier
Horb

Bilder: Creatisto

Nicht gesetzt

Die Entscheidung kommt meistens nach dem Studium. Man ist jung, hat eine Idee. Die Vorstellung, für die kommenden 40 Jahre im Neun-bis-fünf-Modus seinen Dienst abzusitzen, löst leichte Depressionen aus. Doch reicht meine Idee aus, um wirklich Brötchen zu verdienen? Bin ich bereit, meine besten Jahre in ein eigenes Unternehmen zu stecken, ohne Gewissheit, wie die Geschichte ausgeht?

Es sind Fragen, die sich jeder junge Unternehmer stellt, bevor sein Name als Geschäftsführer im Handelsregister auftaucht. Fragen, die sich auch Daniel Wehle stellte, als er im Jahr 2013 die Entscheidung traf, diesen Weg zu gehen, den Weg eines Gründers.

Heute ist der Grünmettstetter einer der Chefs von Creatisto. Einem Konstanzer Unternehmen mit acht Mitarbeitern. Das Produkt: eine Hommage an den Trend zur Individualisierung. Creatisto folgt einem einfachen Prinzip: Um aus dem Ikea-Einheitsbrei in der eigenen Wohnung etwas Besonderes zu machen, werden hochwertige Folien mit eigenen Motiven auf die Möbel geklebt. Mit der Aufwertung von Ikea-Möbeln hat alles angefangen. Heute gibt es die Creatisto-Folien für Laptops, Smartphones, Fliesen. Ein ganzes Team an Designern entwirft die Motive der Folien. Über einen ausgefuchsten Online-Shop werden die Folien vertrieben. Teil des Shops ist außerdem ein Konfigurator, über den man eigene Designs hochladen kann.

Bis Daniel Wehle und seine Gründerkollegen Marc Wimmer und Matthias Hillert an dem Punkt angelangt sind, dass sie sagen konnten: „Die Firma läuft“, mussten einige Hürden überwunden werden. Vier Jahre ist es her, seitdem die Idee zum Unternehmen wurde. Wehle und Wimmer kennen sich aus dem Studium an der Konstanzer Hochschule. In unzähligen Stunden, an unzähligen Orten – darunter ein lauer Sommertag auf dem Horber Rauschbart – tüftelten sie an ihrem Businessplan. „Wir wussten immer, dass die Idee Potenzial hat“, erklärt Wehle im SÜDWEST PRESSE-Gespräch. Doch Probleme tauchten auf. Halbzeit-Gründer zu sein, während man hauptberuflich an einer Hochschule promoviert, stellte sich als nicht machbar heraus. Der dritte Gründer, Matthias Hillert, machte kurz zuvor seinen Masterabschluss. „Wenn jeder so ein bisschen arbeitet, wird es schwierig“, meint Wehle. Es musste eine Entscheidung getroffen werden: „Man weiß nicht, was einen dort erwartet. Die Zukunft ist ungewiss. Doch das Gefühl, etwas Eigenes auf die Beine stellen zu können, das hat uns gereizt, Dinge selbst zu gestalten, sein eigener Chef zu sein“, erklärt der 31-jährige Grünmettstetter.

Als die Entscheidung getroffen wurde, folgte eine für Wehle natürlich Verkettung von Ereignissen: Um Freiraum zu schaffen, das Unternehmen aufzubauen, braucht man Geld, um an Geld zu kommen, braucht man Investoren, um an Investoren zu kommen, muss eine Gesellschaft gegründet werden. Die Eintragung der „creatisto GmbH“ folgte im Jahr 2013.

Es folgte der Kampf durch Liquiditätsengpässe, Bürokratiedschungel und die permanente Suche nach neuen Investoren und Kunden. Existenzangst hat Wehle keine, aber „als Angestellter hätte man natürlich schon einen entspannteren Schlaf.“ Die drei Gründer arbeiten nicht nur für sich selbst, betont er: „Man spürt auch die Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter.“

Zweifel an der Sache hatte er laut eigener Aussage nie. „Es ist nicht immer leicht. Man fragt sich schon jeden Tag: Mache ich das Richtige?“ Doch der Glaube an Produkt, Firma und Team sei immer da. „Wenn man so viel in die Zukunft investiert, dann muss man daran glauben.“

U nternehmensgründung – ein Prinzip, das er weiter empfehlen würde? „Oh Gott, nein, lasst das Gründen bleiben, viel zu stressig“ – Wehle lacht. „Nein im Ernst, man kann von der persönlichen Entwicklung her große Sprünge machen. Man wird nie so schnell lernen in einem großen Konzern, weil man alles selbst machen muss. Das fängt an, wenn die ersten Lohnabrechnungen anstehen.“

Bis zum kommenden Jahr ist das Unternehmen in einem Gründerzentrum bei Konstanz untergebracht, ähnlich dem Horber Innovationspark auf dem Gelände der ehemaligen Hohenbergkaserne. Vier Euro Miete pro Quadratmeter helfen jungen Unternehmen in ihrer Anfangsphase.

Mit seiner Heimat verbindet den in Konstanz wohnenden Grünmettstetter nicht nur „der Wald meines Vaters“. Mit einigen Schulfreunden arbeitet er heute noch zusammen. Wehle freut sich auch über die Horber Gründerkultur: „Die Geschichte von Christian Ott zum Beispiel finde ich eine richtig gute Nummer.“ Ott betreibt seit einigen Jahren eine private Musikschule. Wehle: „Er hatte das richtige Gespür und hat sein Ding gut auf die Beine gestellt. Davor ziehe ich meinen Hut.“ Auch zu den Machern des Mini-Rock-Festivals pflegt er bis heute gute Kontakte: „Das sind Geschichten, die einen immer wieder aufbauen. Sie mussten einige Rückschläge einstecken, aber sie haben sich immer wieder aufgerafft.“ Darum schließt er mit einem Rat an jüngere Kollegen: „Jede Gründung kann auch ein Misserfolg sein, das ist Teil des Gesamten.“