Polizeieinsatz in Horb: Wohnhaus zwangsgeräumt – Bewohner aus der Reichsbürgerszene

Die Polizei bringt Passanten in Sicherheit.
Markus Ulmer- Großer Polizeieinsatz in Ihlingen, keine Gefahr für die Bevölkerung.
- Hintergründe des Einsatzes noch unbekannt; gepanzerte Spezialfahrzeuge im Einsatz.
- Polizei gibt keinen Kommentar, versichert aber Sicherheit der Allgemeinheit.
- Einsatzkräfte bereiteten sich in der ehemaligen Hohenbergkaserne vor.
- Feuerwehr rückte später zu einem Brand in Bildechingen aus.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Um 19.45 Uhr flackert Blaulicht durch die Stadt Horb und ein Einsatzfahrzeug nach dem anderen rückt nach Ihlingen aus. Dort fahren die Einsatzfahrzeuge gänzlich ohne Signal, riegeln die Umgebung rund um den Einsatzort und später den ganzen Ort ab. Zu dem Zeitpunkt haben sich Spezialkräfte längst rund um das betroffene Haus platziert – für normale Bürger kaum zu erkennen. Erst als der Einsatz in die Vollen geht, kommen die schwer bewaffneten Sonder-Einsatzkräfte, die sich zunächst rundum in den Hecken versteckt halten und aus eigener Entfernung in Bussen warten, aus der Deckung.
Wie die Polizei später mitteilt, wurde das Wohnhaus durchsucht und zwangsgeräumt. Der Bewohner des Hauses wird der Reichsbürgerszene zugeordnet. Es habe vorab Informationen über den Bewohner gegeben, nach denen eine Gefährdung der eingesetzten Kräfte nicht ausgeschlossen werden konnte, hieß es von der Polizei. Der Bewohner war zur Zeit des Einsatzes nicht im Haus. Es konnten auch keine gefährlichen Gegenstände gefunden werden.
Es werde derzeit nicht nach dem mutmaßlichen „Reichsbürger“ gesucht, einen Haftbefehl gebe es nicht, heißt es von der Polizei. Ob der Mann polizeibekannt ist, wollte ein Polizeisprecher nicht kommentieren, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.
Was sind sogenannte „Reichsbürger“
„Reichsbürger“ erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an und lehnen ihre Gesetze ab. Die Szene ist sehr heterogen, ein Teil wird dem rechtsextremistischen Spektrum zugeordnet.
Evakuierung stand im Raum
Zunächst ging die Polizei von einer Bedrohungslage aus: Der Fotograf der SÜDWEST PRESSE musste sich schnell aus Sicherheitsgründen aus der Sperrzone entfernen. Man habe Angst, dass Schüsse fallen könnten, hieß es.
Laut Polizei bestand für unbeteiligte Dritte über den gesamten Zeitraum keine erkennbare Gefährdung. Dennoch gab es schwere Sicherheitsvorkehrungen, alles wurde abgeriegelt, über dem Haus setzte die Polizei eine Drohne ein, die das Einsatzgeschehen filmte.

SEK-Beamte steigen in der Ihlinger Burghalde aus ihrem Fahrzeug.
Markus UlmerNach Informationen der SÜDWEST PRESSE ist es nicht die erste Hausdurchsuchung in dieser Straße. Ein Objekt dort steht in Zusammenhang mit der Reichsbürger-Bewegung schon länger im Fokus der Ermittler.
Lagezentrum in der Kaserne
In der ehemaligen Hohenbergkaserne hatten sich die Einsatzkräfte zuvor zur Lagebesprechung getroffen. Schon bei der Anfahrt nach Horb im allgemeinen Feierabendverkehr hatte die schiere Masse der Einsatzfahrzeuge für Aufsehen gesorgt. Auch in den Sozialen Medien war daher spekuliert worden. Es waren über 30 verschiedenste Fahrzeuge der Polizei im Einsatz, das DRK und ein Notfallseelsorger trafen ebenfalls im Feuerwehr-Zentrum ein – parallel dazu musste die Horber Feuerwehr zu einem Einsatz nach Bildechingen ausrücken.
Weitere Angaben zum polizeilichen Einsatzgeschehen konnten und wollten die Beamten im Feuerwehr-Zentrum am Abend zunächst nicht machen. Einzige Aussage: „Kein Kommentar.“ Aber: „Es besteht keine Gefahr für die Allgemeinheit“, versicherte dort der Horber Polizeichef Enzo Cicero. Und auch aus dem Polizeipräsidium Pforzheim heißt es: „Seien Sie versichert, wir tun alles dafür, dass das auch so bleibt.“
Bei solchen Geschützen denkt man in Horb natürlich gleich an die Reichsbürgerszene, die sich hier einen unrühmlichen Namen gemacht hat. Mit Ralf S. und Steffen W. müssen sich derzeit gleich zwei Horber wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart verantworten. Beide befinden sich in Untersuchungshaft.
Die ehemalige Hohenbergkaserne, in der sich am Donnerstagabend die Einsatzkräfte sammelten, sollte Stützpunkt einer sogenannten „Heimatschutzkompanie“ werden.

Ein Rammbock der Polizei pflügt den Garten am verdächtigen Objekt um.
Markus Ulmer