Heimatgeschichte: Kontrolluhr mit der Numero 2 in Horb

Diese von den Horber Nachtwächtern erworbene „J. Bürk Patent“ trägt die Numero 2 und ist wohl in deren Sammlung die älteste Nachtwächterkontrolluhr aus dem Hause Bürk. Dazu gab es noch einen passenden Markierschlüssel sowie eine originale Schachtel mit den dazugehörigen Papierstreifen.
Joachim LippJüngst landeten Joachim Lipp, Heinrich Raible und Bruno Springmann, deren Nachtwächterkontrolluhrensammlung mittlerweile 113 Exemplare umfasst, bei einer Auktion mit dem Erwerb einer „J. Bürk Patent“ einen besonderen Coup. Als wohl einzigem Ort auf dieser Welt finden sich jetzt im kleinen Horb gleich vier dieser seltenen Kontrolluhren aus der „Württembergischen Uhrenfabrik Bürk Söhne“.
Da Nachtwächter Mitte des 19. Jahrhunderts keine angemessene Besoldung erhielten, wurden manche Amtsträger ihrer großen Verantwortung nicht immer gerecht. Unter der Prämisse, dass Vertrauen gut, Kontrolle aber besser ist, suchte der Schwenninger Johannes Bürk (1819-1872) eine technische Lösung für das Problem. Als er im Mai 1855 seine tragbare Nachtwächterkontrolluhr patentieren lassen wollte, stellte sich aber heraus, dass der französische Uhrmacher Jean-Baptiste Schwilgué, der belgische Stadtuhrmacher Charles Nolet und der Stuttgarter Telegrapheninspektor Karl Geiger solche Kontrolluhren zuvor schon entwickelt und damit die Bürkschen Patentansprüche vorweggenommen hatten.
Der Unterschied bestand nur darin, dass Bürk seine Kontrollmarkierungen nicht wie Schwilgué, Nolet oder Geiger auf einer Papierscheibe, sondern auf einem um ein Metallrad gewickelten Papierstreifen anbrachte. Deswegen erhielt er am 15. Juli 1855 nur für die „eigenthümliche Art der Zeichengebung“ ein Erfindungspatent, das lediglich auf die Dauer von drei Jahren erteilt wurde. Zu Bürks Leidwesen konnte dann jeder ab 1858 seine Papierstreifenkontrolluhr nachbauen.
Die Württembergische Uhrenfabrik besaß anfangs eine Monopolstellung bei den tragbaren Wächterkontrolluhren. Hier wurden zum ersten Mal in Württemberg arbeitsteilig Kontrolluhren gefertigt. Damit begann die industrielle Entwicklung Schwenningens. Seit 1868 traten aber mit Anton Meyer und Theodor Hahn in Stuttgart, der schlesischen Uhrenfabrik Eppner und den Schwenninger Fabriken von Jakob Schlenker-Grusen und Jakob Benzing ernstzunehmende Konkurrenten auf den Markt, die Wächterkontrolluhren mit der Aufschrift „Bürk’s System“ oder „Bauart Bürk“ herstellten.
Obwohl eine Papierscheibe leichter in eine Wächteruhr einzulegen ist als ein Papierstreifen und eine Papierscheibenuhr weniger aufwändig herzustellen ist, zog ihr Erfinder Bürk die Streifen- stets der Scheibenuhr vor. Seit 1883 fand sich auf dem Befestigungsbügel für das Streifenrad, der 1930 durch eine Rändelmutter ersetzt wurde, die Bezeichnung „J. Bürk Original“. Die Kontrolluhr wurde unter diesem Namen weltbekannt. Erst 1961 wurde die Fertigung der Bürk-Original eingestellt.
Verweis auf das Jahr 1856
Die Gravur „BREVETÉ S.G.D.G.“ auf dem Gehäusedeckel der jüngst erworbenen „Bürk Patent“ verweist auf das Jahr 1856, in dem der Straßburger Konkurrent Schwilgué verstarb und Bürk das Elsass mit dem Verkauf seiner Erfindung besonders intensiv beackerte. Für das hohe Alter der Uhr sprechen neben der auf dem Trageringknauf gravierten Numero 2 weitere Gründe. Die Uhr besitzt das ursprüngliche Emailzifferblatt, das bald durch ein Metallzifferblatt ersetzt wurde. Das Gehäusescharnier, das später erhaben ausgeführt wurde, ist sehr flach. Der Gangordner ist noch in die Platine integriert und kann nicht wie bei Nachfolgemodellen ausgewechselt werden.
Außerdem fehlt bei den älteren „J. Bürk Patent“-Uhren die Deckelmarkierung, die der Kontrollperson anzeigte, ob während des Kontrollgangs versucht wurde, die Uhr durch das Öffnen des Gehäuses zu manipulieren. Die Papierstreifenuhren der Württembergischen Uhrenfabrik wurden erst kurz vor dem Wechsel zur Bezeichnung „J. Bürk Original“ mit einer Deckelmarkierung ausgestattet.