Großbrand in Nagold
: „Irgendwann kam uns auch brennender Kraftstoff entgegen“

Ein Schaden in Millionenhöhe – aber glücklicherweise keine Verletzten. Der Großbrand in der Olgastraße forderte die Einsatzkräfte den gesamten Sonntag. Der Pressesprecher, selbst aktiver Feuerwehrmann, beschreibt, wie es ist, in dem Inferno zu löschen.
Von
Mara Lucas
Nagold
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Wohnmobil im Vollbrand bei Eintreffen der Feuerwehr Nagold Bild Kreisfeuerwehrverband Calw e.V.

Wohnmobil im Vollbrand bei Eintreffen der Feuerwehr Nagold Bild Kreisfeuerwehrverband Calw e.V.

Feuerwehr Nagold
  • Großbrand in Nagold: Feuer zerstörte Carport, Wohnmobil und verursachte Schäden in angrenzenden Gebäuden.
  • 90 Feuerwehrleute und 17 Fahrzeuge am Sonntag im Einsatz, unterstützt von Rettungsdienst und DRK.
  • 30 Atemschutzgeräteträger suchten Gaststätte und Wohnhaus nach Rauch und Glutnestern ab.
  • Schäden von über 1 Million Euro, Ursache wird von Polizei und Kriminaltechnik untersucht.
  • Oberbürgermeister lobt Einsatzkräfte für schnellen und koordinierten Einsatz ohne Verletzte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein großer Feuerschein war in der Olgastraße in Nagold sichtbar, als am Sonntagmorgen gegen 7 Uhr die Feuerwehr alarmiert wurde und kurz danach an der Einsatzstelle eintraf. Bewohner und Anwohner alarmierten die Einsatzkräfte, da zwischen einem Wohnhaus und einer Gaststätte  ein Feuer im Bereich eines Carports ausgebrochen war. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte wurde dem Einsatzleiter und stellvertretenden Kommandanten der Feuerwehr Nagold, Philipp Katz, mitgeteilt, dass sich alle Personen aus den beiden Häusern unverletzt in Sicherheit bringen konnten. Somit wurde umgehend mit der Brandbekämpfung begonnen.

„Unter dem Vordach brannte ein Müllcontainer, der bereits auf ein Wohnmobil übergegriffen hatte. Durch angrenzende Thuja-Hecken und die Holzkonstruktion des Carports hatten wir eine zügige Brandausdehnung“, so der Einsatzleiter Katz in einer Pressemitteilung. „Da der Carportbereich die Gaststätte mit dem Wohnhaus verbindet, haben wir mit zwei Riegelstellungen die Gebäude gesichert und mit einem Wendstrahlrohr die Brandbekämpfung über unsere Drehleiter von oben durchgeführt. Gleichzeitig waren wir von verschiedenen Seiten mit insgesamt fünf C-Strahlrohren im Einsatz. Durch die enorme Hitzeentwicklung konnte das Bersten der Scheiben des Wohnhauses nicht verhindert werden, sodass auch im angrenzenden Wohnhaus ein umfangreicher Brandschaden entstanden ist“, ergänzt der Feuerwehrmann. „Des Weiteren suchten wir mit zwei Atemschutztrupps immer wieder die Räume im Inneren der Gaststätte nach Rauch und Feuer ab, um eine Brandausdehnung zu verhindern“, fügt Katz hinzu.

30 Atemschutzgeräteträger im Einsatz

Insgesamt waren bei diesem Einsatz knapp 30 Atemschutzgeräteträger im Einsatz. Einer von ihnen war Markus Fritsch, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Calw. Er beschreibt im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE, dass Atemschutzgeräteträger immer nur 15 bis 20 Minuten am Stück im Einsatz sind. Dann ist der Sauerstoff verbraucht, sie müssen zurück, die Flasche tauschen und bekommen eine Ruhepause. So werde die Gesundheit der Einsatzkräfte geschützt, erläutert der Feuerwehrmann.

Reifen detonieren in den Flammen

Fritsch war Teil des Trupps, der direkt am Wohnmobil löschte. Wie fühlt sich das an, in diesem Inferno zu löschen? „Ich bin jetzt 51 Jahre alt und seit 30 Jahren bei der Feuerwehr. Wir üben das alle 14 Tage, damit wir gut vorbereitet sind“, erklärt Fritsch. Durch das ständige Üben hätten sie den Ablauf auch in der Einsatzsituation im Kopf und hielten sich daran. Sie wurden geschult, achtsam in den Einsatz zu gehen und auf potenzielle Gefahrenquellen zu achten. „Eigenschutz ist wichtig. Deswegen sind wir auch von der Seite aus an das Wohnmobil herangegangen“, so der Feuerwehrmann. Bei dem Wohnmobil detonierten auch die Reifen. Er beschreibt: „Irgendwann kam uns auslaufender Kraftstoff brennend entgegen.“ Generell helfe es, dass sie immer gemeinsam in Stoßtrupps vorgehen, zu zweit oder zu dritt. Da achte man darauf, junge und erfahrene Kräfte zusammen loszuschicken.

Das Dach der Gaststätte musste mit entsprechendem Gerät geöffnet werden, da sich das Feuer unter das Blechdach von der Carportseite aus ausgebreitet hatte. Hierzu musste die Feuerwehr das Blechdach abtrennen, um die einzelnen Glutnester zu finden und abzulöschen. Die Löscharbeiten nahmen den gesamten Sonntag in Anspruch. Fritsch schätzt, dass die Feuerwehrleute erst um 16.30 Uhr mit dem Aufräumen des Feuerwehrhauses fertig waren, und an der Einsatzstelle rückte noch ein Dachdecker an, der das Dach sicherte.

17 Fahrzeuge und 90 Feuerwehrleute im Einsatz

Vor Ort verschafften sich Jürgen Großmann, der Oberbürgermeister der Stadt Nagold, sowie der Leiter des Ordnungsamtes, Achim Gräschus, ein Bild. „Wir sind sehr dankbar, dass bei diesem Großbrand keine Menschen zu Schaden gekommen sind“, so der Oberbürgermeister. Gleichzeitig dankt er den Einsatzkräften für den reibungslosen Einsatzablauf und das ausgezeichnete Zusammenwirken aller Abteilungen in Nagold. So sei Schlimmeres verhindert worden, lobte der OB.

Mit insgesamt 17 Fahrzeugen und über 90 Brandschutzkräften aus Nagold und allen Ortsteilen waren die Feuerwehren im Einsatz. Unterstützt wurden sie durch den Rettungsdienst. Dieser war mit vier Fahrzeugen, entsprechenden Notärzten und Rettungskräften an der Einsatzstelle. Im weiteren Einsatzverlauf konnte der Rettungsdienst abrücken  und der Sanitätsdienst wurde vom DRK Ortsverein Nagold-Wildberg übernommen. Dieser sorgte neben dem Sanitätsdienst auch für die Versorgung der über 120 Einsatzkräfte an der Einsatzstelle und organisierte ein Mittagessen im Gerätehaus der Feuerwehr Nagold.

Schaden von rund 1 Million Euro

Unterstützt wurde Katz von den stellvertretenden Kreisbrandmeistern André Weiss und Tido Lüdtke. Die Polizei Nagold sowie die Kriminaltechnik Calw waren mit drei Fahrzeugen und sechs Beamten an der Einsatzstelle. Die Ermittlungen zur Brandursache wurden aufgenommen. Aktuell wird von einem Schaden von über einer Million Euro ausgegangen.

Feuerwehrmann Markus Fritsch, der ehrenamtlich Kreisfeuerwehrverbandssprecher ist, freut sich, dass die Angehörigen und Inhaber der Gaststätte sich schon am Brandort bei den Einsatzkräften bedankten. Es sei ein Miteinander von Einsatzkräften und Betroffenen gewesen, so Fritsch. Die Feuerwehrleute kannten die Inhaber der Gaststätte und überlegten bereits mit ihnen gemeinsam: „Wie kann es weitergehen?“ So hätten sie so schnell wie möglich das Löschwasser wieder aus dem Gebäude gepumpt, um weitere Schäden zu verhindern.

Resümee: sehr zufrieden

Nach dem Einsatz musste keiner der Atemschutzgeräteträger zum Arzt. „Wir haben den Einsatz sauber ausführen können“, freut sich Fritsch. Mit dem schnellen Eingreifen hätten sie verhindern können, dass das Feuer die Häuser weitergehend beschädigte. Sein Resümee: „Keine Verletzten, Häuser gerettet, wir sind sehr zufrieden.“