Größte Sorge: Lehrermangel
: Volkshochschule stößt mit Deutschkursen für Ausländer an ihre Grenzen

In den Pausen, vor und nach den Kursen herrscht mitunter babylonisches Sprachgewirr auf den Fluren des Kreishauses. Über 400 Frauen und Männer aus über einem Dutzend Nationen, von Russland bis nach Eritrea, von Thailand bis nach Bulgarien, versuchen sich unter den verschiedensten Bedingungen an der Kreisvolkshochschule mit der deutschen Sprache anzufreunden. Für das Jahr 2016 rechnet der Volkshochschulverband des Landes mit einer Verdoppelung der Interessentenzahl. Und das macht wiederum Marc Vogt sprachlos.
Von
Hannes Kuhnert
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Marc Vogt ist Abteilungsleiter für Sprachen und Integration bei der Kreisvolkshochschule.

Nicht gesetzt

Und mit ihnen wächst die Flut der Vorschriften, Bestimmungen, Änderungen, Einschränkungen und Förderprogramme von Bund und Land betreffs Deutschkurse für Ausländer. Grundsätzlich wird in vier Gruppen unterschieden, in denen Migranten Deutschunterricht bekommen müssen, dürfen und können, wie viele Stunden die Kurse enthalten, mit welchen Prüfungen sie abschließen, was sie kosten und wer’s bezahlt. Wer als Laie versucht, in diesen Paragraphendschungel aus meist gut gemeinter Regelungswut einzutauchen, verliert das Staunen darüber, warum Anerkennungsverfahren für Ausländer so lange dauern und lässt die Hoffnung fahren, dass sich dies einmal ändern werde.

Außerhalb des üblichen Kursangebots im offenen VHS-Programm gibt es an der Kreisvolkshochschule in Freudenstadt und Horb derzeit sieben Integrationskurse mit gut 140 Teilnehmern aus aller Welt, darunter auch anerkannte Asylberechtigte und Asylbewerber aus den Staaten Syrien, Irak, Iran und Eritrea. Dazu kommen Kurse mit Landesförderung und/oder Förderung durch den Landkreis. Die neuen Einsteigerkurse im Auftrag der Arbeitsagentur kann die KVHS gar nicht mehr übernehmen. Diese halten im Landkreis verschiedene private Träger wie das Hermann-Hesse-Kolleg in Horb oder das Eduard-Hallberger-Institut in Freudenstadt.

Denn die Volkshochschule ist längst an ihre Grenzen gestoßen. Räumlich und personell. Die drei großen Unterrichtsräume im Kreishaus in Freudenstadt und die beiden Räume in Horb sind ausgebucht und von den sieben derzeitigen Deutschlehrern dürfe nur ja keiner ausfallen, sagt Vogt. Im ländlichen Raum, in dem seit Jahren über den Mangel an Lehrkräften geklagt wird, wiegt das Fehlen geeigneter Pädagogen besonders schwer. Zumal die Konkurrenz groß ist. Inzwischen rekrutieren Berufsschulen für ihre Vorbereitungsklassen pensionierte Lehrkräfte und auch Asyl-Freundeskreise beschäftigen Lehrkräfte mit Deutschstunden.

Wie’s bei steigender Nachfrage an der Volkshochschule weitergehen soll? Vogt sieht angesichts des Lehrkräftemangels die Bundesregierung in der Verantwortung. Nur mit einer besseren Finanzierung der Kurse könne es gelingen, mehr Lehrkräfte zu gewinnen und damit jungen Menschen eine berufliche Perspektive mit dem Fach Deutsch als Fremdsprache zu bieten. Zumindest das Verwaltungsteam wird um eine Kraft im neuen Jahr aufgestockt. Und die ist bei dem wuchernden Papierkrieg bitter nötig.

„Ohne Deutsch kommt man nicht vorwärts“, weiß Vogt. Diese Erkenntnis habe sich unter Flüchtlingen wie auch generell unter Ausländern längst herumgesprochen. Sie seien in den Kursen sehr motiviert, ihr Sozialverhalten gebe in der Regel keinen Anlass zu klagen. Kursabbrüche gebe es meist nur dann, wenn sich die Lebensumstände aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen ändern.

Marc Vogt verweist mit großem Respekt auf die zahlreichen Deutschstunden, die von Asyl-Freundeskreisen, Helfervereinen, Kirchen, Organisationen, vereinzelt auch Firmen im Landkreis meist mit ehrenamtlichen Lehrern angeboten werden, um Flüchtlingen die Integration zu erleichtern. So gebe es allein in Waldachtal 36 ehrenamtliche Deutsch-Lehrer, in Loßburg 17.