Glosse
: Asiatische Hornisse im Revier: Na und?

Ein Leser unserer Zeitung hat hinter seinem Haus in Schietingen ein großes Nest der Asiatischen Hornisse entdeckt. Ihn freut's: „Andere haben Waschbärle, ich die Insekten. Das ist schön, anzusehen.“
Von
Michael Stock
Horb
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Beeindruckend: Das Hornissennest wurde erst sichtbar, nachdem der Baum seine Blätter verloren hatte.

Beeindruckend: Das Hornissennest in der Baumkrone wurde erst sichtbar, nachdem der Baum seine Blätter verloren hatte.

Privat

Gute Ratschläge, vor allem die von Freunden, können mitunter hilfreich sein. Zum Beispiel dieser: „Immer vorsichtig sein.“ Damit fährt man im Alltag größtenteils gut, wähnt sich auf der sicheren Seite. So hält es auch unser Leser aus Schietingen, einem idyllisch und naturnah gelegenen Teilort der Stadt Nagold. Ihm doch egal, dass ein neuer Eindringling direkt hinter seinem Haus Hof hält.

Was wurde nicht alles getitelt: „Killer-Hornisse breitet sich immer weiter aus“ ist einem Boulevardblatt zu entnehmen. „Sie frisst deutsche Bienenvölker auf“, heißt es weiter in einer überregionalen Zeitung. Ja, unser Leser gibt schon zu, dass manch Imker erbost sei. Aber nun ist sie eben da, die Asiatische Hornisse. Die Invasion des Insekts, das mittlerweile auch in Deutschland verbreitet ist. Und unser Leser machte eine Entdeckung derselben, hat fortan einen neuen Nachbar. „Ich wohne in der Straße mit der Nummer 24. Die Hornissen haben jetzt die Straßennummer 24,5, direkt hinter einem kleinen Laubwäldle in der Baumkrone, auf einem ungepflegten Grundstück“, sagt er. Das Nest habe er erst bemerkt, nachdem der Baum seine Blätter verloren hatte. Ob der Größe geht er davon aus, dass hunderte der invasiven Art in das Nest passen müssen. „Die fliegen hier auch herum, man sieht, dass sich etwas bewegt. Aber selbst bei offenem Fenster flogen sie nie in mein Haus.“

„Dass ich wegen der Viecher das
Zeitliche segnen muss, glaube ich nicht“

Dass das Verbreitungsgebiet dieser Hornissen immer größer, der Kampf gegen den vermeintlich schädlichen Eindringling immer aussichtsloser wird, die Asiatische Hornisse auch letzte Ecken von Deutschlands Süden erobert? „Das ist mir egal, die einen Insekten gehen, andere kommen. Andere haben ihre Waschbärle, ich die Insekten. Man muss sich arrangieren.“

Informationsschreiben von Ämtern könne man getrost abtun, die wüssten längst Bescheid, „aber denen scheint es nicht zu pressieren. Mir pressiert’s auch nicht. Ich habe eine Freude daran, mir so ein Nest anzuschauen.“ Bange sei ihm nicht, allenfalls steche die Hornisse einen. Und wenn schon, dann trage man eben eine Schwellung mit sich her.  „Dass ich wegen dieser Viecher das Zeitliche segnen muss, glaube ich nicht.“