Gewerkschaft
: IG Metall Freudenstadt pocht auf höhere Löhne

Sieben Prozent mehr Geld für zwölf Monate und 170 Euro mehr Ausbildungsvergütung. Dies ist die Forderung der IG Metall in der diesjährigen Tarifrunde.
Von
Moritz Hagemann
Glatten
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Members of the IG Metall metalworkers union demonstrate on September 25, 2024 in front of Schloss Herrenhausen Palace in Hanover, northern Germany, where talks between unions and the Volkswagen management started following an announcement of German carmaker Volkswagen (VW) that drastic cost-cutting measures are needed to keep the carmaker competitive. After Volkswagen's bombshell announcement earlier in September 2024 that it could close factories in Germany for the first time, company management and unions will begin tense talks on a new pay deal. Volkswagen has repeatedly stressed that its costs are excessive and profit margins too low, particularly at its core VW brand. (Photo by RONNY HARTMANN / AFP)

Die IG Metall kämpft bundesweit für bessere Löhne.

Ronny Hartmann/AFP

80 Delegierte der IG Metall Freudenstadt informierten sich und diskutierten im Sportheim Glatten, um sich gemeinsam auf die anstehende Tarifauseinandersetzung mit ihren Arbeitgebern einzustimmen und vorzubereiten. Darüber berichtet die Freudenstädter Gruppe der Gewerkschaft in einer Mitteilung.

„In der aktuellen Tarifbewegung der Metall- und Elektroindustrie braucht es eine Nullrunde, oder eigentlich einen Entgeltverzicht der Beschäftigten, um Betriebe und Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen“ - mit diesen provokanten Worten des Arbeitgeberverbandes eröffnete Dorothee Diehm, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Freudenstadt, die Delegiertenversammlung im Sportheim Glatten. „Wir raten den Arbeitgebern, ihre Forderung auf Entgeltverzicht der Beschäftigten, welche zu einer weiteren sinkenden Konsumlaune führen würde, aufzugeben. Der Unmut der Beschäftigten wird sich in den kommenden Wochen in betrieblichen Aktionen und im Rahmen geplanter Betriebsversammlungen zeigen", wird Diehm in der Mitteilung zitiert.

Für Diehm hat sich demnach ein weiterer Schwerpunkt, neben der Erhöhung der Entgelte, im Rahmen der Tarifverhandlungen ergeben, die tarifliche Weiterentwicklung jährlicher Freistellungstage zur Betreuung von Kindern und pflegebedürftige Angehörigen. Aktuell können nach Tarifvertrag acht Freistellungstage pro Jahr, im Wandel gegen Geld, nur zweimal in Anspruch genommen werden. "Kinder und Pflegende müssen jedoch auch noch nach zwei Jahren Inanspruchnahme der freien Tage betreut werden“, so Diehm.

In Sachen „Entgeltforderung“ sieht sich die IG Metall Freudenstadt durch das Votum ihrer Mitglieder und Beschäftigten aus den Betrieben bestätigt. In einer im Frühjahr 2024 durchgeführten Befragung der IG Metall Freudenstadt in den Metallbetrieben der Region haben sich die Beschäftigten mit 31 Prozent für eine Entgelterhöhung zwischen 4 bis 6 Prozent, 28 Prozent für 6 bis 8 Prozent und 23 Prozent für eine Entgelterhöhung von mehr als 8 Prozent ausgesprochen.

"Haben wir nicht Jahre extremer Preissteigerungen hinter uns, die immer noch wirken? Unsere Beschäftigten haben nach wie vor Probleme, ihre Lebenshaltungskosten zu tragen. Auch deshalb sind sie als Verbraucherinnen und Verbraucher zurückhaltend. Steigende Löhne sind notwendig, um die Kaufkraft und damit die Konjunktur anzukurbeln. Wenn die Unternehmen die Nachfrage nach ihren eigenen Produkten steigern wollen, müssen sie die Entgelte der Beschäftigten erhöhen“, findet Frank Rauscher, Betriebsratsvorsitzender der Firma Woodward L'Orange in Glatten und Mitglied der Großen Tarifkommission der IG Metall Baden-Württemberg. „Die Auftrags- und Ertragslage ist im Moment hervorragend und die Beschäftigten fordern zu Recht ihren Anteil an den Gewinnen ihrer Arbeit selbstverständlich ein“, sagt Rauscher weiter.

Die IG Metall Freudenstadt geht über dies hinaus mit einer speziellen Entgeltforderung für Auszubildende in die Tarifverhandlungen. Die Ausbildungsvergütungen seien mit ihrer relativ niedrigen Ausbildungsvergütung durch die hohen Preise besonders belastet. In vielen Ausbildungsberufen liegen die Vergütungen inzwischen höher als in der Metall- und Elektroindustrie. Darum fordert die IG Metall eine überproportionale Erhöhung der Vergütungen um 170 Euro. „Die Auszubildenden sind heute im Schnitt 20 Jahre alt und führen ein eigenständiges Leben, das sie finanzieren müssen. Und sie sind der begehrte Fachkräftenachwuchs. Deshalb wollen wir die Auszubildenden finanziell stärken und die Attraktivität der Ausbildung in der Metall- und Elektroindustrie fördern“, erläutert Maximilian Schmid, zuständiger Gewerkschaftssekretär für die Beschäftigtengruppe der Auszubildenden und Dualstudierenden der IG Metall Freudenstadt, in der Mitteilung. Weitere Themen der IG Metall in der Tarifrunde sind eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen und die Ausweitung der Wahloptionen zwischen Zeit und Geld auf mehr Beschäftigte.

Dorothee Diehm: „Wir erkennen die differenzierte wirtschaftliche Lage in der Branche an und haben deshalb eine maßvolle und angemessene Forderung erstellt. Was in dieser Tarifbewegung noch fehlt, ist der Respekt der Arbeitgeber gegenüber den Leistungen der Beschäftigten. Was fehlt, ist die Anerkennung der Notwendigkeit, dass die Menschen mehr Geld zum Leben brauchen und die Wirtschaft positive Impulse benötigt."

Sofern sich die Vertreter des Arbeitgeberverbandes bis zum 28. Oktober "nicht deutlich bewegen", so Diehm, seien Arbeitsniederlegungen unausweichlich. Am 28. Oktober um 0 Uhr endet die Friedenspflicht.