Geschwindigkeitskontrollen in Horb: Klammheimlich abkassiert?


Oft kritisiert, selten geliebt: Der teilstationäre Blitzer-Anhänger, im Volksmund liebevoll oder zynisch „Marvin“ genannt, wechselt im Horber Stadtgebiet regelmäßig seinen Standort.
Karl-Heinz Kuball (Archiv)Hand aufs Herz: Wer noch nie das hässliche, grellrote Aufblitzen am Straßenrand registriert und im selben Moment wütend das Lenkrad umklammert hat, der werfe den ersten Stein. Ja, auch der Verfasser vorliegender Zeilen bekennt sich schuldig. Es passiert: Der Kopf ist gedanklich schon im Feierabend, das Auge einen Moment abgelenkt, der Fuß einen Zentimeter zu tief auf dem Gaspedal – und schon ist das teure, wenn auch verschwommene Passfoto im Kasten. In solchen Momenten flucht man instinktiv über die Technik, die Behörden und das eigene Pech. Das ist menschliche Natur.
Zieht man den Kopf jedoch aus der Schlinge der ersten Wut und lässt das Adrenalin sacken, siegt meistens die Vernunft. Niemand, der noch ganz bei Trost ist, wird ernsthaft anzweifeln, dass eine moderne Blitzersäule etwa vor der Gutermann-Grundschule an der Stuttgarter Straße oder das ganzjährige Tempolimit an der Pestalozzi-Schule ihre Berechtigung haben. Kinder reagieren im Straßenverkehr unberechenbar. Schulwege müssen so sicher wie nur irgendwie möglich sein, Punkt. Hier zu kontrollieren, ist keine Schikane, sondern pure Notwendigkeit. Wer hier rast, gehört bestraft.
Das Problem ist nur: Die an sich logische Argumentation der Horber Stadtverwaltung hat zwei Gesichter. Wenn derselbe teilstationäre Blitzer, der tagsüber noch die schwächsten Verkehrsteilnehmer schützte, zu vorgerückter Stunde im dämmrigen Niemandsland eines Horber Teilorts postiert wird, bekommt die Sache ein „Gschmäckle“. Und zwar ein gehöriges.
Unfallprävention zu vorgerückter Stunde im Niemandsland?
Denn wenn man spätabends direkt hinter dem Ortseingangsschild von 100 auf 50 heruntergebremst wird, schwindet das Verständnis gegen null. Um diese Uhrzeit sind die einzigen potenziellen Passanten am Straßenrand allenfalls schlafende Feldmäuse. Wenn das Ordnungsamt genau dort und genau dann das Messgerät scharfstellt, riecht das eben nicht nach Unfallprävention, sondern nach einem geplanten Hinterhalt.
Da hilft es am Ende auch wenig, wenn das Rathaus mit Blick auf den wackelnden 3-Millionen-Euro-Blitzer-Etat betont, dass die zu erwartenden Einnahmen eine „untergeordnete Rolle“ spielten. Es bleibt das ungute Gefühl, dass der moralisch unantastbare Schutzgedanke hier heimlich in einen rein fiskalischen Jagdtrieb übergeht. Solange der Übergang vom sicheren Schulweg zur nächtlichen Gelddruckmaschine im Teilort so fließend bleibt, werden sich die Autofahrer den Vorwurf der Abkassiererei jedenfalls nicht ausreden lassen – Statistik hin oder her.