Gegen die Neid-Debatte: Erwin Reck wünscht sich mehr mehr Platz und mehr Waren für den Tafelladen

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Nicht gesetztUm 40 neue Personen erweitert sich momentan der Kundenkreis des Tafelladens pro Woche. Sie stehen morgens bereits Schlange, bevor sich das Geschäft in der Bildechinger Steige öffnet. Wenigstens konnte der vorläufige Aufnahmestopp wieder zurückgenommen werden, informierte Reck. Doch da die Zahlen weiterhin steigen, weiß der Caritas-Chef nicht, wie es weitergehen soll. „Wir kommen an unsere Grenzen“, betonte er.
Nicht nur die Waren sind knapp, sondern auch der Platz und das Personal. „Wir müssten eigentlich umziehen“, sagte Reck. Der Carisatt-Laden umfasst nur 20 Quadratmeter, daher werden immer nur drei Kunden in den Laden gelassen. Die anderen müssen derweil draußen warten. Aufgrund der Leerstände in Horb würde es genügend andere Räumlichkeiten geben, meinte Reck.
Doch es ist eine Frage der Finanzierung. In der Bildechinger Steige muss die Caritas keine Miete bezahlen, denn die Räume werden von der katholischen Spitalstiftung gestellt. Doch 1000 Euro Monatsmiete zahlen zu müssen, könne die Einrichtung nicht stemmen. „Klar, wir müssen den Laden wirtschaftlich betreiben. Aber die Preise der Waren sollten nicht steigen“, betonte Reck.
Gegen den Warenmangel kämpft die Caritas mit massiver Werbung. Reck lobt die Solidarität unter den Horbern. Viele Spenden kommen von Einzelpersonen oder Organisationen. Er wies nochmals darauf hin, dass der Tafelladen kein Geld entgegennehmen darf. Das widerspräche den Statuten der Tafelläden. Bei den Geschäften würde es welche geben, die direkt auf die Caritas zukommen würden, so wie der Real auf dem Hohenberg. „Es gibt aber auch Lebensmittelhändler in der Horber Kernstadt, die sich nicht am Tafelladen beteiligen, die ihre Waren in den Container schmeißen, sodass es mir ganz schlecht wird“, kritisierte er.
Aus dem Gremium wurde Reck förmlich mit Fragen überschüttet. Vor allem der fragile soziale Friede sorgte für Diskussionen. Oberbürgermeister Peter Rosenberger sprach das Thema an: „Eigentlich müsst en doch Hartz IV-Empfänger und Flüchtlinge genügend Geld haben, um regulär einkaufen zu können?“ Reck informierte, dass ein Hartz IV-Empfänger im Monat rund 380 Euro bekommt, von dem er seinen Lebensunterhalt sowie Strom und Miete berappen muss. Und er muss auch etwas ansparen, für den Fall, dass die Waschmaschine oder der Kühlschrank kaputt geht oder eine Stromnachzahlung droht. Vor allem bei solch unvorhergesehenen Dingen wird es schnell knapp: „Mit dem Einkauf im Tafelladen wird der finanzielle Spielraum größer“, betonte er.
Flüchtlinge würden noch weniger Geld als Hartz IV-Empfänger bekommen. Karl Kocheise (CDU) sah hier allerdings den Staat in der Pflicht. „Bedürftige treten in den Wettbewerb mit Flüchtlingen“, sagte er, „daher ist der Staat dafür verantwortlich, dass genügend Geld da ist.“ Reck gab zu, dass seit die Flüchtlingszahlen steigen, bei den bisherigen Kunden ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist. Er weiß aus den Gesprächen im Tafelladen: „Bei den Ärmsten gibt es Ängste, dass jemand ihnen das wenige auch noch nimmt.“ Aber: „Für uns ist jeder, der kommt, bedürftig. Wir müssen uns dem stellen.“ Das gehörte auch zu den Grundsätzen des Bundesverbands der Tafelläden.
Markus Pagel (OGL) befürchtet, dass der soziale Frieden kippen könnte: „Ich sehe es daher als unsere Aufgabe, dem entgegenzuwirken. Wir müssen hier helfen“, forderte er. „Wenn wir umziehen, erhoffe ich mir schon ein wenig Unterstützung von der Stadt“, signalisierte Reck, „damit verteilen wir die Last auf mehrere Schultern.“ Der soziale Friede hängt für ihn von einem wesentlichen Kriterium ab: „Wenn wir genügend Waren haben, bleibt auch der soziale Friede im Gleichgewicht.“
Alles rund um den Horber Tafelladen
Die Waren im Tafelladen stammen von Lebensmittelläden aus der Region. Täglich werden die Läden angefahren und die Ware in den Carisatt-Laden in der Bildechinger Steige 10 gebracht. Obst und Gemüse werden umsonst an die Kunden abgegeben, genauso wie frische Lebensmittel, deren Haltbarkeit in ein bis zwei Tagen abläuft. Bei lange haltbaren Lebensmitteln wie Reis und Nudeln oder Hygieneartikel werden 20 Prozent vom Ladenpreis verlangt.
Die Kunden kommen aus dem Altkreis Horb, berichtete Caritas-Chef Erwin Reck. Doch es gäbe auch Anfragen nach Kundenkarten aus dem Nagolder und Rottweiler Raum. Diese müssten sie allerdings ablehnen. Eine Kundenkarte bekommt, wer seine Bedürftigkeit nachweisen kann.
Die Mitarbeiter arbeiten im Hauptberuf, als ehrenamtliche Helfer oder sogenannte Ein-Euro-Jobber, die vom Arbeitsamt vermittelt werden. Deren Stelle ist auf ein halbes Jahr befristet. Reck würde sich wünschen, dass das Personal um eine halbe Stelle aufgestockt wird.