Gäubahn-Ausbau
: „Pro Gäubahn“ kritisiert den Planfeststellungsbeschluss

Während der Pfaffensteigtunnel mit Hochdruck vorangetrieben werde, solle die Wiederherstellung der Zweigleisigkeit zwischen Horb und Tuttlingen auf die späten 2040er-Jahre verschoben werden, heißt es in der Mitteilung des Landesbündnisses.
Von
NC
Horb/Stuttgart.
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Inzwischen fast ein seltenes Bild: Der Intercity der Gäubahn bei der Einfahrt in Horb.

Inzwischen fast ein seltenes Bild: Der Intercity der Gäubahn bei der Einfahrt in Horb.

Karl-Heinz Kuball (Archiv)
  • Das Bündnis „Pro Gäubahn“ kritisiert den Planfeststellungsbeschluss zum Pfaffensteigtunnel scharf.
  • Der Bau des Tunnels wird als unwirtschaftlich und klimaschädlich bezeichnet – Nutzen-Kosten-Faktor: 0,27.
  • Der zweigleisige Ausbau der Gäubahn zwischen Horb und Tuttlingen soll erst in den späten 2040er-Jahren erfolgen.
  • „Pro Gäubahn“ fordert die Bundesregierung auf, die Finanzierung des Tunnels zu stoppen.
  • Eine durchgehend zweigleisige Gäubahn könnte Bahnbetrieb und Schienennutzung stabilisieren, so das Bündnis.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit dem Planfeststellungsbeschluss, der am Freitag erteilt wurde, rückt nach Auffassung des Landesbündnisses „Pro Gäubahn“ die von Deutscher Bahn und Politik geplante Kappung der Gäubahn einen entscheidenden Schritt näher. Der Pfaffensteigtunnel habe, wird Katja Rommelspacher vom Tuttlinger „Pro Gäubahn“-Bündnis in einer Mitteilung zitiert, vor allem eine politische Beruhigungsfunktion und sei aus Sicht der Wirtschaftlichkeit und des Klimaschutzes eine „völlige Fehlinvestition“: Er solle Gäubahn-Anlieger ruhigstellen und den Widerstand brechen, den es längst auch bei Oberbürgermeistern entlang der Gäubahn gebe. Der Pfaffensteigtunnel, der die Gäubahn auf einem Umweg über den Stuttgarter Flughafen an den S21-Tiefbahnhof anbinden soll, sei nur durch massive Tricksereien zur Baureife gebracht worden.

„Unlautere Umdeklarationen“

Eigentlich dürfe der Bund dieses Projekt gar nicht finanzieren, da es klar unwirtschaftlich sei, betont Dr. Nikolas Baur vom Singener Bündnis. Mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von lediglich 0,27 existiere kein volkswirtschaftlicher Nutzen, eine Finanzierung aus öffentlichen Mitteln sei damit eigentlich ausgeschlossen, so Baur. Dennoch stehe nun sogar ein Baustart im Raum – „möglich gemacht durch unlautere Umdeklarationen“. Der Pfaffensteigtunnel, faktisch eine Reparaturmaßnahme für den gescheiterten Anschluss der Gäubahn an den S21-Tiefbahnhof, sei „wahrheitswidrig“ dem Gäubahn-Ausbau zugeschlagen worden.

„Wir halten das für einen handfesten Skandal“, erklärt Hendrik Auhagen von „Pro Gäubahn“ Konstanz. „Ein Projekt, das maßgeblich dazu beiträgt, 1,4 Millionen Menschen im Einzugsgebiet der Gäubahn abzuhängen, plötzlich als Teil des Gäubahn-Ausbaus zu verkaufen, ist mehr als dreist.“ Der „hochwirtschaftliche zweigleisige Ausbau der Gäubahn mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von 2,7“ werde gezielt mit dem hochgradig unwirtschaftlichen Pfaffensteigtunnel mit einem Faktor von 0,23 vermengt, um rechnerisch einen positiven Gesamtwert von 1,2 zu erzeugen. „Das ist ein Betrug zulasten der Steuerzahler und der Gäubahn-Anlieger“, so Auhagen. Besonders perfide sei, dass der angebliche Gäubahn-Ausbau lediglich als Vorwand diene, um Pfaffensteigtunnel und Gäubahn-Kappung durchzusetzen.

Zweigleisigkeit zwischen Horb und Tuttlingen

Während der Pfaffensteigtunnel mit Hochdruck vorangetrieben werde, solle der eigentliche Ausbau der Gäubahn – die Wiederherstellung der Zweigleisigkeit zwischen Horb und Tuttlingen – auf die späten 2040er-Jahre verschoben werden, kritisiert Dr. Hans-Jörg Jäkel vom Gäubahnkomitee Stuttgart. „Übrig bleibt ein Schlagwort, das missbraucht wird, um ein Projekt durchzudrücken, das der Gäubahn massiven Schaden zufügt.“

Das Landesbündnis fordert die Bundesregierung auf, die geplante Finanzierungsvereinbarung für den Pfaffensteigtunnel nicht zu unterzeichnen und das Projekt zu stoppen. Zugleich fordern die Mitglieder den Bundesrechnungshof auf, „die Bundesregierung für ihre Tricksereien bei der Finanzierung formal zu rügen und zur Umkehr zu bewegen“. Stattdessen müssten die vorgesehenen Mittel konsequent in den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn investiert werden. Eine durchgehend zweigleisige Gäubahn mit direkter Anbindung an den Stuttgarter Hauptbahnhof bringe den größten Nutzen für die Region, schreibt das Bündnis: „einen stabileren Bahnbetrieb und eine echte Verlagerung von Personen- und Güterverkehr auf die Schiene“.