Freudenstadt/Courbevoie · Lebenswerk: Charles Deprez erneut gewürdigt

Das neue Exemplar des Verdienstkreuzes samt Zweitschrift der Urkunde wurde in deutscher Botschaft übergeben.
Julian OsswaldEin weiterer Mosaikstein in der Rekonstruktion eines Lebenswerks der Völkerverständigung: Michel Gérard-Deprez hat ein neues Exemplar des Bundesverdienstkreuzes samt dazugehöriger Zweitschrift der Urkunde bekommen, das seinem Vater Charles Deprez einst für dessen Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft verliehen worden war.
Michel Gérard-Deprez ist dabei, die Lebensgeschichte seines Vaters aufzuarbeiten, die eng mit Freudenstadt verbunden ist. Charles Deprez war Soldat im Zweiten Weltkrieg und später Bürgermeister von Courbevoie. Er und sein Freudenstädter Amtskollege Walter Bärlin unterzeichneten am 1. Oktober 1961 die Partnerschaftsurkunde zwischen den beiden Städten.
Für seine Verdienste um die Aussöhnung wurde Charles Deprez mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Freudenstadt und dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Allerdings sind die Originalurkunden beider Auszeichnungen verschollen. Ein Duplikat der Urkunde zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft hatte Michel Gérard-Deprez voriges Jahr im Vorfeld des Jubiläumswochenendes in Freudenstadt erhalten.
Jetzt wurde eine weitere Lücke geschlossen. In der deutschen Botschaft in Paris erhielt Gérard-Deprez die Zweitausfertigung der Urkunde und ein neues Exemplar des Verdienstkreuzes 1. Klasse. Dafür eingesetzt hatte sich auf Nachfrage der Stadt Freudenstadt Matthieu Wölper, der Freudenstädter Wurzeln hat und in der deutschen Botschaft in Paris arbeitet. Er ist dort Büroleiter des Gesandten in der Wirtschaftsabteilung.
Familiäre Verbundenheit
„Es war auch uns als Stadt Freudenstadt ein Anliegen, dass Michel Gérard-Deprez dieses Andenken an seinen Vater erhält, der Großartiges zum Aufbau der Freundschaft zwischen unseren beiden Städten geleistet hat“, sagt Oberbürgermeister Julian Osswald. Am Rande eines Arbeitsbesuchs bei seinem Amtskollegen in Courbevoie, Jacques Kossowski, nahm er an der Übergabe der Urkunde teil.
Damit schloss sich auch in anderer Hinsicht ein Kreis. Die Familien Deprez und Wölper sind seit Jahrzehnten miteinander verbunden. Charles Deprez hatte seinen Sohn seinerzeit nach Freudenstadt geschickt, um die deutsche Sprache zu lernen. Fritz Wölper, Friseur und Gemeinderat in Freudenstadt sowie ehemaliger Frontsoldat, nahm Michel Gérard-Deprez damals in seinem Haus auf.
Fritz Wölper, 1990 gestorben, galt als Wegbereiter der Städtepartnerschaft und war ebenfalls mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Dessen Sohn Karl-Wilhelm ging 1961 nach Paris und arbeitete dort bei einem Starfriseur. Bei der Arbeit lernte er seine französische Frau Brigitte kennen, ein Mannequin. Das Paar heiratete 1967. 1973 kehrte Karl-Wilhelm Wölper nach Freudenstadt zurück. Seine Tochter, Sandra Kantorczyk, übernahm den Salon in Freudenstadt, Sohn Matthieu ist in der deutschen Vertretung in der französischen Hauptstadt tätig.