Freudenstadt · Baubeginn
: Start für die modernste Klinik

Mit dem Spatenstich startete in Freudenstadt der Bau des neuen Kreisklinikums. Minister Lucha sprach von der höchsten je ausbezahlten Fördersumme.
Von
Siegfried Schmidt
Freudenstadt

Erdbewegungen für ein kreisweites Mega-Bauprojekt. Unter Beteiligung zahlreicher Vertreter aus dem Kreistag, aus Politik und Klinikverwaltung, fand gestern in Freudenstadt der Spatenstich für den Teilneubau des Klinikums Kreis Freudenstadt statt. Unter dem im Hintergrund befindlichen Bagger-Greifarm zu sehen Minister Manfred Lucha neben Landrat Dr. Klaus Michael Rückert.

Siegfried Schmidt

Unter dem Baufeld unmittelbar vor dem alten Kreiskrankenhaus erstreckt sich bereits eine riesige Baugrube. Die Erdarbeiten für das 85-Millionen-Euro-Projekt laufen seit zwei Wochen. Weil das Wetter passte und die Transportlogistik bestens klappte, ist die Baufirma sogar dem Bauzeitenplan eine Woche voraus.

Auch wenn gestern Vormittag die zahlreichen Geladenen für den Start dieses größten und teuersten Einzelvorhabens in der Kreisgeschichte sich bei Nieselregen unter ein Zeltdach drängen mussten, so war es doch für den federführenden Bauherrn, Landrat Dr. Klaus Michael Rückert, ein „großartiger“ Freudentag. Und ein Anlass für den Landrat, sich bei vielen Adressaten außerordentlich „dankbar und respektvoll“ für das Zustandekommen dieses Mega-Bauprojekts zu zeigen.

Rückert nannte Standortwahl und die Teilneubau-Entscheidung als insgesamt „die beste Lösung“, getragen von gemeinsamen Gremien-Beschlüssen. Die Investition von „mehr als 85 Millionen Euro“ bezeichnete Rückert als „verdammt viel Geld“ und auch eine Verantwortungslast. Ohne die kapitale Förderung durch das Land Baden-Württemberg - das Ministerium allein steuert 54 Millionen Euro bei - hätte sich der Landkreis das hochmoderne Klinikprojekt nicht leisten können. Den anwesenden Chefärzten und Klinikleitern versprach der Landrat ein Gebäude mit hervorragenden Arbeitsbedingungen - und erwartete im Gegenzug auch einen „Riesen-Motivationsschub“ bei den KLF-Beschäftigten.

Sozialminister Manfred Lucha und seiner markig-jovialen Rede merkte man förmlich an, dass in Freudenstadts Nordstadt offenbar ein Leuchtturmprojekt der medizinischen Versorgung umgesetzt wird. In dem Bauvorhaben - „am richtigen Ort und mit dem richtigen Angebot“ - fänden sich „sehr viele“ Berührungspunkte mit seiner Gesundheitspolitik und Versorgungsphilosophie. Die eminent hohe Bauförderung sei nicht etwa dem Umstand geschuldet, weil „Sie hier so arme Würschtl seid“, sondern weil der Kreis und seine Entscheider in Planung und Konzeption „mehr als ihre Hausaufgaben“ gemacht hätten.

Das neue Klinikum des Kreises werde eine vorbildliche, sektorenübergreifende Versorgung mit kurzen Wegen und intelligenten Arbeitsabläufen aufweisen. Und Lucha versprach, Freudenstadt auch als Beispiel für eine nachahmenswerte Klinikplanung zu preisen: „Guckt nach Freudenstadt, die wissen wie es geht!“ Freudenstadts OB Julian Osswald nutzte das beengte zeitliche Korsett für sein Grußwort, um den Bürgermeister-Kollegen und den Kreisgemeinden - mit deutlichem Wink nach Horb - dafür zu danken, dass am Ende einer „nicht leichten, nicht einfachen“ Entscheidung (pro Standort Freudenstadt; Anm.d.Red.) ein einträchtiges Votum stand. Ein neues Krankenhaus im ländlichen Raum sei ein erheblicher Standortfaktor, das wachsende Mittelzentrum Freudenstadt benötige aber auch einen solchen Standortfaktor, rechtfertigte der OB den Vorzugerhalt.

Immerhin leiste sich die Stadt für die bessere Erreichbarkeit des Klinikzentrums auch eine neue Anbindung ans Gewerbegebiet Sulzhau. Der Ärztliche Direktor des Krankenhauses, Dr. Florian Bea schilderte mit einem griffigen Beispiel aus der Herzinfarkt-Notfallmedizin nicht nur den Medizin-Fortschritt in 40 Jahren, der seitheriges Gebäude und Geräte stark altern lasse, er blickte gestern schon dankbar in die Zukunft - eines hochmodernen Krankenhauses mit hocheffizienten Geräten. Am bestmöglichen Standort würden seine Klinikbeschäftigten „Hochleistungsmedizin mit menschlicher Note“ dann anbieten. Und für KLF-Geschäftsführer Ralf Heimbach ist jetzt schon sonnenklar, dass Freudenstadts Klinikprojekt am Tag seiner Fertigstellung „das modernste Krankenhaus in Deutschland“ sein wird.

Vorgeschichte und Bauvorhaben Teilneubau Klinikum

Am 18. Juli 2016 fiel im Kreistag der Grundsatzbeschluss für einen Krankenhaus-Neubau am Standort Freudenstadt.

Danach wurde ein Konzeptwettbewerb aufgelegt und das Ingenieurbüro Vogt (Leipzig) mit der Vorplanung sowie der Generalaufsicht beauftragt. Im Dezember 2018 wurde der Förderantrag vom Landeskabinett positiv beschieden.

Neu geschaffen werden rund 18000 qm Krankenhaus-Nutzfläche mit allen diagnostischen Einrichtungen und Servicebereichen. Dazu gehören Patientenzimmer für 316 Betten, 4 OP-Säle, 1 Reserve-OP, 1 Sectio-OP und 1 Ambulanz-OP, eine zentrale Notaufnahme samt Schockraum.

Die geschätzte Bauzeit beträgt 2, 5 Jahre. Der Landkreis hat von den 85 Millionen Euro Baukosten 36 Millionen selbst zu tragen.