Freizeit
: Das Loßburger Hallenbad kann nicht saniert werden

Ein Neubau scheint der einzig gangbare Weg. Zwei große Risiken gefährden den Weiterbetrieb.
Von
Christiane Frey
Loßburg

Das Loßburger Hallenbad hält „mit ganz viel Glück vielleicht noch 10 Jahre“ durch, sagte Bürgermeister Christoph Enderle.

Christiane Frey

Die Tagesordnung der vorangegangenen Sitzung des Loßburger Gemeinderats Ende Mai was so umfangreich gewesen, dass Punkte nicht mit der erforderlichen Zeit und Sorgfalt besprochen werden konnten. Deshalb wurde nun für Dienstagabend eine außerplanmäßige Sitzung für zwei wichtige Themen einberufen.

Ganz oben auf der Agenda stand die geplante Sanierung des vor 50 Jahren erbauten Hallenbads. Nach Ansicht des Architektenteams erscheint eine Sanierung nach der ersten Überprüfung wirtschaftlich nicht vertretbar und dazu mit höheren Risiken behaftet als ein Ersatzneubau. Für Bürgermeister Christoph Enderle bedeutete das aber nicht, „dass wir heute Abend einen Beschluss zu einem Neubau fassen“. Er möchte mit dem Gremium beraten, „welchen Weg wir weiter gehen, und dann sollten wir entsprechend die Weichen stellen“.

Im Jahr 2021 hatte die Gemeinde Loßburg einen Architektenwettbewerb zur Sanierung des Hallenbads und zum Neubau der Sporthalle ausgelobt. Den ersten Preis vergab die Jury an das Nürnberger Büro Bär, Stadelmann, Stöcker. Bernd Stadelmann und sein Kollege Alexander Ilg waren selbst nach Loßburg gekommen, um dem Gemeinderat das Ergebnis der Untersuchungen und der technischen Gebäudeausstattung (TGA) vorzustellen. Sie hatten mit Nutzern des Bads gesprochen, der DLRG, Sportvereinen und Schulen, um die Anforderungen an die Technik einschätzen zu können.

Lediglich das Schwimmbecken könne erhalten bleiben, stellten die Fachplaner fest. Die Technik benötige einen neuen Raum. Dazu kämen Korrosionsschäden im Beton, mangelhafter Brandschutz, sehr kostenintensive Sanierungen beim Schwimmbecken, weil umfangreiche Kernbohrungen nötig sind. Um die neue Technik unterzubringen, wurden mehrere Varianten untersucht, ohne eine sinnvolle Lösung zu finden.

Das Gelände rund ums Bad ist aufgrund seiner Topographie äußerst anspruchsvoll und schwierig zu bebauen, eine neue Technikfläche würde ins Nachbargrundstück ragen. Auch die erforderliche Raumhöhe bereitet Probleme: Moderne Anlagentechnik verlangt zum Beispiel 2,50 Meter lichte Höhe, doch seien im Gebäude nicht mehr als 2,15 Meter zu realisieren.

Im Bereich der Umkleiden sind die nötigen Installationshöhen für Lüftungsquerschnitte ebenfalls zu erreichen. Auch die Statik mache Probleme, eine Dachflächenphotovoltaikanlage sei auf dem Bestandsgebäude nicht zu realisieren. Bernd Stadelmann gab zudem noch eine „pekuniäre Bewertung des verbleibenden Bestands ab, danach liegt der Rohbauwert bei etwa 415000 bis maximal 500000 Euro.“

Neubau erleichtert Planung

„Das Bad hat seinen Zenit überschritten“, bilanzierte Christoph Enderle, obwohl manche sagten, es sehe wie neu aus. Die Zukunft des Bades diskutierte das Gremium sehr lebhaft und engagiert. Einigkeit bestand nach den Ausführungen der Architekten darin, dass eine Sanierung kaum sinnvoll erscheint. „Ein Neubau ermöglicht eine viel bessere Planung, das heißt wir planen in diese Richtung weiter“, sagte Martin Bäppler. Stefan Burkhardt dagegen meinte: „Wir müssen doch jetzt nicht schon etwas planen, was wir in den nächsten fünf Jahren sowieso nicht umsetzen können.“ Er erinnerte an die sinkende Nachfrage im Maschinenbau, die hohe Inflation, die stark gestiegenen Zinsen und die Lieferkettenproblematik. „Das wäre Kamikaze für die Gemeinde, jetzt einen Neubau zu planen“, stellt er fest.

„Wir sind jetzt schon in Leistungsphase 2“, stellte Enderle fest und schlug vor: „Lasst uns noch die Phase 3 abarbeiten, dann haben wir eine gute Grundlage für eine Kostenschätzung, die bisher komplett fehlt.“ Das sei im Haushalt für 2023 bereits eingestellt, man habe also keine Zusatzkosten zu befürchten. Kämmerer Alexander Hoffarth würde diesen Weg begrüßen, denn ihm liegen derzeit nur sehr grobe Kostenschätzungen vor. „Die Zuschüsse für die Sanierungen für Hallenbäder sind nicht gerade rosig, das gilt aber auch für einen Neubau“, sagte er.

Maria Hellstern fragte, wie lange das Hallenbad noch betrieben werden könne. „Mit ganz viel Glück vielleicht noch 10 Jahre“, antwortete Enderle. Allerdings gebe zwei große Risikofaktoren: zum einen den Schwallbehälter, der jeden Augenblick durchbrechen könne, was die sofortige Schließung des Bades bedeuten würde. Die Kosten für dessen Sanierung schätzt Bauamtsleiter Jochen Geßler auf 100000 Euro. Auch könne der Hubboden jederzeit ausfallen; dann könnten im Hallenbad keine unterschiedlichen Schwimmhöhen angeboten werden, was weitere Auswirkungen auf den Freizeitbereich bedeute.

„Wir sind nicht Zuffenhausen, wir können uns nicht beides gleichzeitig leisten“, stellte Enderle fest. „Der Neubau der Sporthalle habe Priorität, „aber lassen Sie uns zu einer vernünftigen Kostenschätzung kommen, mit der wir dann weiter planen können“, regte er an. Bei einer Gegenstimme folgte das Gremium diesem Vorschlag.