Freiwillige im Nationalpark Schwarzwald
: Voller Einsatz für das Auerhuhn

Noch bis zum 25. Oktober sind 16 Freiwillige mit dem Bergwaldprojekt im Nationalpark Schwarzwald im Einsatz. Ihr Ziel: Lebensräume für das bedrohte Auerhuhn schaffen.
Von
NC
Freudenstadt
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Auerhahn: ARCHIV - 12.09.2011, Thüringen, Unterweißbach: Ein Auerhahn wird ausgewildert. (zu dpa: «Wieder mehr Auerhühner im Nationalpark Bayerischer Wald») Foto: Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

16 Freiwillige sind seit dem 16. Oktober im Nationalpark Schwarzwald, um lichte Strukturen, Flugschneisen und Balzplätze zu schaffen.

Michael Reichel/dpa-Zentralbild/dpa
  • Freiwillige im Schwarzwald schaffen Lebensräume für das bedrohte Auerhuhn bis 25. Oktober.
  • Maßnahmen: Flugschneisen, Balzplätze, Förderung der Heidelbeere, Entfernung von Fichtenaufwuchs.
  • Projekt „Notfallplan Auerhuhn“ stabilisiert Bestand im Schwarzwald seit 2019 leicht.
  • 2024 wurden 111 balzende Auerhähne gezählt, 2022 war ein Tiefpunkt mit 97 Tieren.
  • Bergwaldprojekt: Seit 35 Jahren Einsätze für Ökosysteme, 2023 über 5000 Freiwillige in Deutschland.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Einsatzwoche im Nordschwarzwald ist eine Kooperation des Nationalparks Schwarzwald mit dem Verein Bergwaldprojekt, der bekannt ist für seine deutschlandweiten Arbeiten zur Wiederherstellung und dem Schutz von Ökosystemen. Die Freiwilligen schaffen gemeinsam Lebensräume für das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn. Mit dem Einsatz sollen die Teilnehmenden auch für die aktuellen Bedrohungen der natürlichen Lebensgrundlagen und einen achtsamen Umgang mit den Ressourcen sensibilisiert werden.

Aufgrund des dramatischen Rückgangs des Auerhahnbestands im gesamten Schwarzwald hat der Nationalpark das Schutzprojekt „Notfallplan Auerhuhn“ konzipiert, das zu einer ersten Bestandsstabilisierung im Nationalpark führte, teilt der Nationalpark mit. Lebensraumverbessernde Maßnahmen wie die Entfernung des Fichten-Jungaufwuchses und die Förderung der Heidelbeere seien ein wichtiges Schlüsselelement in der Schutzkonzeption.Die Arbeiten im Rahmen der Bergwaldprojektwoche im Nationalpark Schwarzwald liegen daher auf großflächigen Biotoppflegemaßnahmen für das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn.

Lichte Bergwälder für scheues Auerwild

Die Freiwilligen greifen unter Anleitung von Philipp Fritz vom Bergwaldprojekt und unter der Regie von Raffael Kratzer vom Nationalpark Schwarzwald zur Säge und schaffen Flugschneisen und Balzplätze für das Auerwild. Die Auerhuhn-Biotopflege leistet dabei nicht nur einen Beitrag zum Schutz dieser seltenen Vogelart, sondern fördert gleichzeitig viele weitere Tier- und Pflanzenarten lichter Bergwälder wie Dreizehenspecht, Sperlingskauz und Waldschnepfe.

Raffael Kratzer (Nationalpark Schwarzwald): „Wir freuen uns sehr, dass uns die Freiwilligen des Bergwaldprojekts so tatkräftig darin unterstützen, Lebensräume für das seltene Auerwild zu schaffen. Biodiversität ist das Immunsystem unserer Ökosysteme und ein wichtiger Faktor für ihre Resilienz. Gesunde Ökosysteme erbringen lebenswichtige Leistungen, auf die wir alle jeden Tag angewiesen sind.“ Philipp Fritz (Leiter Bergwaldprojekt): „Die Teilnehmenden lernen bei ihrer gemeinsamen Arbeit für die Artenvielfalt nicht nur die enorme Bedeutung von Wäldern und Biodiversität kennen, sondern entwickeln auch neue Beziehungen zur Natur. Mit ihrer eigenen Arbeit erleben sie hier, wie sie selbst die Ursache positiver Veränderungen sein können. Das motiviert sie, sich auch im eigenen Alltag naturverträglicher und damit zukunftsfähiger zu verhalten.“

Die Einsatzwoche wird von Bildungsarbeit begleitet und die Arbeiten werden so in einen größeren Umwelt- und Nachhaltigkeitszusammenhang gesetzt. Untergebracht sind die Freiwilligen aus ganz Deutschland im Alter von 16 bis 66 Jahren für die Woche in einem Gruppenhaus in Mehrbettzimmern. Eine Köchin kümmert sich während der beiden Einsatzwochen um die vegetarische Verpflegung der Teilnehmenden mit überwiegend regionalen und saisonalen Produkten.

Das Bergwaldprojekt

Der Verein Bergwaldprojekt organisiert seit 35 Jahren Freiwilligeneinsätze im Wald, im Moor und in Offenlandschaften. Dieses Jahr bringt der Verein mit seinen Einsatzwochen in Deutschland mehr als 5000 Freiwillige in die Natur. Dazu finden 190 Projektwochen an gut 100 verschiedenen Standorten in allen Regionen Deutschlands statt.

Ziel der Arbeitseinsätze, schreibt der Verein, sei, die vielfältigen Funktionen der Ökosysteme wiederherzustellen und zu stabilisieren, den beteiligten Freiwilligen Bedeutung und Bedrohung der natürlichen Lebensgrundlagen bewusst zu machen und daran mitzuarbeiten, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise nachhaltiger zu gestalten.

Das Auerwild im Schwarzwald

In Zahlen stellt sich die Situation so dar: 1996 gab es noch 550 Hähne im Schwarzwald, 2004 noch maximal 300, 2013 wurden bis zu 350 Hähne gezählt, 2019 nur noch 200 bis 250. Diese Zahlen stammen nach Auskunft von Martin Klatt, Artenschutz-Referent beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), aus der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. „Seit 2004 gilt das Auerhuhn im Land als vom Aussterben bedroht“, sagt Klatt.

Beim Monitoring im Frühjahr 2025 wurden gerade mal noch 103 balzende Auerhähne gesichtet. 2022 wurde mit nur noch 97 Hähnen ein Tiefpunkt erreicht, informiert das Ministerium für Ländlichen Raum. 2023 waren es 106 Tiere, 2024 mit 111 Hähnen wieder etwas mehr. „Es werden nur balzende Auerhähne gezählt, da diese sich während der Balzzeit relativ standorttreu an festen Balzplätzen aufhalten und somit beim Balzritual gut gezählt werden können“, erklärt das Ministerium.