Firma Kitzlinger Haus in Sulz schließt
: Nach 130 Jahren ist Schluss – die letzten 25 Mitarbeiter sind gekündigt

Insolvenz: Wegen der weiterhin angespannten Lage am Bau und einer anhaltend schwachen Nachfrage stellt das Unternehmen den Geschäftsbetrieb zum 31. Juli ein.
Von
Marcella Danner
Sulz
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Das Sulzer Unternehmen Kitzlinger Haus schließt. Die Gebäude und Grundstücke auf Kastell werden im Rahmen des Insolvenzverfahrens vermarktet.

Das Sulzer Unternehmen Kitzlinger Haus schließt. Die Gebäude und Grundstücke auf Kastell werden im Rahmen des Insolvenzverfahrens vermarktet.

Kitzlinger Haus
  • Kitzlinger Haus in Sulz schließt nach 130 Jahren; 25 Mitarbeiter gekündigt.
  • Insolvenz wegen Baukrise und geringer Nachfrage; Betrieb endet am 31. Juli.
  • Alle laufenden Bauprojekte werden abgeschlossen; Firma in vierter Generation.
  • Gebäude und Grundstücke in Sulz werden im Insolvenzverfahren verkauft.
  • Firmengründung 1895, vier Generationen führten die Firma.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens hatte Kitzlinger Haus Anfang des Jahres die Reißleine gezogen. „Unser Kerngeschäft, der Neubau von Einfamilienhäusern, ist durch die beispiellose Kombination von Krisen stark belastet. Die Insolvenz gibt uns die Möglichkeit, gezielt Maßnahmen zu ergreifen, um das Unternehmen nachhaltig aufzustellen“, hatte Uwe Kitzlinger, einer der Geschäftsführer, seinerzeit gesagt. Die Bemühungen waren vergeblich: Nach 130 Jahren endet jetzt die Geschichte der Sulzer Firma. Wegen der weiterhin angespannten Lage am Bau und einer anhaltend schwachen Nachfrage wird der Geschäftsbetrieb überwiegend zum 31. Juli eingestellt, teilt das Unternehmen nun mit.

Trotz intensiver Anstrengungen, der engen Zusammenarbeit mit Bauherren und großer Unterstützung der Belegschaft habe ein wirtschaftlicher Neustart nicht dauerhaft gesichert werden können, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Aufträge werden noch abgearbeitet

Kitzlinger Haus verspricht, alle laufenden Bauvorhaben "in gewohnt hoher Qualität" abzuschließen.  Die verbleibenden Aufträge sicherten eine verlässliche Beschäftigung bis in den Sommer.

„Wir sind stolz und dankbar, dass wir viele Bauherren in den letzten Wochen davon überzeugen konnten, ihr Bauvorhaben gemeinsam mit uns fertigzustellen“, erklären die Geschäftsführer Uwe und Otto Kitzlinger. Sie stehen der Firma in der vierten Generation vor. Jedoch bleibe die Realität herausfordernd. Die Baukonjunktur sei weiter schwach, die Nachfrage gering, die Bauzinsen hoch- und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen gäben keine klare Perspektive.

Die Geschäftsführer Uwe (links) und Otto Kitzlinger leiten das Sulzer Unternehmen in vierter Generation. Jetzt verkünden die Schließung von Kitzlinger Haus.

Die Geschäftsführer Uwe (links) und Otto Kitzlinger leiten das Sulzer Unternehmen in vierter Generation. Jetzt verkünden die Schließung von Kitzlinger Haus.

Nico Pudimat

„Nach reiflicher Überlegung haben wir schweren Herzens, aber mit innerer Überzeugung entschieden, den Geschäftsbetrieb im Sommer zu beenden“, so die Geschäftsführung.

Auflösung und Ausblick

Im vom Rottweiler Amtsgericht eröffneten Insolvenzverfahren werden die Gebäude und Grundstücke am Standort Sulz vermarktet. Die 25 verbleibenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – im Februar waren es noch 40 –  haben bereits ihre Kündigungen erhalten. „Ein schmerzlicher, aber klarer Schritt“, so Uwe und Otto Kitzlinger. Denn Kitzlinger Haus sei für viele weit mehr als ein Arbeitgeber gewesen: „Es war ein Ort der Ideen, der Verantwortung und der handwerklichen Leidenschaft. Wir blicken mit Dankbarkeit zurück und sind stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben.“

Firmengeschichte

1895 gründete Christian Kitzlinger, der Urgroßvater der heutigen Geschäftsführer Uwe und Otto Kitzlinger, einen Zimmererbetrieb. Auf der Website des Unternehmens ist zu lesen: „Als in den 1960er-Jahren die Fertighaus-Branche entsteht, haftet ihr schnell ein ungerechtfertigt zweifelhafter Ruf an.“ Otto (senior) und Richard Kitzlinger sind von der Fertigbauweise im Holzbau-Segment jedoch von Beginn an überzeugt und setzten schon bald auf eine klare Differenzierung vom Wettbewerb. Die Annahme, Fertighäuser seien Massenware, quasi Häuser von der Stange, hätten die beiden schnell ad absurdum geführt. 1969 entstand in der Sulzer Neckarstraße die erste Produktionsstätte von Kitzlinger Haus. 1974 wurde diese in einen Neubau auf Kastell verlegt. 1995 erfolgte die Übergabe der Geschäftsführung an die vierte Generation: Otto (junior) und Uwe Kitzlinger. 2006 entsteht auf Kastell ein Musterhaus, zwei Jahre später mit dem „Ideenwerk“ ein neues Verwaltungsgebäude.