Eröffnungsball: „Horb isch a Schokobombo“

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Nicht gesetztEin Schlitten namens „Bob Marley“ und dessen „Cool Runnings“-Besatzung im Hemdchen mit der jamaikanischen Flagge – am Kniebis falsch abgebogen und deshalb nicht in Innsbruck, sondern in der Horber Rundhalle gelandet. So bunt das Bild auf der Bühne, so düster zeichnete die Computerstimme „Siri“, von den Vieren befragt, wo sie denn gelandet seien, das Bild von Horb: Dieses sei ein „bedeutungsloser, rückständiger Ort in Baden-Württemberg“, in dem sich das indigene Volk schon Jahrzehnte lang „in der Rückentwicklungsphase“ befinde. Charakteristisch seien „kommunalpolitische Blindgänger“.
Mayk Herzog unter Feuer
Nun, da beschlossen Bremser Doodle (Günter Kuch), „Stinky Stänker“ (Carolin Kimmich), „The Charmed Brain“ (Theresa Löffel) und „The Beautiful Captain“ (Dana Zimmermann): „Reggae nei – in Horb da brenget mir da Reggae nei!“ Von den Bob-Piloten, deren Darbietung textlich und gesanglich erfreute, kam auch der übertragene Vergleich aus dem Film „Forrest Gump“, dass Horb wie eine Pralinenschachtel sei – oder eben wie ein Schokobombo. Zur Melodie des Liedes „Coco Jambo“ wurde das „Schokobombo“ mit einer von mehreren an diesem Abend abgefeuerten Spitzen in Richtung Horb als Einkaufsstadt garniert. Der brillierende Günter Kuch sang „Keine Sau kauft in Horb bald me‘ ei, traget’s Geld zu de Nagolder nei“.
Die kurzweilige gut dreistündige Mischung aus Parodie, Show, Gesang, Tanz und Brauchtum begeisterte das Eröffnungsball-Publikum, das auch wieder per vorab produzierter, witziger Videoclips unterhalten wurde. Hier wurde ein spezieller Gerstensaft namens „Zeitbräu“ zum wiederkehrenden Treibstoff der Zeitreise, der eine kleine Gruppe von Blasmusik-Schnupperkurs-Teilnehmern in die Zeit weit vor Christus, vor dem Mauerfall – und das Freudenstadt des Kalenderjahres 2071 katapultierte. In dieser Zukunftsvision übrigens mit Peter Rosenberger als Freudenstädter OB und Mayk Herzog als Horber Stadtoberhaupt, der die gesamte Innenstadt je nach Laune mal rot, mal schwarz streichen lässt.
Kalauer in bayerischem Slang boten Ralf Brakopp und Alexander „Locke“ Guth als die durch einen Zeitmaschinen-Defekt verwandelte Version der Musikantenstadl-Drahtzieher Marianne und Michael. Sie kehrten, angekündigt von Moderatorin Manuela Müller-Ferl, als Darth Vader und Chewbacca von einer Zeitreise zurück nach Horb, wo sie Gerhard Munding bildlich mit der Star-Wars-Figur Yoda verglichen und Horb als „quasi den Todesstern Baden-Württembergs“ bezeichneten. Verständlich sei, so „Locke“ alias Michael, dass angesichts der neu formierten ULH-Fraktion im Gemeinderat „der Bürgermeister das Weite sucht“. Und dazu kam vor dem Hintergrund, dass Munding den Fraktionsvorsitz bei der CDU abgegeben hat, die Ansage, dass dieser nochmal als Bürgermeister kandidieren würde. Währenddessen zogen sie für Rosenberger, sollte er die OB-Wahl 2017 nicht gewinnen, die Bürgermeister-Stelle in Empfingen in Betracht.
Während Markus „Magic“ Maier als vom Leid mit dem Horber Verkehr geplagter Straßenkehrer die Altersstruktur der Stadt, Umleitungen und das Dauerthema Lotzerhaus aufs Korn nahm, brachten zu Beginn und zum Abschluss musikalische Combos Schwung in die Halle. Den Auftakt machten die „Stäpfeles Spatzen“ Mirelle Steigle-Moll, Vicky Vocal und Leroy Leandros, verkörpert durch Ute Karp, Elke Straub und Andreas Galsterer, die auch in Richtung der Horber Stadtteile austeilten und sich ebenfalls den Lotzerhäusles-Bauer Mayk Herzog vorknöpften: „Des Haus, angeblich da schöne Künschde g’widmet – „Belle Arti“ – bleibt auf immer und ewig an Schweinestall. Und woisch au warum? Weil’s genau so im Mayk Herzog em Kopf aussieht!“ Eine leicht ironische Hommage gab das Trio dafür auf den neuen Citymanager Thomas Kreidler, der an anderer Stelle wiederum sein Fett weg bekam.
Rheinischer Karneval im Haus
Nicht fehlen bei der Zeitreise durften die Kult-Bands der 70er-Jahre, ABBA und Beatles, die kurzerhand zu den ABBeatles verschmolzen wurden. Für die abschließenden, mit Horber Texten versehenen neun ABBA- und Beatles-Musikstückle sprangen wegen eines Trauerfalls kurzfristig Stefan Blank und der sehr bewegungsfreudige Thomas Grassinger mit Luftgitarre ein.
Eine Besonderheit in der Geschichte der Horber Eröffnungsbälle war ein Stück rheinischer Karneval, verkörpert durch die Tanzgarde Blaue Funken aus Neuss. Die Abordnung der Neusser Karnevalsgesellschaft fand über den Horber Andreas Stuhlmüller, der Vorsitzender der Blauen Funken ist, den Weg vom Rhein an den Neckar. So gab es im Jahr eins nach den aufgelösten Horber Tanzhexen doch noch eine Tanzeinlage auf der Bühne – gestartet mit Kommando: „Tanzgarde opjepasst! Tanzgarde tanz!“ Und für so manchen, in rheinischen Karnevalsbräuchen nicht ganz so bewanderten Besucher dürfte es auch ein Neues gewesen sein, dass es in einer solchen Garde auch ein – opjepasst! – Solo-Mariechen gibt.
Ausflug in die Geschichte der Turmschurken
Wie üblich war Horbs Hofmarschall Thomas Kreidler beim Eröffnungsball auch diesmal wieder für ein „Brauchtums-Intermezzo“ verantwortlich. Mit dem Erkennungsschrei „Hassa Buja“ stellte er die 40 Mann zählende Gruppe der Horber Turmschurken vor. Von der Entstehung über das Aussehen und den Auftritt bis hin zu eben jenem Erkennungsschrei erläuterte Kreidler die Figur den Besuchern in der nahezu ausverkauften Horber Hohenberghalle. Derweil begaben sich zwei maskierte Turmschurken kurzerhand ins Publikum und entführten den Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel auf die Bühne, wo er mit Kopf und Händen in den Pranger gesteckt wurde.