Entwicklung: Horber Technologie für den afrikanischen Hausbau

Unter der Projektleitung von Joachim Beyer (Vierter von links) ist an der DHBW Horb eine Lehmpresse entstanden, die auf einfache Art den Hausbau in Afrika erleichtern soll.
WilkeLehm gibt es überall. Gerade in afrikanischen und asiatischen Ländern, in denen sonstige Baumaterialien rar sind, ist die natürliche Sand-Ton-Mischung eine wichtige Ressource für den Hausbau. Doch bisher werde diese nicht richtig eingesetzt, sagt Joachim Beyer. Das soll sich künftig ändern: Als Projektleiter hat Beyer mit Studenten der Dualen Hochschule Horb (DHBW) eine Lehmpresse entwickelt, die die erdfeuchte Masse in nur fünf Minuten in präzise Formsteine verwandelt. Diese können sofort und ohne Trocknungszeit ins Mauerwerk eingearbeitet werden.
In schon einem Jahr möchte Beyer, dem diese Idee bereits vor fast 20 Jahren während eines beruflichen Aufenthalts in Sri Lanka kam, diese Lehmpresse in Serie auf den afrikanischen Markt bringen, um damit den Hausbau in den ländlichen Gebieten voranzubringen. „Das kurbelt zudem die Wirtschaft und den Handel an, sorgt also für eine Gesamtentwicklung der Dörfer“, betonte Beyer bei der Vorstellung der Presse am gestriggen Freitag in der DHBW. Dem Leiter des Horber Campus, Hartmuth Diery, sowie dem Bundestagsabgeordneten Hans-Joachim Fuchtel erklärte der Projektleiter, dass das Konstrukt direkt vor Ort eingesetzt werden kann, da es keinen Strom oder zusätzliches Equipment benötigt. „Dadurch spart man teure Transport- und Energiekosten.“
Fuchtel zeigt Möglichkeiten auf
Als Bindemittel werde ebenfalls Lehm verwendet, allerdings in seiner natürlichen, klebrigen Gestalt. Über einen Hebel wird die hydraulische Presse bedient, bis zu sieben Tonnen wirken dann auf die Masse ein und formen diese zum Baustein. „Mit mehreren Pressen an einer Baustelle kann man die Grundmauern innerhalb von vier Wochen errichten“, sagte Joachim Beyer. Weil sich die Lehmblöcke aufgrund der Form ineinander verschränken, gebe es kein Verrutschen, und auch vor Durchzug seien die Häuser sicher. Werden die Mauern mit Kalk überzogen, seien sie gegen Feuchtigkeit geschützt und das Haus sei einzugsbereit, erklärte Beyer.
Aus der Zeichnung in 2D entwickelten unter anderem die Studenten Lukas Krüger und Andreas Keck eine 3D-Konstruktion. Dieses war wiederum die Grundlage für den Prototypen, den der duale Hochschüler Markus Walker gebaut hat. 20000 Euro hat das gekostet. Walker ist beim Dettinger Unternehmen Elring-Klinger angestellt ist. Finanziell unterstützt wurde das Projekt vom Horber Rotary Club.
Wohnungsbau sei eines der wichtigsten Themen, die auf seiner Agenda stehen, erklärte Parlamentarische Staatssekretär Fuchtel. Gerade in Afrika nehme die Landflucht rapide zu. Die Bevölkerung ziehe verstärkt in die Städte. „Weil sie nur dort sehen, dass etwas vorangeht“, sagte Fuchtel. Solch einfache Konstrukte wie die Lehmpresse, die den Häuserbau auf dem Land erleichtern, seien daher hochinteressant.
Dennoch nahm der CDU-Politiker den Hoffnungen Beyers etwas den Wind aus den Segeln: Zwar gebe es viele Möglichkeiten, Hilfe und Fördergelder hinzuzuziehen, damit aus dem Prototypen ein Serienmodell werde, vor allem wenn mit dem Projekt auch noch der Ausbildungsgedanke verbunden sei. „Doch es landen sicher 30 bis 40 weitere solche Ideen auf meinem Schreibtisch“. Nur die wenigsten schafften es in die Produktion.
Einer der leichteren Wege für solche Projekte sei die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs). „Dafür braucht es nicht so viel Vorlauf und mehrere Machbarkeitsstudien“, erklärte Fuchtel. Ein Bau mit Leuchtturm-Charakter wie beispielsweise eines Kindergartens oder einer Grundschule mit Hilfe der Lehmpresse könne einen Boom auslösen.
Da es Beyer um die Entwicklung des ländlichen Afrikas und nicht um Profit geht, hat er sein Modell nicht patentieren lassen. „Die Leute sollen es ja nachbauen, damit sich etwas verändert.“ Hans-Joachim Fuchtel sieht bei diesem gutgemeinten Vorhaben jedoch ein Problem: „Ich bezweifle, dass es überall die nötigen Materialien und das Know-how gibt, um die Qualitätsstandards zu erfüllen, die der Prototyp erreicht. Und wenn die Qualität nicht stimmt, schadet das dem Ruf des Produkts eher.“
Eine konkrete Hilfe bat noch während des Pressegesprächs Michael Kessler, Fraktionsvorsitzender der Horber CDU und selbst Landwirt, an. Er werde Kontakt mit Eckhardt Huber aufnehmen, der für die Stadtverwaltung die Beziehungen zur Klimapartnerschaft mit Belo in Kamerun pflegt.
