Empfingen · Expansion: SACS plant 70 neue Stellen in Empfingen

.
Nicht gesetztDie Geschäfte laufen offenbar prächtig für den Luft- und Raumfahrtzulieferer SACS in Empfingen. Seine Sparte „Boysen“ hat der SACS-Mutterkonzern im Sommer zwar an das Schweizer Unternehmen Bossard verkauft, wie jetzt öffentlich wurde. Doch das bisherige Schwesterunternehmen widmet sich ausschließlich dem Handel von Standardbauteilen für die Luft- und Raumfahrtbranche – und zwar nicht in Empfingen, sondern an den Standorten München, Hamburg und Irving im US-Bundesstaat Texas.
Einzig und allein diese Sparte sei nun verkauft, betont Oliver Dratius, CEO des neuerdings als „SACS Aerospace GmbH“ – vormals „SACS GmbH“ – firmierenden Unternehmens, schriftlich gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Empfingen und die Mitarbeiter vor Ort betrifft der in die Schweiz abgestoßene Konzernteil in der Praxis nicht (siehe auch Kasten) – mit Ausnahme des Firmen-Schilds samt Logo, das bisher das Empfinger Unternehmen in
Richtung Autobahn 81 und
zum Gewerbegebiet als „SACS Boysen Aerospace Group“ präsentierte.
Nur ein „Fantasiename“
auf dem Firmenschild
Der Name „SACS Boysen Aerospace Group“, der bisher auf dem Firmenschild stand, sei ohnehin nur ein „Fantasiename“ gewesen laut Dratius, war also nicht im Handelsregister eingetragen. Dort steht die Firma Aquaero GmbH als so genannte Holding, also Konzernmutter für drei Unterfirmen, unter ihnen die SACS GmbH (siehe auch Kasten unten).
Viel interessanter für den Standort Empfingen als die gesellschaftsrechtliche Struktur und Benennung: Auf die Frage unserer Zeitung, wie viele Mitarbeiter in Vollzeit das Unternehmen voraussichtlich 2020 und 2021 in Empfingen beschäftigen werde, antwortet Dratius kurz und bündig: „280 bis 300“. Das wären 50 bis zu 70 mehr als die derzeit hier beschäftigten 230 Mitarbeiter. Nun prangt dort am Parkplatz, wo auch der markante Helikopter als Ausstellungsstück auf die Firma hinweist, seit kurzem ein Schild mit den vier großen weißen Buchstaben „SACS“ und dem kleineren, roten Zusatz „aerospace“. Auf der Webseite von SACS empfängt die User derzeit nur der Hinweis „under construction“ – also „wird derzeit überarbeitet“. Dratius schreibt dazu auf unsere Anfrage: „Die Webseite wird zur Zeit in Inhalt und Design überarbeitet.“
Dies habe nichts mit einer Unternehmensumstrukturierung zu tun, sondern nur mit einem „neuen Auftritt“. Im Zuge der Umfirmierung passt die Firma das so genannte Corporate Design an, das die „Corporate Identity“, also die Firmenkultur ausdrückt, beispielsweise in Marke, Logo, Unternehmensfarben und Slogan.
Der neue Slogan lautet „art of aerospace“, was frei übersetzt „die Kunst der Luftfahrt“ bedeutet.
Allgemein agiert das Unternehmen zurückhaltend in der Öffentlichkeit, Presse-Veröffentlichungen zur Firma finden sich vor allem in englischer Sprache. Bekannt ist in jedem Fall: Aufschlussreicheres steht im „Konzern-Lagebericht“, veröffentlicht am 31. März 2019, der von einer „Neustrukturierung der Organisation in drei Sparten“ spricht.
Marktbereinigung unter Airlines
Zur Geschäftssituation heißt es dort: „Wie von uns erwartet, haben sich die Verzögerungen bei den Herstellern und die Turbulenzen durch die Marktbereinigung bei den Luftfahrtgesellschaften in Europa in den letzten Monaten des Jahres 2018 beruhigt. Auch unsere Umsätze haben davon profitiert und so konnte in den ersten neun Monaten des neuen Geschäftsjahres bei der SACS GmbH ein Wachstum von 22 Prozent [...] realisiert werden.“ Gleichzeitig wird eine „Umsatzdelle“ vermeldet, konkret ein Umsatzrückgang der Aquaero Groupo von 2,9 Mio. Euro. Weiter heißt es: „Da wir trotz dieser Umsatzdelle an das hohe Potential der Branche und unseres Geschäftsmodells glauben, haben wir den eingeschlagenen Weg mit hohen Investitionen in die Zukunft nicht unterbrochen. Auch im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden rund eine Mio. Euro in Forschung und Entwicklung investiert.“ Grundsätzlich ist das Unternehmen also trotz zahlreicher erwähnter geschäftlicher Risiken im internationalen Markt der Luft- und Raumfahrt auf Wachstumskurs, der Geschäftsbericht schildert die Situation am Markt so: „Die seit Jahren deutlich ansteigenden Passagier- und Luftfrachtzahlen veranlassten die Airlines dazu, ihre Flotten weiter zu vergrößern.“
Airbus mit großen Problemen
Zu vorübergehenden Problemen heißt es: „Bei den Flugzeugherstellern waren die vergangenen zwölf Monate trotz der sehr guten Auftragslage [...]von technischen Problemen geprägt.“ So habe Airbus wegen fehlender Triebwerke rund 100 Flugzeuge nicht fertigstellen können. Zum Neubau in Empfingen heißt es: Die erst vor drei Jahren bezogene Produktionsstätte in Empfingen und die entsprechend neuen Produktionsanlagen stünden für ein niedriges „Betriebsunterbrechungsrisiko“.