Dornstetten · Freizeit: Zerbricht der Lebenstraum?

Tanja Dietrich (rechts) und Pflegetochter Denise hoffen, dass es weiter geht. Bilder: Monika Schwarz
Nicht gesetztT anja Dietrich ist eigentlich niemand, der bittet. Sie ist eine Frau die anpackt und für das, was ihr wichtig ist, auch kämpft. Mehrfach im Leben hat sie das schon unter Beweis gestellt. Der jetzige Kampf –für den Erhalt ihrer Reitschule - ist allerdings schwierig.
Die ersten Pferde sind bereits aus der Not heraus verkauft. Dabei ist die Reitschule Heidenhof in Dornstetten für die heute 34-Jährige weit mehr als nur ein Job. Die Arbeit mit den Tieren und die Arbeit mit ihren Reitschülern auf dem Hof sind ihr Lebensinhalt. „Es war immer mein Traum, einen eigenen Reiterhof zu haben“, erzählt sie. Im Jahr 2011 hatte sie sich diesen Traum erstmals erfüllt und wäre vermutlich heute noch auf dem Hof am Bodensee, wenn ihr dort nicht wegen Eigenbedarfs gekündigt worden wäre.
Über eine Annonce hat es die ausgebildete Reitlehrerin und ehemalige Turnierreiterin in den Schwarzwald und im Mai 2019 schließlich nach Dornstetten verschlagen. Der Reiterhof war für ihre Zwecke perfekt, aber sanierungsbedürftig. Etwa 50000 Euro habe sie reingesteckt, um den Hallenboden zu erneuern, eine Sattelkammer einzurichten, einen neuen Fohlenstall zu bauen und den Ponystall zu renovieren, erzählt die 34-Jährige.
Mehrere Standbeine
Neben der Reitschule gibt es auf dem Hof eine Pensionshaltung für Pferde und die Möglichkeit der Pferdeausbildung. „Vom Bambinireiten ab drei Jahre über das Longieren ab Fünf, das Voltigieren sowie das Dressur- und Springreiten für Fortgeschrittene bis hin zur Vorbereitung auf das Turnierreiten ist alles möglich“, zählt Dietrich auf. 16 eigene Pferde stehen derzeit noch im Stall. Die Ausbildung fand in den vergangenen Monaten aufgrund der wiederholten Lockdowns nur sehr eingeschränkt oder gar nicht statt. Von März bis Mitte Mai war zu, ab November waren aufgrund der sich ständig ändernden Vorgaben nur noch Einzelstunden möglich. Ab 16. Dezember sei dann wieder ganz geschlossen gewesen und erst seit 18. Januar gebe sie wieder Einzelunterricht.
Von den etwa 80 Unterrichtsstunden pro Woche vor Corona sei gerade mal die Hälfte übrig geblieben. Dies nicht nur aufgrund der Beschränkungen in der Reitschule selbst. „Die Leute hatten durch Kurzarbeit und auch Schließungen plötzlich viel weniger Geld und haben deshalb an den Reitstunden gespart.“ Sie spricht von Einbußen in der Größenordnung von 150 bis 200 Euro pro Tag. Die Kosten seien aber nicht weniger geworden, die Futterpreise derzeit sogar eher hoch.
Deshalb hat sie sich bereits von einigen Pferde getrennt, um die restlichen Pferde und damit auch die Reitschule zu retten, berichtet Dietrich verzweifelt. Von ihr beantragte staatliche Hilfen wurden abgelehnt, da sie im Vergleichszeitraum offenbar zu wenig Einkommen nachweisen konnte. Den Reiterhof baute sie da gerade erst auf. Als es im Anschluss endlich gut angelaufen sei, habe „Corona vor der Tür gestanden“. „Ich wurde da richtiggehend ausgebremst.“ Schlimm sei das nicht nur für sie, sondern auch für ihre Reitschüler und deren Eltern gewesen.
Eine von ihnen ist Elke Klumpp aus Loßburg. Für ihre reitende Tochter ist der Hof schon fast so etwas wie eine zweite Heimat geworden, erzählt sie. Gerade für die Entwicklung des Selbstbewusstseins, für das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sei das Reiten unheimlich hilfreich gewesen. Bezahlbar sei das Ganze auch. Eine weitere Mutter berichtet in einer Telefonnachricht, dass die unter Autismus leidende Tochter nicht nur ruhiger und ausgeglichener, sondern auch besser in der Schule geworden sei durch den Reitunterricht.
Kinder boten ihr Taschengeld an
Dietrich berichtet, dass Kinder ihr schon ihr Taschengeld angeboten hätten, um die Schule am Leben zu erhalten. Sollte sich die Lage allerdings nicht bessern, müsste sie zu allererst den Betrieb der Reitschule schließen und die Schulpferde verkaufen. „Ich könnte dann nur die Pferdeausbildung und den Pensionsbetrieb aufrechterhalten.“ Weiterhelfen könnten Sponsoren, Pferdepatenschaften oder Spenden, sagt Dietrich. „Auch wenn sie noch so klein sind.“ Sie verweist darauf, dass Ponyreiten nach wie vor möglich sei. Das bringe zumindest ein wenig Geld in die Kasse.