Dettingen: Dr. Werner Bösch: Vom Traumjob nur noch wenig übrig

Über die Zukunft der hausärztlichen Versorgung sprach Klaus Mack (Zweiter von rechts) mit (von links): Dettingens Ortsvorsteherin Andrea Haigis, Dr. Werner Bösch, Dr. Albrecht Kächele, Dr. Katharina Schmid, Dr. Ralph Ostertag und Dr. Lutz Weber.
Büro Mack„Allein in Horb fehlen sechs Hausärzte. Und die Lage verschärft sich zunehmend - landesweit.“ So beginnt die Pressemitteilung des Bundestagsabgeordneten Klaus Mack (CDU).
In Bade n-Württemberg fehlen demnach 960 Hausärzte, vor allem im ländlichen Raum. Die Folge: In den bestehenden Praxen füllen sich die Wartezimmer. Es bleibt immer weniger Zeit für Patienten oder es werden keine mehr aufgenommen. „Das ist frustrierend und schmerzt uns. Wenn uns dann auch rückwirkend Geld gestrichen wird, ist das ein echter Schlag“, wird Dr. Werner Bösch zitiert. In seiner Praxis in Dettingen versuchten er und seine Kollegen, die Versorgung bestmöglich aufrechtzuerhalten. Doch die Kapazitäten seien begrenzt. Bösch arbeite leidenschaftlich gerne, aber vom einstigen Traumberuf sei wenig geblieben.
Mack appelliert an Bevölkerung
Seine Praxiskollegin Dr. Katharina Schmid sagt: „Unsicherheiten beim Budget, weniger Freiheiten, mehr Pflichten - wie sollen wir da Nachwuchskräfte noch mit Freude für die Tätigkeit begeistern?“ Angesichts des großen Frusts und steigender Fixkosten fordert der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Calw/Freudenstadt in der Mitteilung, inhabergeführte Praxen stärker zu unterstützen: „Hausärzte sind meist die ersten Ansprechpartner bei gesundheitlichen Problemen aufgrund des langjährig gewachsenen Vertrauensverhältnisses zum Patienten. Für den ländlichen Raum ist die hausärztliche, wohnortnahe Versorgung ein wichtiger Standortfaktor.“
Die Stärkung der hausärztlichen Versorgung liege auch Dr. Lutz Weber am Herzen. Der Bezirksvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg für Südwürttemberg nennt die Vorteile: „Hausarztpraxen dienen in unserem Gesundheitssystem als wichtige Koordinatoren. Sie kennen nicht nur die Diagnose, sondern auch die Lebensumstände ihrer Patienten und können so die entsprechende Behandlung am besten steuern. Das entlastet und spart enorme Kosten.“
Als ehemalige Klinikärztin könne Dr. Schmid das nur unterstreichen: „Nicht jeder Husten muss direkt im Krankenhaus behandelt werden. Das können Patienten selbst aber gar nicht mehr einschätzen.“ Leider führe der Ärztemangel oft dazu, dass Erkrankte keinen anderen Weg mehr wüssten als den in die Notaufnahme.
Der Abgeordnete Mack appelliert daher auch an ein Umdenken in der Gesellschaft: „Lange Zeit haben wir von der Rundumsorglos-Versorgung im Gesundheitswesen profitiert, das geht so heute aber einfach nicht mehr. Umso wichtiger ist die Kompetenz der Hausärztinnen und Hausärzte. Sie brauchen daher eine finanzielle Ausstattung, mit der sie gesichert planen können“, sagt der 51-Jährige.
In Horb gibt es noch andere Pläne, um die hausärztliche Versorgung vor Ort zu sichern. Im Herbst steht der Umzug in die neuen Praxisräume am Ortseingang von Dettingen an. Bauherr und Vermieter ist die Stadt. Die schon bestehende Kooperation mit der Hausarztpraxis Remmingsheim wird dort ausgebaut. Deren Gründer Dr. Ralph Ostertag hofft, mit der neuen Konzeption bald wieder weitere Patienten aufnehmen zu können: „Und als Ausbildungspraxis mit enger Verbindung zur Uni Tübingen wollen wir dafür sorgen, dass der medizinische Nachwuchs in der Region bleibt.“
KVBW fordert höhere Honorare für Praxen
Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (K VBW) fordert eine bessere finanz ielle Ausstattung der Arztpraxen. Vor dem Hintergrund der nun beginnenden Honorarverhandlungen mit den gesetzlichen Krankenkassen, erläutert der Vorstandsvorsitzende der KVBW, Dr. Karsten Braun in einer Mitteilung: „Die Kosten sind für die Arztpraxen massiv gestiegen, die Honorare in den vergangenen Jahren hingegen nicht.“ Gehälter und Raumkosten hätten sich stark erhöht. Die Konsequenzen seien, dass sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert. „Das hat fatale Konsequenzen für die Versorgung.“ Schon heute bestehe ein wesentliches Problem in der Versorgung darin, dass es immer weniger junge Ärzte gibt, die in eine Praxis einsteigen. Braun warnt daher davor, die Praxen wirtschaftlich ausbluten zu lassen. „Wir brauchen dringend finanziell attraktive Rahmenbedingungen.“