Church-Night
: Wer glaubt, wird selig

Die evangelischen Christen feierten am Reformationstag in der Horber Johanneskirche fröhlich und bunt 500 Jahre Reformation.
Von
Willy Bernhardt
Horb

Martin Luther wollte eine Erneuerung der Kirche – eine neue Kirche wollen auch die Horber Protestanten.

Nicht gesetzt

Bot schaften gab es am diesjährigen Reformationstag bundesweit genug, die an den Thesenanschlag von Wittenberg von vor genau 500 Jahre erinnerten. So natürlich auch in Horb, wo Pfarrerin Susanne Veith sich über die rege Teilnahme evangelischer Christen am Bau einer neuen Kirche im Gotteshaus in der Weingasse freute, wenngleich anstatt Steinquadern Kartonschachteln als Bausteine herhalten mussten. Der Dreiklang aus Filmvorführung, Imbiss und Gottesdienst am Reformationsabend traf den Nerv der Besucher. Die zwölfte Horber „Church-Night“ war – entsprechend dem historischen Anlass – eine ganz Besondere.

Permanente Baustelle

Walter Burgbacher, der mit seiner Band in der Johanneskirche mit seiner groovenden Band großen Anteil daran hatte, dass die Stimmung gleich von Beginn des Gottesdienstes an überaus entspannt und gelöst war, erklärte das von dem „AGo“-Team (steht für Andere Gottesdienste), dem neben ihm aus der evangelischen Kirchengemeinde Horb noch Ursula Eisele, Jutta Graf, Angelika und Peter Krause, Thomas Reininger, Pfarrerin Susanne Veith und Carmen Winz angehören, ausgearbeitete Programm für die „Church-Night“ folgendermaßen: „Ein Traum – oder eine Baustelle? Wir neigen dazu, Baustellen als lästige Störenfriede wahrzunehmen. Wir lieben prächtige, ausgeschmückte Kirchen, hätten gerne breite Lebensstraßen, auf denen wir ohne Unterbrechungen und Staus im Sonnenschein dahingleiten können. Aber unser Leben, wie die Kirche Jesu, ist wahrscheinlich sehr viel häufiger als uns lieb ist, eine permanente Baustelle.“

Aber genau dies sei ja Jesu Botschaft und Auftrag gewesen. „Er kam und kommt immer wieder gerade in die Situationen in unserem Leben hinein, die uns Probleme machen. Wenn unsere Träume wie Seifenblasen platzen und wir vor einem Scherbenhaufen stehen. Gerade in solchen Baustellen-Erfahrungen brauchen wir die Gegenwart und Hilfe Gottes ganz besonders. Und er ist sich nicht zu schade, mit uns durch solche Tiefen zu gehen. In und an solchen Baustellen baut er seine Gemeinde, Gottes Reich – eher unspektakulär und sehr im Alltag verwurzelt. Immer wieder neu ansetzend und immer neu sich ändernd.“

Es gehe im Eigentlichen also um eine geistliche Erneuerung. Um so mehr freuten sich Walter Burgbacher und Pfarrerin Susanne Veith darüber, dass die im Jahre 2006 gestartete „Church-Night“ jeweils am Reformationstag inzwischen zu einer liebgewordenen Tradition in der evangelischen Kirchengemeinde Horb erwachsen sei, was auch die Ökumene mit einbeziehe.

Um 18 Uhr ging es in der Johanneskirche los mit dem Film „Simon Birch“ los, in dem es um Lebensträume geht. Es ist die Geschichte eines kleinwüchsigen Jungen, der weder von seinem Pfarrer noch von seinen Eltern Ernst genommen wird. Dennoch ist er sich sicher, dass Gott ihn so gemacht habe, wie er ist, weil er eines Tages eine Heldentat vollbringen solle. Die Einladung als zweiter Teil des Abends schloss sich im Gemeindehaus an, wo bei einem Imbiss die Gelegenheit geboten wurde, sich auszutauschen und sozusagen „schmeckend und sehend die Freundlichkeit Gottes zu erleben“.

Um 21 Uhr begann dann in der Johanneskirche der Gottesdienst unter dem Thema „Ein Traum von Kirche … der Bauherr – die Mitarbeiter“ mit viel Musik. Susanne Veith, Walter Burgbacher, Angelika und Peter Krause und Ursula Eisele machten in Wortbeiträgen dabei deutlich, worum es ging: „Gottesdienst, das heißt, Gott dient uns und wir bauen mit an seiner Kirche – mit Schuhkartons Statik und Dynamik auf der Baustelle Kirche ganz praktisch und mit Mut zum Experiment.“ Und es wurde fleißig und vor allem gemeinsam an dieser Kirche gebaut. Ergänzt immer wieder durch einzelne Wort-, Lied- und Gesangsbeiträge, unter anderem auch mit dem Luther-Lied „Wer glaubt, wird selig“.

Orgelenthüllung am 14. Januar

Beeindruckend schilderte Peter Krause die Entstehungsgeschichte und Bedeutung der „zugestrickten“ Orgel, die erst am 14. Januar 2018 enthüllt und deren einzelne Motive dann versteigert werden sollen. Ursula Eisele hatte sich die Mühe gemacht und den Eingangsbereich der Johanneskirche mit allen 95 Thesen . Allenthalben wurde bei dem stimmungsvollen und fröhlichen Gottesdienst die Botschaft dieser historischen Reformationsnacht deutlich: gemeinsam am Bau der neuen Kirche zusammenzuarbeiten. Daran will sich auch MdL Dr. Timm Kern (FDP), studierter Theologe, am 12. November um 9.50 Uhr beteiligen, wenn er im Gottesdienst die Predigt hält und sich Stadtpfarrer Michael Keller um das Liturgische kümmert. Für Keller, der mit seiner Frau Susanne den Gottesdienst besuchte, war es ein ganz besonderes Ereignis, war doch in seiner „eigenen“ Kirche dieses Mal „nur“ Gast.