Bodenschleifer für Bedürftige?
: Dubioser Sammelaufruf in Bergfelden aufgetaucht / Angebliche Stiftung existiert nicht

Unter der falschen Vorgabe, für karitative Zwecke zu sammeln, bat eine angebliche „ungarische Stiftung für bedürftige Familien“ am Mittwoch in Bergfelden die Bürger mit Handzetteln um Sachspenden. Polizei, Ordnungsamt und Landratsamt sind allerdings machtlos.
Von
cristina priotto
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Nicht gesetzt

Wer tatsächlich hinter dem Aufruf steckt, ist völlig unklar, denn auf den Flyern fehlt jeglicher Hinweis auf eine Organisation, Ansprechpartner, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.

Dies weckte bei etlichen Bergfeldern Zweifel an der Gemeinnützigkeit der Sammlung: Nachdem das Dokument am Dienstag im größten Sulzer Stadtteil in vielen Briefkästen steckte, wandten sich aufmerksame Bürger an die SÜDWEST PRESSE: „Seltsam daran ist, dass kein Absender und keine offiziell existierende Organisation genannt werden“, schrieb ein Anwohner unserer Zeitung.

Ortsvorsteher Martin Sackmann wusste gestern ebenfalls von den verteilten Flyern. „Etwas Ähnliches gab es vergangenes Jahr schon mal hier im Ort, aber diese Aufrufe habe ich zum ersten Mal gesehen“, sagte Sackmann auf Nachfrage. Die Einwohner Bergfeldens waren jedoch mit einer gesunden Portion Skepsis gesegnet – und ignorierten den dubiosen Aufruf überwiegend, indem zwischen 7 und 12 Uhr so gut wie keine Gegenstände vor den Häusern deponiert wurden.

Ordnungsamtsleiterin Sabrina Glöckler war ebenfalls informiert, für die Genehmigung solcher Sammlungen ist das Ordnungsamt allerdings schon seit 2013 nicht mehr zuständig. „Ich gehe davon aus, dass die Sammlung nicht gemäß Kreislaufwirtschaftsgesetz beim Landratsamt angemeldet ist“, teilte Glöckler mit und versprach, den Hinweis an den Polizeiposten Sulz und das Abfallwirtschaftsamt beim Landratsamt Rottweil weiterzuleiten. Doch beim Umweltschutzamt, der Unteren Abfallrechtsbehörde, ist kein Genehmigungsantrag eingegangen. Das ist typisch für die Masche der erfundenen „ungarischen Stiftung“. In keinem der Landkreise in Baden-Württemberg, in denen die dubiosen Sammler bislang unterwegs waren, war das Umweltschutzamt vorab informiert. Da die Urheber schwer zu fassen sind, laufen die Ermittlungen meist ins Leere: „Man kommt dem nicht bei“, sagte Günther Rieble am Mittwoch. Der Leiter des Umweltschuamts beim Landratsamt Rottweil hofft aber, dass die gewerblichen Interessenten, die dahinterstecken, irgendwann aufgeben werden: „Die Leute werden durch Kommunen und Berichte in der Presse immer wieder sensibilisiert, auf solche Aufrufe nicht zu reagieren und nichts herauszustellen“, weiß Rieble.

Erschwert wird dem Umweltschutzamt und der Polizei die Arbeit dadurch, dass die ominösen Sammler die Gesetzeslücken kennen und auf den Handzetteln daher extra darum bitten, keinen Sperrmüll oder Abfall an die Straße zu stellen – dann greift weder das Kreislaufwirtschaftsgesetz, noch ist der Spendenaufruf an sich illegal.

Wer die Liste aufmerksam durchliest, dem dürfte aber schnell klar werden, dass etwa Gegenstände wie Uhren, Computer, Fernsehgeräte, Schmuck, Garten- und Espressomaschinen, Mopeds oder Fotoapparate mit Sicherheit nicht für bedürftige Familien bestimmt sind. Vielmehr möchte jemand damit möglichst viel Geld machen.

Handlungstipps für Bürger:

Sperrmüll: Wer nicht benötigte Gegenstände loswerden möchte, muss dies beim Abfallwirtschaftsamt des Landratsamts als häuslichen Sperrmüll anmelden, dann werden die Sachen abgeholt.

Andere mögliche Abnehmer sind das DRK, die Kirchengemeinden, der Kleiderladen oder Asyl-Arbeitskreise. Solche seriösen Organisationen stellen sicher, dass damit nicht gewerblich Geld verdient wird, sondern nur Bedürftige die gespendeten Dinge erhalten.

Wer Zweifel hat, sollte bei den Sammlern anrufen. Fehlt ein Ansprechpartner, gilt grundsätzlich: Finger weg!