: Viel Schulterklopfen und ein ganz klein wenig Kritik beim Horber Jahrsempfang
Es war doch etwas ungewöhnlich, den Neujahrsempfang auf den Valentinstag zu verlegen. Doch dem Besuchersturm tat es keinen Abbruch. Ungewöhnlich war auch, das Motto „Jugend 2.0“. Aber das machte die Veranstaltung lebendig. Ansonsten war das meiste bewährt: Kurzer Rückblick, langer Ausblick, kleine Seitenhiebe und nette Unterhaltung.
Der Star beim Neujahrsempfang: Jillian Freitag, die Vorsitzende des ersten Horber Jugendgemeinderats las den Erwachsenen die Leviten. Allerdings mit Charme – so war am Ende niemand böse.
Bilder: Kuball
Nicht gesetzt
Horb. Eins muss man Oberbürgermeister Peter Rosenberger lassen: Reden kann er. Das bewies er auch wieder beim Neujahrsempfang der Stadt Horb in der Hohenberghalle. Zwar überschritt er die eingeplante Redezeit, doch die über 300 Gäste fühlten sich gut unterhalten. Nur Landrat Dr. Klaus Michael Rückert musste hin und wieder schlucken. Doch er konterte in seiner Rede die Angriffen galant. Der dritte Redebeitrag des Nachmittags gebührte dieses Jahr Jillian Freitag, Vorsitzende des Jugendgemeinderats. So frech und selbstbewusst wie sie sich gab, vermisste keiner die sonstigen „Berühmtheiten, die es sonst hier oben zu begaffen lohnt“, wie Freitag es selbst formulierte. Und da die Landtagswahl nur noch vier Wochen entfernt ist, mischte sich unter das Volk auch etliche Politik-Prominenz – die vor und nach dem offiziellen Teil auch rege das Gespräch suchte.
Jugend I: Um sie schwirrte der größte Teil der Redner. Rosenberger stellte sie an den Anfang seines Beitrags und ihm kam nur Lob über die Lippen. Der Jugendgemeinderat, der vor zwei Jahren in Horb frisch ins Leben gerufen wurde, und in Kürze neu gewählt wird, war für ihn die richtige Entscheidung: „Unsere Jugendgemeinderäte übernehmen Verantwortung, zeigen Engagement und stellen sich den Herausforderungen.“ Rosenberger erwähnte zwei erfolgreiche Projekte, die 2015 umgesetzt wurden: der Bolzplatz auf dem Hohenberg und der Holy-Day-Horb. Zudem schätzt er die Einmischung: „Bei Themen wie dem Naturfreibad und zum Betreuten Wohnen habt ihr Aussagen getroffen, die näher an der Realität orientiert war, als es dem einen oder anderen Gemeinderat recht gewesen wäre.“ Fazit: Weiter so.
Jugend II: Jillian Freitag hat Biss. Ihr Resümee aus zwei Jahren Jugendgemeinderat war eindeutig: „Auf diese Truppe darf man stolz sein.“ Sie hatte sich für den Neujahrsempfang in ein schickes schwarzes Kleid gehüllt, doch davon sollte sich keiner blenden lassen. Denn das Establishment soll sich ruhig auch ein wenig fürchten. „Uns geht es nicht um Prestige, oder Aufmerksamkeit um die eigene Person. Bei uns muss nicht jeder noch zehn Mal das sagen, was der Redner vor ihm bereits erwähnt hat“, sagte sie in Richtung Stadträte. Um später noch eins daraufzusetzen: „Und zu guter Letzt, an alle Zweifler, Kritiker, an alle Verdrossenen, die Angst vor Neuem haben, an alle die nicht an die Horber Jugend glauben: wir haben’s euch – schon oft genug – ja mal sowas von gezeigt.“
Rückblick: M uss auch sein bei einem Neujahrsempfang. OB Rosenberger hetzte durch die Monate, verglich das Weltgeschehen mit dem beschaulichen Horb. Und während sich die Krisen auf dem Globus häuften, ging es in Horb 2015 stetig voran. Zumindest was den Rückblick des OB betraf. Zwei Höhepunkte strich er besonders heraus: Im vergangenen Jahr wurde zum ersten Mal ein ausgeglichener Haushalt nach neuem Haushaltsrecht verabschiedet. O-Ton Rosenberger: „Was ein ausgeglichener Haushalt ist, interessiert vielleicht wenige. Aber das heißt: Wir geben nicht mehr aus, als wir einnehmen.“ Außerdem zog sich wie ein Roter Faden das Einkaufszentrum durch den Jahreslauf.
Flüchtlinge: Laut Rosenberger „die größte Herausforderung“ des vergangenen und auch des neuen Jahres. Er mahnte mehr finanzielle Mittel für die Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen an und lobte den Einsatz der haupt- und ehrenamtlichen Helfer: „Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass sich die Asylsuchenden bei uns zurechtfinden können. Nur so kann Integration gelingen.“ Landrat Rückert hat aufgrund der Flüchtlingsunterbringung momentan kein leichter Job: „Die letzte Woche war bisher die härteste“, berichtete er. Der Grund: die Ablehnung in Waldachtal bei der Belegung des Sattelacker Hofs mit Flüchtlingen. Dadurch wäre es fast zur Belegung von Turnhallen gekommen, so Rückert: „Feuerwehr und THW waren schon alarmiert.“ Horb lobte er für sein Entgegenkommen, gerade bei dem Bau von Flüchtlingsunterkünften auf dem Hohenberg und in der Altheimer Straße: „Hier herrscht Willkommenskultur.“
Krankenhaus: Wie erwartet kritisierte Rosenberger die Kreisumlage, die gut 3 Prozent über dem Landesdurchschnitt läge. „Damit wird dem städtischen Haushalt jährlich ein Betrag von gut 900000 Euro entzogen, die wir vor Ort gut gebrauchen könnten.“ Schuld an der steigenden Kreisumlage seien vor allem die hohen Verluste des Freudenstädter Krankenhauses: „Es wird sehr viel Transparenz und Überzeugungskraft nötig sein, um uns von einer Investition von annähernd 100 Millionen Euro am Standort Freudenstadt zu überzeugen“, sprach er in Richtung Landrat. Dieser entgegnete: „Der Neubau wird in zwei öffentlichen Kreistagssitzungen noch ausgiebig diskutiert.“
Neuer Hochschulcampus: Bekanntlich wollen führende Firmen dem Landkreis zu einem neuen Hochschulcampus mit Masterstudiengang verhelfen. Ebenso bekannt: Horb und Freudenstadt sind beide erpicht darauf, als Standort zu dienen. Rosenberger berichtete beim Neujahrsempfang von den jüngsten Werbemaßnahmen: „Wir haben den Endscheidern inzwischen einen Vorschlag unterbreitet, der mehrere Millionen Euro schwer ist.“ Der Landrat hielt sich aus dem Wettbewerb zwischen Ost- und Westkreis vornehm zurück: „Jetzt gibt es einen Wettbewerb, wo der Campus hinkommt. Der Landrat hält sich heraus, Hauptsache er kommt“, sagte Rückert.