Beigeordneten-Wahl in Horb
: Knapp, aber: Ralph Zimmermann bleibt Bürgermeister in Horb

Mit 15 von 26 Stimmen ist Amtsinhaber Ralph Zimmermann am Dienstagabend im Horber Gemeinderat zum Ersten Beigeordneten gewählt worden. Herausforderin Katja Anton-Kalbfell unterlag knapp mit 11 Stimmen.
Von
Marike Schneck,
Dagmar Stepper
Horb am Neckar
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"Ich nehme die Wahl sehr, sehr gerne an!" Glückwünsche für den alten neuen Kollegen Ralph Zimmermann von Oberbürgermeister Peter Rosenberger (rechts).

"Ich nehme die Wahl sehr, sehr gerne an!" Glückwünsche für den alten neuen Kollegen Ralph Zimmermann von Oberbürgermeister Peter Rosenberger (rechts).

Marcella Danner
  • Ralph Zimmermann bleibt Bürgermeister von Horb, gewinnt Wahl mit 15 von 26 Stimmen.
  • Herausforderin Katja Anton-Kalbfell unterlag knapp mit 11 Stimmen.
  • Wahl fand im Horber Gemeinderat statt, Stadträte gaben ihre Stimmen ab.
  • Zimmermann wurde von CDU und AfD unterstützt.
  • Beide Kandidaten präsentierten ihre Qualifikationen und nahmen an Fragerunde teil.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Jeder nur ein Kreuz“, scherzte Oberbürgermeister Peter Rosenberger, als er die Stadträtinnen und Stadträte an die Urne schickte. Das Ergebnis war am Ende denkbar knapp. 14 Stimmen brauchte es für die absolute Mehrheit. 15 Stimmen konnte sich Amtsinhaber Ralph Zimmermann sichern. 11 Stimmen holte Herausforderin Katja Anton-Kalbfell. Zuvor hatten sich die Kandidaten ein Bewerbungsduell geliefert, bei dem sowohl die Herausforderin Katja Anton-Kalbfell (51) als auch Amtsinhaber Ralph Zimmermann (57) nochmals ihre Qualifikation für das Amt des Ersten Beigeordneten darlegten.

Die Halle der Gutermann-Grundschule war am Dienstabend gut besetzt. Für bis zu 120 Zuhörende hatte die Stadt bestuhlt, das war gut kalkuliert. Auch Bürgermeisterkollegen und -kolleginnen aus angrenzenden Gemeinden waren nach Horb gekommen, darunter Annick Grassi (Waldachtal), Markus Tideman (Eutingen), Thomas Staubitzer (Schopfloch) und Freudenstadts Bürgermeister Wolfgang Fahrner. Rund 200 weitere Zuschauerinnen und Zuschauer (anfangs waren es weniger, später mehr) verfolgten den Wahlabend über den Livestream.

Verweis auf Expertise und Erfolge

Da die öffentliche Vorstellung alphabetisch ablief, war Anton-Kalbfell am Dienstagabend zuerst an der Reihe. 15 Minuten präsentierte sie sich den Stadträtinnen und Stadträten. Man merkte ihr die Aufregung weniger an, als Amtsinhaber Ralph Zimmermann, der eine halbe Stunde später ans Rednerpult trat und so schnell durch sein Manuskript galoppierte, dass man ihm anfangs kaum folgen konnte. Doch auch Anton-Kalbfell, die eher einen Tick zu langsam sprach, stolperte – vorrangig immer dann, wenn sie sich penibel an ihre vorformulierten Sätze halten wollte.

Kandidatin und Kandidat verwiesen beide auf ihre Expertise, brachten Erfahrungen und Erfolge vor und vergaßen nicht, immer wieder auf ihre Stärken hinzuweisen. Wie bei Bewerbungsgesprächen gang und gäbe, überschnitten sich diese bei gerne genannten Attributen wie Teamfähigkeit und Transparenz, Zuhören und Zusammenarbeit.

Beide Reden gewannen gegen Ende, beide Kandidierende konnten ihr Potenzial aber erst in der Fragerunde voll entfalten. Zimmermann spielte selbstredend seinen Heimvorteil aus und holte sich insbesondere bei CDU und AfD den Torjubel ab. CDU-Fraktionschef Michael Keßler verzichtete gar auf die Fragen und sprach Zimmermann schon vorab das Vertrauen der Fraktion aus.

Ansonsten waren die fachlichen Fragen ähnliche: Silke Wüstholz (CDU) wollte von beiden wissen, wie Horb mit den Stadtwerken weiterverfahren solle. Hier war der Amtsinhaber klar im Vorteil: „Ich glaube, dass wir das Rad zurückdrehen müssen.“ Als man die Stadtwerke damals gegründet habe, seien die Voraussetzungen andere gewesen. „Heute können wir nicht mit den großen Playern mithalten, zum Beispiel in der Stromproduktion.“

Zimmermann lässt OB-Frage weiter offen

Anton-Kalbfell als Externe verwies berechtigterweise darauf, dass sie diese Frage zum derzeitigen Zeitpunkt nicht fundiert beantworten könne. Dafür hatte die 51-Jährige eine durchaus klare Vorstellung davon, wie eine digitale Verwaltung, ein virtuelles Bürgeramt, künftig auszusehen hat und interdisziplinäre Zusammenarbeit in Verwaltungsstrukturen transparent und losgelöst von Hierarchien funktionieren kann.

Zudem ließ Anton-Kalbfell keinen Zweifel daran, dass das Amt der Beigeordneten das einzige ist, an dem sie in Horb Interesse hat. „Ich bereite eine ideale Startbahn für die neue Stadtspitze. Jeder OB hat somit die Möglichkeit, die Verwaltung so zu strukturieren, wie er es für richtig hält“, sagte sie. Während der Rede von Zimmermann warteten die Zuhörenden indes vergeblich auf eine klare Antwort auf die Frage: Will er nun auch noch Oberbürgermeister werden oder will er nicht? Gestellt hat sie an diesem Abend allerdings auch keiner der Stadträte – zumindest nicht in der öffentlichen Sitzung.

Glückwünsche für beide Kandidierenden

Nach der Wahl beglückwünschte Oberbürgermeister Peter Rosenberger nicht nur den Sieger, sondern auch die knapp unterlegene Anton-Kalbfell. „Ohne zwei Kandidaten gibt es keine Wahl“, so Rosenberger. „Sie haben ein gutes Ergebnis eingefahren.“ Das sah auch sie selbst so und bekannte: „Ich werde meinen Weg gehen und wünsche Horb alles Gute mit dem neuen OB.“

Und Zimmermann? Der nahm die Wahl sichtlich erleichtert an und ließ sich von Rosenberger und seiner Frau herzlich drücken. In der Sitzungspause gab's reichlich Bussis und Gratulationen von Mitarbeitenden und Stadträten.