Beauftragter gegen Antisemitismus: Dialog und Humor gegen den Hass

Der Beauftragte gegen Antisemitismus des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume, spricht am Freitag, 26. September, 19 Uhr, auf Einladung der bürgerlichen Gemeinde und der evangelischen Gesamtkirchengemeinde im Sportheim in Dürrenmettstetten über das Thema „Warum Antisemitismus alle angeht“.
Kai Loges / die arge lola- Michael Blume spricht am 26. September in Dürrenmettstetten über „Warum Antisemitismus alle angeht“.
- Baden-Württembergs Beauftragter gegen Antisemitismus setzt auf Dialog, Bildung und Humor gegen Hass.
- Blume warnt vor digitalem Antisemitismus und sieht ihn als Gefahr für Demokratie und Gesellschaft.
- Er lehnte das Bundesverdienstkreuz ab – Deutschland schütze Jesidinnen noch nicht dauerhaft.
- Blume betont: Begegnungen und Vielfalt stärken den Zusammenhalt – Zweifel fördern Überzeugung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn Michael Blume lacht, reißt er andere mit. Wer ihm zuhört, merkt sofort: Hier spricht jemand, der den Hass kennt – und ihm dennoch mit Klarheit, Zuversicht und Humor begegnet. „Der Hass auf Juden endet nie bei den Juden“, sagt er. „Er trifft Bildung und Aufklärung – und letztlich uns alle.“ Für Blume ist Antisemitismus kein Randthema, sondern eine Gefahr für die Demokratie.
Blumes Lebensweg ist ungewöhnlich. 1976 in Filderstadt geboren, machte er zunächst eine Banklehre, bevor er in Tübingen Religions- und Politikwissenschaften studierte und über Religion und Hirnforschung promovierte. Doch Theorie allein reichte ihm nicht. Seit 2003 arbeitet er im Staatsministerium Baden-Württemberg, zuerst als Referent für interkulturellen und interreligiösen Dialog. 2015/16 reiste er im Auftrag des Landes in den Nordirak, um das Sonderkontingent für jesidische Frauen und Kinder vorzubereiten und zu begleiten. Rund 1000 Überlebende des Völkermords durch den sogenannten Islamischen Staat fanden so Schutz in Baden-Württemberg. Diese Aufgabe hat ihn geprägt – ebenso wie seine enge Freundschaft mit Überlebenden der Shoa.
2018 ernannte die Landesregierung Baden-Württemberg Blume zum ersten Beauftragten gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben. Seitdem ist er unermüdlich unterwegs: in Schulen, Vereinen, auf Kirchentagen, in Gemeinden und Dialogforen. Er warnt vor den Gefahren digitaler Verschwörungsmythen, die Menschen aus der Mitte der Gesellschaft radikalisieren. Anerkennung blieb nicht aus: Er erhielt die Otto-Hirsch-Medaille für seinen Einsatz in der christlich-jüdischen Zusammenarbeit. Das Bundesverdienstkreuz lehnte er jedoch ab – aus Protest, weil Deutschland bis heute keinen dauerhaften Schutz für Jesidinnen beschlossen hat.
Blume lebt, was er predigt. Er ist evangelischer Christ, verheiratet mit der deutsch-türkischen Muslima Zehra und Vater von drei Kindern. „Vielfalt nimmt uns nichts, sie gibt uns viel“, sagt er. In seiner Familie, seinem Team und im Austausch mit jungen Menschen erlebt er täglich, wie Dialog, Mitgefühl – und Humor – dem Hass die Stirn bieten. „Zweifel müssen sein“, betont er. „Denn aus dem dialektischen Zweifel wächst Überzeugung.“
Begegnungen sind der Kern seiner Arbeit
Für Blume sind Begegnungen der Kern seiner Arbeit: „So sehr ich Bücher und Podcasts schätze, glaube ich, dass persönliche Begegnungen etwas Einzigartiges haben. Ein informativer Vortrag ließe sich digital abhalten, aber das Miteinander und die Gespräche vor Ort gehen weit darüber hinaus.“ Trotz Anfeindungen bleibt er zuversichtlich. „Es sind Liebe, Glaube, Hoffnung. Zur Liebe gibt es tausend Lieder, zum Glauben tausend Texte. Aber wir sollten auch die Hoffnung mehr schätzen – besonders Humor und Musik.“
Blume kommt nach Dürrenmettstetten
Am Freitag, 26. September, kommt Michael Blume nach Dürrenmettstetten. Um 19 Uhr spricht er im Sportheim auf Einladung der bürgerlichen Gemeinde und der evangelischen Gesamtkirchengemeinde über das Thema „Warum Antisemitismus alle angeht“.
