Beatparade: Beats lassen Empfingen beben

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Nicht gesetztHarte Beats und Bässe, tanzende Menschen und gefühlt 30 Grad im Schatten – das brachte nicht nur die Feiernden zum Schwitzen. Schon um 14 Uhr trafen am Samstag die ersten Besucher zum Warm-Up ein. Ab diesem Zeitpunkt begann der zwölfstündige Feiermarathon. Dort konnten die DJs das erste Mal an diesem Tag ihr Können unter Beweis stellen. Dadurch hatten die Besucher gleich die Möglichkeit, ihren Lieblings Truck von Anfang an zu begleiten.
Rock-Musik am Wegesrand
Während des Warm-Ups schallte aus einer Garage lautstark Hard-Rock-Musik. Dies erzeugte den einen oder anderen verwunderten Blick bei den Ravern. Dafür verantwortlich war Susanne Lang. „ACDC ist die Lieblings Band meines Onkels und außerdem haben wir gar keine Techno Musik“, sagt sie und grinst. Während Susanne Lang für das leibliche Wohl und ausreichend kühle Getränke sorgte, hatte ihr Onkel sichtlich Spaß, die Tanzwütigen mit seinem Gartenschlauch nass zu spritzen. „Das macht er jedes Jahr. Ihm gehört auch die Garage“, sagt sie. Nicht nur die Musik war etwas Besonderes an ihrer Aktion. Zusammen mit zwei Syrischen Männer bereitete Susanne Lang Falafel zu. „Viele kennen dieses Gericht gar nicht“, sagt sie. Sie hatten gemeinsam die spontane Idee und wollten es einfach mal ausprobieren. „Moufak Ward und Mahmond Alkalbai Alidelbi sind Freunde der Familie“, erzählt Lang.
Um 16 Uhr begann die Parade und die Hauptstraße verwandelte sich zu einer einzigen großen Partymeile. Der Techno-Tross bestand aus sechs Trucks mit mehreren DJs. Jeder Truck hatte ein anderes Motto und dazu passende Musik. Der Höhepunkt der Parade fand am Rathaus statt. Dicht gedrängt standen die Zuschauer und warteten gespannt auf jeden neu anfahrenden Truck. Denn dort durfte jeder Lastwagen zeigen, wie viel Energie in seinen Boxen steckt. Nicht nur der Boden vibrierte. Die Besucher konnten bis in die Haarspitzen den Bass der Anlagen spüren.
Philipp Kämpf vermutet, dass in diesem Jahr mehr Zuschauer zu der Parade kamen. „Es sah auf jeden Fall mehr aus, aber man kann es schlecht sagen, nur schätzen“, sagt er. Edmond Bittorf und Timo Jürgens sind extra rund 40 Kilometer aus Ofterdingen mit dem Fahrrad nach Empfingen geradelt. „Wir machen das fast jedes Jahr“, sagt Bittorf. Die beiden 54- und 45- jährigen Männer sind „alte Technofans“, gestehen sie. „Außerdem passt Techno und Sport super zusammen.“
Der Wettergott muss wohl auch ein Techno-Fan sein, denn jedes Jahr haben die Empfinger Glück mit ihrem Wetter. Bei 28 Grad im Schatten war jeder Tanzwütige froh über eine Abkühlung. Für diese sorgte unter anderem die Freiwillige Feuerwehr Empfingen. Mit einem Feuerwehrschlauch spitzten die Männer die tanzende Menge nass. „Nein, wir haben überhaupt keinen Spaß, es ist ja eine ernste Sache“, sagt Michael Hipp mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Jedes Jahr sorgt die Feuerwehr für diese Erfrischung. Ab und an wird auch mal der Schlauch von dem ein oder anderem Raver geklaut und auf die Kameraden gerichtet. „Jedes Jahr sind solche Spaßvögel dabei“, erzählt Hipp. Insgesamt waren 17 Feuerwehrmänner für die Absperrung zuständig und weitere sieben Kameraden waren außen postiert.
Dem dreijährigen Tim war die laute Musik nicht ganz so geheuer. „Ich mag bloß die Laster“, sagt er. Seiner kleinen Schwester Anni gefiel die Veranstaltung schon besser. Sie strahlte mit allen um die Wette. Ihr Papa ist seit Beginn dabei. „Ich mag die Musik, das Fest und die Gestaltung. Es passt einfach alles“, sagt Uwe Ainger.
Eben so gut gefällt die Beatparade Manuel Enderwitz. Seinem Bruder Mirco allerdings wäre andere Musik lieber gewesen. „Techno ist nicht so meine Musik, mir wäre Metal doch lieber“, sagt der 19-Jährige. Beide sind schon seit 14 Uhr auf der Parade. „Wir wollen auch noch abends hin“, so Enderwitz.
Nachdem alle Trucks auf dem Gelände ihren endgültigen Platz erreicht hatten, konnte jeder von ihnen noch einmal bei der Wagenpräsentation zeigen, wie viel Power in ihm steckt. Danach wurde eine so genannte „Area of Sound“ gebildet: Alle Trucks wurden miteinander verkoppelt, um gemeinsam die Bässe dröhnen zu lassen. Aber erst nachdem die Dämmerung eintrat, ging die Show los. Mit Lichteffekten wurde die Musik passend untermalt.
Scheinwerfer haben gewackelt
Highlight des Abends war „WestBam“ (Maximilian Lenz). Seit 1983 legt der deutsche DJ auf. Der 52-Jährige gilt als einer der wichtigsten deutschen Vordenker und Wegbereiter der elektronischen Musik. Er war Mitgründer der deutschen Techno-Labels, „Low Spirit“, Gesellschafter der „Mayday“ und Stammgast auf der Love Parade. Lenz unterbrach extra für die Beatparade seinen Urlaub. Und dies wurde auch von den geschätzt über 6000 Besuchern gewürdigt. Als „WestBam“ die Bühne betrat und die ersten Töne erklangen, jubelte die Menge ihm zu. Aber auch weitere Acts wie „Frontliner“, „Lost Identity“ oder „Marc Jerome“ brachten die Zuschauer zum Tanzen. Teilweise tanzten die Menschen so heftig, dass die Halterungen der Scheinwerfer mancher Wagen bedrohlich anfingen zu wackeln. Ein weiteres Highlight war außerdem ein Feuerwerk um kurz vor 22.30 Uhr. Damit die Beatparade überhaupt zustande kommt, sind jedes Jahr rund 250 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. Schon zum 18. Mal veranstaltete der Jugend- und Kulturverein die einzige Technoparade in Baden-Württemberg. „Es ist richtig toll, dass alle Empfinger so hinter der Beatparade stehen und mitarbeiten“, sagt Philipp Kämpf. Auch ein großes Sicherheitskonzept war den Veranstaltern wichtig. „Es hat sich bis jetzt jedes Jahr bewährt“, sagt Kämpf. Es werden von Jahr zu Jahr nur Kleinigkeiten verändert und ausgebessert. „Alle Bereiche arbeiten Hand in Hand und so wissen wir auch sofort, wenn irgendwo was anderes gemacht werden muss im nächsten Jahr.“ Laut Veranstalter ist der gesamte Tag friedlich verlaufen. Es habe keine Zwischenfälle oder ernstere Verletzungen gegeben – „so wie ein Veranstalter sich das wünscht“, sagt Philipp Kämpf.