Bayerische Biker-Freundschaft
: Die Motorradclique „Himmelfahrt“ startete ihre erste Tour vor 35 Jahren

An einem Samstag vor über 35 Jahren kamen Walter Dekreon und Wolfgang Saur auf die Idee, mal „g’schwend“ mit dem Motorrad ins Bayerische zu fahren. Rolf Klink baute gerade sein Haus in Eutingen, weshalb er die beiden Kumpels um zwei Stunden vertrösten musste. In der Zwischenzeit gesellten sich weitere Motorradfahrer dazu und so startete die erste Tour der Motorradclique „Himmelfahrt“.
Von
Alexandra Feinler
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Mit der Fähre kam die Motorradclique „Himmelfahrt“, die seit über 35 Jahren aus vier Stamm-Eutingern und deren Freunde sowie Bekannten besteht, ihrem Ziel in Belgien näher.

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Spaß und Geselligkeit stand auf dem Programm, berichtet Wolfgang Saur von der „Bayernprüfung“. „Sechs Maß Bier hintereinander – das schafft nur ein echter Bayer, hieß es. Da haben wir denen mal g’schwend gezeigt, dass das für uns kein Problem ist“, lacht Wolfgang Saur und Rolf Klink bringt ein, dass es den Bayern um ihn herum gar nicht mehr so gut ging. Ausgleichende Gerechtigkeit, denn zuvor hätten die Bayern ihre Gäste aus dem Gäu immer wieder auf den Arm genommen. „Da bringt die Bedienung einen Bierkrug und als Winfried Platz daraus trinken will, kriegt er ihn nicht vom Tisch hoch. Jetzt war der Krug zur Hälfte mit Blei gefüllt“ – Wolfgang Saur lacht wieder. Auch wurde eine Linkshänder-Maß gebracht, die ein Loch in der Nähe des Griffs hatte. Wer also mit der rechten Hand den Bierkrug zum Trinken ansetzte wurde nass.

Während abends das Zusammensitzen und die Geselligkeit eine große Rolle spielten, erkundeten die Motorradfahrer tagsüber die Gegend. „Damals hatten Motorradfahrer oftmals keinen guten Ruf“, denkt Wolfgang Saur zurück, dass einmal an einem Samstag der Sprit ausging. Rund-um-die-Uhr-tanken oder mit der EC-Karte gab es noch nicht, weshalb die Motorradgruppe an einer Tankstelle klingelte. Den Männern wurde nicht aufgemacht und selbst als die Frauen klingelten, wäre eine Frau heruntergekommen, um die Tanksäule aufzuschließen und wäre dann schnell ins Haus zurück.

Da einige der Motorradfahrer bei der Eutinger Musikkapelle aktiv waren, fragte Wirt „Heine“ spaßeshalber, ob sie ihn nicht mal mit den Instrumenten besuchen würden. „Das haben wir dann auch gemacht. Die Instrumente wurden ins Auto geladen und dann ging’s los ins Bayerische. Der Heine war platt“, freut sich Wolfgang Saur. Die ganze Motorradclique hätte Familienanschluss bekommen, weshalb das Zehnjährige mit einem großen Fest gefeiert wurde. „Jeder bekam einen Krug mit eingravierter Jahreszahl. Der Bürgermeister war auch da. Das war ein schönes Fest“, freuen sich die Motorradfreunde über die ersten zehn Jahre im Bayerischen. Später folgten Touren in die DDR, nach Frankreich und jetzt nach Belgien. „Aber alle fünf Jahre kommen wir wieder zurück zum Heine“, betonen die Eutinger bis heute die enge Verbundenheit.

Von sechs Motorradfahrern sind bis heute noch vier jedes Jahr dabei. Auch die Familien und Freunde wurden schon mitgenommen, sodass die Eutinger rund 150 verschiedene Personen schon auf die „Himmelfahrts-Tour“ mitgenommen haben. „Wir starten gemeinsam in Eutingen, anfangs an der ,Linde‘, heute bei der BayWa. Dann führt einer die Kolonne an“, erklärt Wolfgang Saur, der oft an der Spitze fährt und meint: „Keiner überholt und Adi Wettach kommt immer zum Schluss.“ Er zwinkert: „Der lässt sich nicht gern uf de Buckel schaue.“ Vor Ort könnte jeder die Gegend eigenständig erkunden, nur die H in- und Rückfahrt wollen alle gemeinsam antreten. Pannen sind natürlich drin, doch keiner werde alleine gelassen. „Als wir beim vergangenen Mal nach Belgien gefahren sind, haben wir zwölf Stunden gebraucht, weil ein Motorrad immer wieder stand“, das sei laut Saur kein Problem gewesen. Das Vesper wurde vorgezogen und die Mechaniker unter ihnen hätten sich um die Maschine gekümmert. Trotz aller Versuche blieb sie letztlich stehen und musste abgeschleppt werden, was jedoch eine Herausforderung gewesen sei. „Wir sprechen kein Französisch und der Fahrer konnte weder Deutsch noch Englisch“, lacht Rolf Klink, der mit dem Deutschen Automobilclub über das Handy in Verbindung war, damit das Problem erläutert werden konnte. „Anfangs haben wir noch gezeltet. Heute nimmt sich jeder ein Zimmer, auch die Jüngeren“, weist Wolfgang Saur auf Kinder der Anfangsclique hin, die nun auch schon Erwachsen seien. Auch wenn die Anfangsgruppe älter geworden ist, der Spaß blieb erhalten und so wird die Tour weiterhin jedes Jahr gefahren.