Horb: Regionale Innovationskraft - wie kann Nachhaltigkeit praktisch umgesetzt werden?

Hans-Dieter Wehle, Geschäftsführer von flx-business, Lukas Nafz, Geschäftsführer von Nafz Holzhaus, Prof. Tim Jansen, Leiter des Steinbeis-Transferzentrums "Industrielle Digitalisierung", trafen sich zum Austausch.
DHBW HorbDas Steinbeis-Transferzentrum "Industrielle Digitalisierung" aus Horb hat gemeinsam mit dem Start-up Unternehmen "flx-business" aus Böblingen eine Lösung zur Überwachung von Nachhaltigkeitskriterien entwickelt. Diese Zusammenarbeit hat den Seifriz-Anerkennungspreis für wissenschaftliche Transferleistung gewonnen, der herausragende wissenschaftliche Transferleistungen für das Handwerk würdigt. Das teilt Prof. Tim Jansen, Leiter des Steinbeis-Transferzentrums "Industrielle Digitalisierung" an der Dualen Hochschule (DHBW) in Horb, mit.
Der Ursprung dieser Lösung liege in der Kooperation mit Nafz Holzhaus, einem Unternehmen aus dem Horber Teilort Talheim. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit sei die Idee entstanden, ein System zu entwickeln, das es ermöglicht, die Nachhaltigkeitsleistung von Bauprojekten detailliert zu überwachen und zu dokumentieren. Daraus entstand FLX-DPPplus (Digitaler Produktpass plus), eine Monitoring-Lösung, die inzwischen weit über die Bauindustrie hinaus in verschiedenen Branchen eingesetzt wird, so Jansen.
Sebastian Nafz: "Interessant und wissenswert"
"Für uns als handwerkliches Unternehmen war es interessant und wissenswert, mit wissenschaftlichen Partnern die Herausforderung der Nachhaltigkeit anzugehen", sagt Sebastian Nafz, Geschäftsführer von Nafz Holzhaus. Diese Zusammenarbeit zwischen Handwerk und Wissenschaft habe eine Lösung hervorgebracht, die Unternehmen jeder Größe hilft, ihre Prozesse transparenter und nachhaltiger zu gestalten.
FLX-DPPplus erfasst Daten zu Umwelt- und Sozialkriterien, darunter CO₂-Emissionen, Wasserverbrauch und Arbeitsbedingungen, und macht diese Informationen transparent. Unternehmen erhalten so einen Überblick über ihre gesamte Lieferkette und Produktionsprozesse und könnten gezielt Maßnahmen ergreifen, um ihre Nachhaltigkeit zu verbessern. Neu ist, dass FLX-DPPplus inzwischen eine KI-Komponente zur Validierung der erhobenen Daten und der Berichterstattung beinhalte, was die Präzision und Effizienz der Lösung weiter steigert, so Jansen. Diese Erweiterungen befinden sich aktuell in der Patentanmeldungsvorbereitung und sollen das System weiter revolutionieren. Dies sei besonders wichtig, da Verbraucher und Geschäftspartner immer stärker auf nachhaltige Produktion achten.
Enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis
"Die große Aufgabe des Klimaschutzes können wir nur gemeinsam und mit dem notwendigen Wissen bewältigen", betont Jansen. Er unterstreicht, wie wichtig die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis ist, um Unternehmen dabei zu unterstützen, nachhaltiger zu wirtschaften und sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen. Seine Ansicht begründet sich nicht zuletzt in der Nachhaltigkeitsstrategie der DHBW. Am Campus Horb der DHBW Stuttgart ist Jansen Professor und Studiengangsleiter für den Maschinenbau und betont, dass Klimaschutz und die damit einhergehende Energiewende ein Schwerpunkt dieser Nachhaltigkeitsstrategie sei. Im Transferzentrum lege großen man Wert auf den Wissenstransfer zwischen Hochschule und Unternehmen.
"Die Lösung wurde ursprünglich für die Bauindustrie entwickelt, wird aber mittlerweile auch in der Lebensmittel- und anderen Industrien genutzt", erklärt Wirtschaftsinformatiker Hans-Dieter Wehle, Geschäftsführer von flx-business. Durch die Anwendung in unterschiedlichen Sektoren trage FLX-DPPplus dazu bei, den ökologischen Fußabdruck von Unternehmen zu verringern und die Einhaltung von ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) sicherzustellen.
Erfolgreicher Transfer ausgezeichnet
Für ihre herausragende Innovationsleistung wurden das Steinbeis-Transferzentrum "Industrielle Digitalisierung" und flx-business mit dem Seifriz.Anerkennungspreis für wissenschaftliche Transferleistung ausgezeichnet. Dieser Preis sei eine besondere Ehre, da er den erfolgreichen Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis des Handwerks auszeichnet – ein zentraler Erfolgsfaktor für nachhaltige Zukunft der Wirtschaft.
Mit dieser Lösung hätten Unternehmen eine verlässliche Grundlage, um den steigenden Anforderungen an Transparenz und Nachhaltigkeit gerecht zu werden, so Jansen. Dabei helfe FLX-DPPplus nicht nur, gesetzliche Vorgaben zu erfüllen, sondern ermögliche es den Unternehmen auch, sich gegenüber ihren Mitbewerbern als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit zu positionieren.