Altheim · Wohnen
: Kleines Haus, große Diskussion

In Altheim steht seit März ein Tiny House. Das moderne Wohnkonzept stößt seit der Planung auf Kritik – denn es herrschte schon früh viel Unklarheit.
Von
Mathias Huckert
Altheim

Nicole Noreiks Haus ragt in Richtung des angrenzenden Grundstücks.

Nicht gesetzt

Beim Abbiegen in die Alte Steige in Altheim fällt es sofort ins Auge: Dort steht, nahe der vielbefahrenen Hauptstraße, Horbs erstes Tiny House. Über das zu deutsch „winzige Haus“ wurde in Altheim viel diskutiert: Der Ortschaftsrat hatte sich vor rund einem Jahr geschlossen gegen die Genehmigung des kleinen Hauses ausgesprochen. Das Horber Bauamt aber hatte nichts gegen das Projekt einzuwenden – seit drei etwa Monaten steht das Haus am Ortseingang. Zwei Zimmer, Küche und Bad auf unter 40 Quadratmetern – und auf vier Rädern. Nicole Noreik hat das Mini-Gebäude mit einem Architekten entworfen und nach Altheim gebracht.

Seither wohnt sie mit ihrem kleinen Sohn im Tiny House – wegen des ökologischen Konzepts, aber auch, weil sie seit dem Ende ihrer Elternzeit in der Nähe von Altheim arbeitet. „Ein normales Haus wäre zu groß gewesen und zur Miete wollen wir nicht wohnen. Außerdem sind wir so mobil“, sagt sie. In einem so kleinen Haus zu wohnen, sei „sehr schön“: „Man hört den Regen drinnen ganz deutlich, nicht wie in einem großen Steinhaus“.

Nachbarn: „nicht informiert“

Julia Delorez, die mit ihrer Familie im Haus hinter Noreiks Grundstück wohnt, stört sich am Tiny House. Die Juristin erklärt der SÜDWEST PRESSE: „Die Stadt Horb wusste nicht, was sie da genehmigt“. Genauso wie Rosemarie Kreher, die Pächterin des Grundstücks neben dem Tiny House ist, wirft sie Stadt und Bauamt eine überstürzte Umsetzung der Pläne Noreiks vor. Beide Parteien seien im Vorfeld nur ungenügend informiert worden. Konkret geht es beiden Anwohnerinnen um die Höhe des Tiny House, denn es versperre, so Kreher, den Ausblick vom Balkon aus.

Haus niedriger als geplant

Auch in unserer Zeitung war zu lesen, es werde sich um ein „mannshohes Haus“ handeln. Inge Weber, Sprecherin der Stadtverwaltung, erklärt hierzu: „Die Höhenlage des Gebäudes entspricht derjenigen, wie sie im Nachtragsbaugesuch beantragt wurde. Sie ist sogar niedriger als im ursprünglichen Baugesuch dargestellt.“

Die Besitzerin selbst sagt, die Höhe betrage jetzt 4,90 Meter – nach einem 90 Zentimeter hohen Anbau, der auch genehmigt wurde: „Ich wollte, dass mein Sohn in den oberen Räumen aufrecht stehen kann“, so Noreik. Die Hausbesitzerin ließ auch die Grundstücksgrenze neu vermessen: Zwischen ihrer und der von Rosemarie Kreher liegt städtischer Grund. Die Grenze werde vom Haus nicht überschritten, sagt Noreik.

Auch Befürchtungen der Nachbarn, das Tiny House entspreche dem Brandschutz nicht, dementiert die Stadt. Die Baurechtsbehörde sei mehrfach bei Kontrollen vor Ort gewesen. Lediglich auf eine „förmliche Bauabnahme“ habe man wegen der „Größenordnung des Vorhabens“ verzichtet. Mit den Nachbarn sei gesprochen worden.

Das kann Rosemarie Kreher nicht bestätigen. Der einzige Brief, den sie erhalten hat, ist nicht alt. Darin wird sie informiert, dass Noreik ihr Grundstück einzäunen will.

Insbesondere in Deutschland werden Tiny Houses oft kritisch gesehen. „Meist geht es darum, dass die Häuser den Ort verschandeln würden oder um Probleme beim Baurecht“, sagt Regine Schleier. Sie ist Vorsitzende des Tiny House Verbandes mit Sitz in Karlsruhe. Viele, die in den kleinen Häusern wohnen wollen, planen daher Siedlungen aus kleinen Häusern.

In Altheim stehen noch zwei Plätze bereit, neben Nicole Noreiks Tiny House. Die Nachbarn fürchten, dass eine Art Campingplatz entsteht. Nicole Noreik hat einen Stellplatz bereits vermietet. Noch im selben Jahr soll ein baugleiches Haus darauf stehen.

Winz-Häuser sind im Trend

Die Idee der kleinen Häuser stammt aus den USA. Wegen ihrer geringen Wohnfläche gelten sie als besonders energie- und platzsparend. In Deutschland gibt es laut dem Tiny House Verband bereits Dörfer in Bayern und Schleswig-Holstein, wo insgesamt 43 Häuser stehen. Auch in Baden-Württemberg ist im Schwarzwald-Baar-Kreis ein Wohnpark mit 20 Tiny Houses geplant.