Homeschooling Corona Kreis SHA: Schüler aus dem Haller Landkreis melden sich zu Wort
Paulina Kehl (18) Sozialwissenschaftliches Gymnasium Crailsheim,
Klasse 13
„In den Weihnachtsferien habe ich angefangen, mich auf das Abi vorzubereiten, deshalb lerne ich am Nachmittag für mich allein. Mir fehlt der Austausch mit meinen Mitschülern, aber ich lerne auch gerne allein und ohne Ablenkung. Positiv finde ich auch, dass wir mehr Möglichkeiten haben, mit den Lehrern in Kontakt zu treten. Allerdings ist man dadurch auch immer erreichbar und man muss ständig darauf achten, ob neue Infos oder Aufgaben da sind — was manchmal noch am Abend passiert. Das baut Druck auf.
Die Spannbreite, was das Engagement der Lehrer angeht, ist sehr groß. Manche reißen sich den Hintern für uns auf, um uns mit allem, was wir brauchen zu versorgen, alles schnell zu korrigieren und Feedback zu geben, andere schieben lieber alles auf den unklaren Zeitpunkt, wenn wir wieder Präsenzunterricht haben. Was das Abitur anbelangt, befinden wir uns gerade echt in der Schwebe. Es ist einfach so unklar, wie das laufen soll. Ich habe mehrere Petitionen unterschrieben, unter anderem für das Durchschnittsabitur mit freiwilliger Prüfung. Das finde ich sinnvoll. Die Zukunft nach dem Abitur blende ich noch völlig aus. Ich weiß, dass am 23. Juli Zeugnisübergabe sein soll, doch mit der Absage von Abiball und Abifahrt gibt es irgendwie kein Ziel mehr.“
Paula Giehl (18), Sibilla–Egen–Schule Schwäbisch Hall, Klasse 13
„Für mich als Abschlussschülerin ist der Schulausfall alles andere als erfreulich. Viele Lehrer haben inzwischen einen Plan entwickelt, um das Fernlernen durch Konferenzen und Lernvideos möglichst erfolgreich zu gestalten. Dies war zu Beginn des Schuljahrs noch anders. Als ich in Quarantäne musste, war die Organisation des Fernlernunterrichts für Quarantäneschüler noch nicht geregelt. Letztendlich habe ich aber immer noch das Gefühl, dass uns trotz der ganzen Bemühungen und Verbesserungen, bestimmtes Wissen nicht vermittelt werden kann. Diskussionen und Gespräche sind zum Beispiel online nur schwer umsetzbar.“
Luise Hönicke (16), Sibilla–Egen-
Schule Schwäbisch Hall, Klasse 10
„An unserer Schule nutzen wir Big–Blue–Button–Konferenzen. Diese finden zu den regulären Unterrichtszeiten statt. In der Theorie mag das effektiv klingen, doch in der Praxis sitze ich den ganzen Tag am Schreibtisch, bearbeite ,Hausaufgaben‘ und im Endeffekt ist die investierte Zeit weniger produktiv, da ich zu Hause länger brauche als in der Schule. Außerdem vermisse ich den persönlichen Kontakt zu meinen Mitschülern. Positive Aspekte der Fernlehre für mich sind lediglich die nicht stattfindenden Klassenarbeiten und der kurze Weg zum Mittagessen.“
Emely Schwarz (17), Gymnasium bei St. Michael Hall, Klasse 12
„Homeschooling, Kapitel Drei — das dachte ich, als klar war, dass die Schulen nach den Weihnachtsferien nicht öffnen werden. Wir werden in allen Fächer nach Stundenplan über Videokonferenzen unterrichtet. Ich komme mit dem Homeschooling klar, abgesehen von einigen kleinen Internet–Problemen. Über ‚Microsoft Teams‘ kann man sich wie im normalen Unterrichtsalltag melden und wenn der Lehrer einen aufruft, sagt man seine Antwort. Dadurch ist das Lernen vom Präsenzunterricht gar nicht mehr so weit entfernt und hat sogar Vorteile. Mir bleibt die lange Busfahrt von Ilshofen nach Hall erspart und ich kann später aufstehen. Einige meiner Stufenkameraden meinen, dass wir im Homeschooling durch Konferenzen und Aufgaben mehr als normal zu tun haben, doch ich finde, es ist zu bewältigen. Das einzige, was mich nervt, ist die andauernde Ungewissheit über Prüfungen, vor allem im Hinblick auf das Abitur. Einige haben erst am Vortag der Klausur erfahren, ob sie stattfindet, weil eine offizielle Anordnung vom Kultusministerium fehlte. Mittlerweile wissen wir aber zumindest, dass die Kommunikationsprüfungen wie geplant stattfinden werden – mit Maske und unter Einhaltung der Regeln.“
Axel Hägele (17) Schenk–von–Limpurg–Gymnasium Gaildorf (SvLG), Klasse 11
„Obwohl diese Situation für alle neu ist, geben alle ihr Bestes. Es kommt zwar noch zu kleineren technischen Störungen, allerdings ist unsere Schule hier allgemein sehr gut aufgestellt. Für die älteren Schüler ist die Selbstständigkeit durch die Videokonferenzen oft auch ein Vorteil, ich sehe hier eher ein Problem für die jüngeren Schüler. Trotzdem freue ich mich, wenn die Infektionszahlen wieder Präsenzunterricht zulassen, da ein ganzer Tag voller Videokonferenzen doch sehr anstrengend sein kann.“
Isik Yildiz (16), SvLG, Klasse 11
„Ich bin kein großer Fan vom Homeschooling. Man muss den Unterricht viel konzentrierter verfolgen, da man zu Hause leichter abgelenkt wird. Die Organisation der Arbeitsmaterialien, die wir von unseren Lehrern zugeschickt bekommen, endet für mich immer im kleinen Chaos. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber an die Situation und der Komfort, den man zu Hause hat, ist ein Pluspunkt. Außerdem geht es schließlich um unsere Sicherheit und die Eindämmung des Virus’.“
Sara Förstner (17), SvLG, Klasse 11
„Ich war nicht wirklich begeistert, als klar war, dass das Homeschooling wieder beginnt. Aber ich muss zugeben, dass ich positiv überrascht bin — vor allem, wenn ich an den ersten Lockdown denke. Wir haben jetzt in allen Fächern Videokonferenzen und die Lehrer geben sich große Mühe, dass alles funktioniert. Natürlich fällt es mir daheim schwerer, mich zu konzentrieren und immer voll dabei zu bleiben, aber ich gewöhne mich langsam daran. Wir machen alle das Beste aus der Situation, um hoffentlich so bald wie möglich wieder alle in der Schule sein zu können. Auch wenn ich nie gedacht hätte, dass ich mir das mal so sehr wünsche.“
Sulaiman (16), Sibilla–Egen–Schule, VABO–Klasse
„Ich komme aus dem Irak und lebe seit einem Jahr in Deutschland. Ich bin in der Klasse VABO an der Sibilla–Egen–Schule. Ich habe gerade viel Online–Unterricht, das ist sehr schwer für mich. Unsere Lehrerin hat uns auch einen Reader mit Übungsblättern geschickt. Seit ich in Deutschland bin, bin ich insgesamt 3 Monate in die Schule gegangen, sonst hatte ich keine Schule wegen dem Coronavirus.“
Maria (16), Sibilla–Egen–Schule, AV–dual
„Wir haben von der Schule einen Laptop ausgeliehen bekommen, wir arbeiten per E–Mail oder bekommen auch Blätter per Post. Ich komme eigentlich momentan echt gut zurecht, nur manchmal ist es etwas schwierig, da ich nur per E–Mail arbeite und falls ich Fragen habe, ist das ein bisschen kompliziert. Natürlich gibt es auch viele Vorteile, zum Beispiel ist man zu Hause im Warmen, und man kann auch ein bisschen später aufstehen. Zudem lernt man auch mehr Selbstständigkeit. Ich vermisse die ganzen Aktivitäten und das Einkaufen oder Busfahren ohne Masken. Auch bin ich etwas nervös wegen den Prüfungen, da wieder alles so kompliziert abläuft und ich einfach Angst habe, dass ich vieles nicht schaffe. Ich hoffe, ich kann bald wieder normal in die Schule gehen.“
Dorian (16), Sibilla–Egen–Schule, EG Klasse 11
„Corona — endlich keine Schule? Ein Gedanke, den anfangs sicherlich viele Schüler hatten. Mittlerweile steht für die meisten von ihnen, mich eingeschlossen, Online–Unterricht auf der Tagesordnung. Eine Umstellung, die uns allen viel abverlangt. Das Lernen wird computerlastig, die gewohnte persönliche Interaktion mit Lehrern und Mitschülern fehlt größtenteils. Auch die technische Komponente bereitet Schwierigkeiten, so sind Konferenzprogramme überlastet und nicht jeder Schüler hat das benötigte Equipment. Alles in allem hoffe ich, dass wir bald zum normalen Schulalltag zurückkehren können.“
Pia (15), Sibilla–Egen–Schule, 2BFH1
„Das Homeschooling geht eigentlich sehr gut voran, aber ich bin überfordert mit den vielen Aufgaben. Ich habe oft keinen Überblick mehr über meine Aufgaben. Sie zu erledigen kostet mich sehr viel Zeit und ich kann, nachdem ich meine Aufgaben erledigt habe, nicht mal mehr was Kleines unternehmen, weil meine Busverbindung sehr schlecht ist. Generell merke ich, dass mich der Lockdown belastet und dass ich überfordert bin. Ich wohne außerhalb von Hall, es ist ein kleines Dorf und dort gibt es gar nichts, was Jugendliche angeht, und ich habe dort auch keine Freunde, mit denen ich was machen kann. Ich versuche aber dennoch das Beste daraus zu machen, denn ich lasse mich nicht so leicht unterkriegen.“

