Zum Tode von Manfred Bumiller: Jungingen trauert um den „Battle“

Der Junginger Manfred Bumiller ist im Alter von 91 Jahren gestorben.
privat- Manfred Bumiller aus Jungingen starb am 1. August im Alter von 91 Jahren.
- Er war Musiker, Vereinsmensch und führte ein Raumausstattungsgeschäft.
- Bumiller spielte 43 Jahre im Musikverein und in der Band „Die Sieben Schwaben“.
- 1963 eröffnete er ein Geschäft für Polstermöbel, Vorhänge und Spielwaren.
- Er hinterlässt drei Kinder, zwei Enkelinnen und wird als bescheiden und liebevoll erinnert.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Junginger Manfred Bumiller ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Einen lesenswerten, persönlich gehaltenen Nachruf übersandte uns sein Sohn Matthias Bumiller, Graphiker und Autor mehrerer Bücher:
„Manfred Bumiller kam am 2. Januar 1934 als Sohn von Bartholomäus und Theresia Bumiller zur Welt. Seine Schwester Irene war sechs Jahre älter. Manfred wuchs in der Viehgasse in Jungingen auf und ging auf die hiesige Schule.
Linksaußen und treuer Musiker
Als Jugendlicher spielte er im Junginger Sportverein als Linksaußen Fußball. Von 1949 bis 1992 spielte er im Musikverein Eintracht Jungingen Tenorsaxophon. Eine Probe verpasste er so gut wie nie. Im Wohnzimmerschrank stehen 13 Römer-Gläser mit der Aufschrift ‚Für treuen Probenbesuch‘.
Tanzmusik mit den „Sieben Schwaben“
Bis Anfang der 1960er-Jahre spielte er außerdem in der Combo ‚Die Sieben Schwaben‘ Tanzmusik. Weil alle sieben Musiker nach und nach heirateten, hörten sie mit der Tanzmusik auf. 1996, nach über 35 Jahren Pause, fanden sich die pensionierten Musiker wieder zusammen und hatten bis 2011 viele Auftritte bei Festen und Feierlichkeiten. Sogar drei CDs wurden produziert.
Ein Ständchen zum 90. Geburtstag
2018 hörte Manfred mit Saxophonspielen auf. Die dritten Zähne würden ihm beim Spielen zu sehr kitzeln, sagte er. Sein Instrument übernahm inzwischen Enkelin Lina. Zu seinem 90. Geburtstag brachte ihm der Musikverein ein emotionales Ständchen. Alle hatten Tränen in den Augen, als das Junginger Lied gespielt und gesungen wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm die Ehrennadel in Gold mit Diamant verliehen.
Polsterer statt Feinmechaniker
Nach der Schulzeit wollte Manfred nicht – wie so viele in Jungingen – als Feinmechaniker in eine Fabrik, sondern lieber ein Handwerk lernen. In Betrieben in Hechingen, Stein und Balingen leistete er seine Gesellenjahre als Polsterer. Daneben ging er auf die Berufschule nach Hechingen. Schon mit 25 Jahren legte er in Stuttgart-Feuerbach die Meisterprüfung im Sattler-, Polsterer- und Dekorateur-Handwerk ab.
1959 Jahr heiratete er Rosalinde, geborene Schuler. Gemeinsam zogen sie zur Miete in das Haus, in dem heute die Junginger Apotheke ist. Dort hatten sie nicht nur eine kleine Wohnung, sondern auch ein winziges Ladengeschäft mit Schaufenster, in dem Polstermöbel und Gardinen ausgestellt waren. Manfred hat in den 1960er-Jahren für fast alle Einwohner Matratzen gemacht; damals noch dreiteilige. Viele Bodenbeläge wurden verkauft und verlegt: Stragula, Linoleum, PVC.
Die Wirtschaft „Zum Cive“ gekauft
1960 kam als erstes Kind ihr Sohn Lambert auf die Welt. 1962 kauften Manfred und Rosalinde die uralte Dorfwirtschaft ‚Zum Cive‘. Das Gebäude war so baufällig, dass es nur noch abgerissen werden konnte. An dessen Stelle wurde ein Haus mit Ladengeschäft gebaut. Im Juni 1963 war der Einzug der kleinen Familie und die Eröffnung des Ladens ‚Manfred Bumiller – Raumausstattung‘. Zentral und günstig an der Hauptstraße gelegen, mit der Metzgerei Herm gegenüber und bald dem Edeka-Laden von Heini und Irmgard Riester auf der anderen Straßenseite.
Matchbox-Autos und Puppen
Das Sortiment im Laden erweiterte sich stetig. Neben verschiedenen Bodenbelägen und Vorhängen konnte man auch Kinderwägen, Lederwaren, Kurzwaren, Strumpfhosen und Strümpfe, später auch Spielsachen kaufen. Wie viele Junginger Kinder standen vor dem Schaufenster und schauten nach den Matchbox-Autos oder den Puppen!
Gewissenhafter Handwerker
1964 kam der zweite Sohn Matthias, 1969 die Tochter Ilona auf die Welt. Während Rosalinde, gelernte Schneiderin, in der Werkstatt Vorhänge nähte und im Laden verkaufte, war Manfred in den Junginger Häusern und verlegte in den 70er- und 80-Jahren vor allem Teppichböden und brachte die Vorhänge an. Als Handwerker war er sehr gewissenhaft und geduldig.
Urlaub machten sie so gut wie nie. Erst 1973 fuhren die Familie für vier Tage nach Riezlern ins Kleine Walsertal. Am zweiten Tag rief die Oma an, wir sollen heimkommen, die Kirschen wären reif.
Sparsam wurde gelebt. In den 70er-Jahren ließ Manfred einen Firmenstempel machen. Dieser enthielt allerdings einen Schreibfehler: statt ‚Manfred‘ stand da ‚Manfed‘. Er wurde trotzdem jahrelang für die Geschäftspost verwendet.
2001 war Schluss mit dem Laden
Als Manfred 67 und Rosalinde 66 waren, schlossen sie an Ostern 2001 den kleinen Laden. Die Umstellung von der D-Mark auf den Euro wollten sie nicht mehr mitmachen.
Wir Kinder waren längst aus dem Haus. Vielleicht hatten Manfred und Rosalinde gehofft, einer von uns würde das Geschäft übernehmen, aber sie ließen uns unseren Weg gehen. Lambert wurde Musiker. Er lebt in St. Märgen im Schwarzwald und arbeitet als Pianist, Klavierpädagoge und Chorleiter. Matthias wurde Grafiker, macht Bücher und lebt in Stuttgart.
Stolzer Opa zweier Enkelinnen
Ilona wurde Krankengymnastin. Sie kam nach ihrer Ausbildung zurück nach Jungingen und arbeitet seither als Physiotherapeutin in Hechingen und Burladingen. 1999 brachte sie Lina und 2005 Lotte auf die Welt, die beiden Enkelinnen, auf die Manfred immer so stolz war. Die Hochzeit von Lina und Thomas durfte Manfred letzten Sommer noch erleben.
Manfred und Rosalindes liebste Freizeitbeschäftigung waren Spaziergänge und Wanderungen in Jungingens schöner Natur. Wie oft waren wir auf dem Köhlberg; unzählige Male beim Schillerdenkmal!
Vom Vater den Übernamen geerbt
Wir hatten alle geglaubt, Manfred würde älter werden, da er gute Anlagen zum Altwerden hatte. Seine Mutter Theresia wurde 95 Jahre alt, seine beiden Großväter Josef und Matthäus 92 beziehungsweise 95. Seine Großmutter mütterlicherseits Josepha wurde sogar 98 Jahre alt. Manfred erzählte immer mal wieder, wie er mit ihr kurz vor ihrem Ende ins Kreiskrankenhaus nach Hechingen fuhr. An der Rezeption mussten sie einen Anmeldebogen ausfüllen. Als sie beim Geburtsjahr ‚1874‘ angaben, meinte die Sekretärin: ‚Das kann nicht sein!‘. Nur Manfreds Vater Bartholomäus starb früh, mit 68 Jahren, kaum drei Wochen in Rente. Von ihm erbte Manfred seinen Übernamen ‚Battle‘, eine abgeschliffene Variante von ‚Bartle‘.
Die letzten drei Jahre wurden für ihn gesundheitlich immer schwieriger. Seine Tochter Ilona kümmerte sich in den letzten Monaten aufopferungsvoll um ihn. Jetzt ist er mit 91 Jahren gestorben. Manfred war ein ruhiger, bescheidener und gutmütiger Mann; ein ganz lieber Mensch. Wir trauern sehr um ihn.“

