Zum Tode von Gerhard Henzler
: Frankreich-Freund, beliebter Lehrer und streitbarer Kommunalpolitiker

Unerwartet gestorben ist am 9. Oktober 2026 einer der prägendsten Hechinger Kommunalpolitiker der jüngeren Vergangenheit: Gerhard Henzler, der 25 Jahre lang Ortsvorsteher von Sickingen war.
Von
Hardy Kromer
Hechingen/Sickingen
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Der langjährige Sickinger Ortsvorsteher Gerhard Henzler ist unerwartet im Alter von 79 Jahren gestorben.

Der langjährige Sickinger Ortsvorsteher Gerhard Henzler ist unerwartet im Alter von 79 Jahren gestorben.

privat
  • Gerhard Henzler starb am Freitag, 9. Oktober, im Alter von 79 Jahren unerwartet.
  • Er war 25 Jahre Ortsvorsteher von Sickingen und prägte den Stadtteil nachhaltig.
  • Frankophiler Lehrer am Gymnasium Hechingen: Austausch mit Joué-lès-Tours, Reisen nach Cornwall.
  • Politisch streitbar: Ausstieg aus der CDU, Mitgründung der Bürgerliste, Kampf gegen Nasswasen.
  • Familie, Schule und Vereine trauern – er galt als engagiert, beliebt und kompromissbereit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Frankreich war seine große Liebe, die Bretagne, wo man den Atlantik sieht und riecht, sein oft besuchter Sehnsuchtsort. Und so verwundert es wenig, dass Gerhard Henzler auch das letzte Wochenende vor seinem Tod in Deutschlands westlichem Nachbarland verbrachte – in diesem Fall in Hechingens französischer Partnerstadt Joué-lès-Tours, um den 90. Geburtstag einer Kollegin zu feiern.

Frankophiler Pädagoge

Selbst so alt zu werden, war dem frankophilen Pädagogen nicht vergönnt. Am Freitag, 9. Oktober, starb er im Alter von 79 Jahren. Um ihn trauern seine Ehefrau Beate, mit der er annähernd 53 Jahre lang verheiratet war, seine drei Kinder, fünf Enkelkinder und viele Freunde und ehemalige Kollegen, die den geselligen und humorvollen Sickinger kannten und schätzten.

Aktiv im Joué-Komitee

Die Spuren, die der gebürtige Stuttgarter in seiner hohenzollerischen Wahlheimat hinterlassen hat, sind tief und vielfältig. Die Pflege der deutsch-französischen Freundschaft war eines von Gerhard Henzlers Steckenpferden. Im Komitee, das die Städtepartnerschaft Hechingens mit Joué-lès-Tours managt, war er lange Jahre, bis 2023, ein Aktivposten. Auch am Gymnasium Hechingen, wo er – von 1972 bis 2011 – Englisch, Französisch und Italienisch unterrichtete, organisierte er die Schüleraustausche mit Joué  – und darüber hinaus Studienfahrten nach Cornwall und Begegnungen mit Italien. Gerhard Henzler lebte den europäischen Gedanken zeitlebens.

So sehr er auf diesem Feld auf Dialog und Austausch setzte, so freundlich, zugewandt, verständnisvoll und beliebt er als Lehrer war – als Kommunalpolitiker zeichnete sich Gerhard Henzler eher durch hartnäckige Streitbarkeit aus. Im Hechinger Gemeinderat, in den er erstmals 1989 als Mitglied der CDU-Fraktion einzog, brach er im erbitterten Zoff um die Erschließung des Gewerbegebiets Nasswasen auf Sickinger Gemarkung mit den etablierten Kräften und gründete zusammen mit Holger Paulsen und Friedrich-Christian Boll die parteiunabhängige Bürgerliste, mit der er 1999 nach fünfjähriger Unterbrechung ins Stadtparlament zurückkehrte. Als aktives Mitglied der Bürgerinitiative kämpfte er viele Jahre lang so leidenschaftlich wie vergeblich gegen die Nasswasen-Bebauung – und blickte noch im Alter mit einigem Verdruss auf die zersiedelte Landschaft entlang der B 27 hinab.

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25 Jahre lang Ortsvorsteher von Sickingen

Als jene Auseinandersetzung hitzig ausgefochten wurde, war Gerhard Henzler bereits Sickinger Ortsvorsteher. 1994 wurde er erstmals zum Oberhaupt des Stadtteils unterm Wasserturm gewählt. Von 1999 bis 2004 erlebte er vor dem Hintergrund der Nasswasen-Debatten das Unikum, dass er sein Amt kommissarisch ausführen musste, weil ihm zwar seine Sickinger das Vertrauen ausgesprochen, die Stadträte aber die Wahl verweigert hatten. Gerhard Henzler gab den unbeugsamen Gallier im Römerreich.

Höchster Respekt von allen Seiten

Und seine Standhaftigkeit lohnte sich: Ab 2004 und noch bis 2019 war Henzler wieder gewählter und auch in Hechingen anerkannter Sickinger Ortsvorsteher, insgesamt damit ein Vierteljahrhundert lang. Als er 2019 mit der Ehrennadel des Gemeindetages verabschiedet wurde, waren die alten Grabenkämpfe kaum noch ein Thema. Allseits wurde dem langjährigen Dorfoberhaupt höchster Respekt dafür gezollt, wie hartnäckig und doch auch immer kompromissbereit er für Sickingen gekämpft und dem Stadtteil seinen Stempel aufgedrückt hat. Die Sicherung des Schulstandortes, die Erweiterung des Kindergartens, die Erschließung von Baugebieten, die Pflege dörflicher Traditionen – vieles, was Sickingen heute ausmacht, trägt Gerhard Henzlers Handschrift.

Im Vereinsleben war Henzler ebenfalls sehr engagiert. Er war Mitglied der Sportfreunde und der Erdmännle Sickingen, der Stadtkapelle Hechingen und des Fördervereins Villa Eugenia.

Auch die Schulgemeinschaft trauert

Auch die Schulgemeinschaft des Hechinger Gymnasiums hat ihre Trauer um den langjährigen Kollegen ausgedrückt. „Mit ihm geht ein vielseitiger, engagierter und allseits geschätzter Pädagoge, der das Schulleben über Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt hat“, heißt es im Nachruf der Schule. Gewürdigt werden Henzlers Verdienste um die Völkerverständigung und den internationalen Austausch. Die Schulgemeinschaft werde Gerhard Henzler „als engagierten Lehrer, geschätzten Kollegen und warmherzigen Menschen in guter Erinnerung behalten“.