Bereits seit mehreren Jahren war der Verstorbene ans Bett gefesselt. Sein Tod jedoch kam trotzdem für alle sehr unerwartet. Einen Tag zuvor war er ins Zollernalb Klinikum eingeliefert worden. Nach dem Genuss seiner letzten Nudelsuppe war er nicht mehr aus seinem Mittagsschlaf aufgewacht.

Die fürstliche Post!

Valentin Beiter wurde am 17. April 1934 in Rangendingen geboren. 45 Jahre lang arbeitete er bei der Deutschen Post. In seiner Zeit als Landzusteller in Hechingen war er unter anderem für die fürstliche Post auf dem Zoller zuständig. Mit zu seinen schönsten Erinnerungen aus seinem reichen Anekdotenschatz dieser Jahre waren die täglichen Botengänge hinauf auf die Burg Hohenzollern Mitte der 1950er-Jahre. Bei Wind und Wetter brachte er täglich Briefe und Pakete hinauf auf den Zollerberg – und das noch mit dem eigens dafür gekauften Fahrrad oder zu Fuß!

Luxus mit dem Motorrad

Erst später genoss er den Luxus, mit dem Postmotorrad die gut 300 Höhenmeter zu bewältigen. Als Belohnung wurde er ab und zu vom damaligen Burgherrn Louis Ferdinand Prinz von Preußen zu einem Frühstück eingeladen, wie er gern erzählte.

Der Dieb!

Unvergesslich blieb ihm der Juwelenraub auf der Burg, hatte der damals 19-Jährige doch den Dieb der preußischen Kronjuwelen bei seinem täglichen Marsch auf dem Parkplatz angetroffen. „Ein bisschen komisch ist der mir schon vorgekommen“, hatte er seinerzeit bei der Polizei zu Protokoll gegeben.

Doch kein Zimmerer

Eigentlich hatte er wie der Ehne, in Rangendingen der „Zimmermann-Välle“ genannt, Zimmerer werden wollen. Doch  als 14-Jähriger war er seinem Lehrmeister noch „z‘greng“ für diesen schweren Beruf. Und so landete der Verstorbene beim „Pfister-Max“, dem Nachbarn seiner Eltern und Betreiber der Poststelle in Rangendingen, sodass der junge Valentin nun Briefe in seiner Heimatgemeinde austrug.

45 Jahre im Beamtendienst

Mit 19 wechselte er nach Hechingen. Dort wechselte er vom Briefträger zum Paketzusteller und wurde später Überlandfahrer – im Dreischichtbetrieb fuhr er die Hechinger Post nach Stuttgart und brachte die Pakete und Briefe in die Zollernstadt. Bis zu seiner Pensionierung nach 45 Jahren Beamtendienst setzte er sich viele Jahre im Personalrat der Post in Hechingen und  später auch in Balingen für die Mitarbeiter ein.

Drei Kinder, fünf Enkel

Das Leben Valentin Beiters spielte sich stets in seiner Heimatgemeinde ab. Fünf Söhne hatten seine Eltern Adolf und Franziska Beiter. Der „Valledien“, wie ihn die Mutter rief, kam am 17. April 1934 zur Welt. 1957 heiratete er Maria Magdalena Henle aus Stetten. Ein Jahr später stockte das Paar zusammen mit der „Dott“ des Jubilars das spätere Eigenheim in der Hirrlinger Straße auf. Drei Kinder erblickten dort das Licht der Welt. Große Freude bereiteten Opa Välle die Besuche seiner fünf Enkelkinder.

Ehrenvorsitzender der Fischer

Valentin Beiter war Gründungsmitglied der DLRG-Ortsgruppe Rangendingen. Außerdem war er als Gründungsmitglied mit dabei, als aus der Fischergemeinschaft der Fischereiverein hervorging. Von Beginn an war er mehrere Jahrzehnte lang Vorsitzender der Fischer, von denen er zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde.
Der Verstorbene war stets ein lebenslustiger und geselliger Mensch und ein stimmsicherer Sänger, der bis zum Verlust seiner Gehfähigkeit rege am Leben seiner Heimatgemeinde teilnahm. Seine vier von ihm bepflanzten Baumgütle und der jährlich gepflegte Krautgarten auf der „Aub“ lagen ihm immer am Herzen.

Immer mit Humor

Doch auch wenn vieles nicht mehr möglich war für den jetzt so plötzlich Verstorbenen: Seinen Lebensmut, seine Gelassenheit und vor allem seinen Humor und die ihm eigene Bescheidenheit hatte der Rangendinger bis zum letzten Tag nicht verloren. Seine Tochter verabschiedete er nach seinem letzten Mittagstisch mit den Worten aus dem Balinger Krankenhaus: „Saischt Griaß dahomm.“