Zollernalbkreis ordnet Busverkehr neu: Überraschung: Wiest + Schürmann und HzL sind raus

Wiest + Schürmann-Busse werden in und um Hechingen etwas seltener: Die Buslinien nach Bisingen, Grosselfingen, Balingen und Bodelshausen betreiben ab Juni 2021 nicht mehr die Hechinger Verkehrsbetriebe, sondern die Firma Klumpp aus Baiersbronn.⇥
Hardy KromerDas muss man einen herben Schlag für die Firma Wiest + Schürmann nennen: Bei der Neuausschreibung einiger regionaler Buslinien durch den Landkreis kamen die Hechinger Verkehrsbetriebe (HVB) erstmals nicht mehr zum Zuge. Die aus der Zollernstadt „ausbrechenden“ Linien nach Bisingen (305), Grosselfingen (307 über Weilheim) und Bodelshausen (7617) sowie die parallel zur Bahnstrecke führende Linie 7614 nach Balingen und Ebingen wird ab Juni 2021 und dann zehn Jahre lang das Baiersbronner Busunternehmen Klumpp betreiben.
Ein komplettes Novum
Und das ist ein komplettes Novum. Seit es die besagten Buslinien gibt, weiß man im Balinger Landratsamt, ist darauf nie ein anderes Unternehmen gefahren als die Hechinger Verkehrsbetriebe. Doch deren Angebot war bei der jüngsten Ausschreibung eben zu teuer.
Stadtverkehr ist nicht betroffen
Von der Neuvergabe auf Landkreisebene nicht betroffen ist wohlgemerkt der Hechinger Stadtverkehr. Dessen Linien betreibt Wiest + Schürmann weiterhin im Auftrag der Stadt. Und auch der Pendelverkehr zur Burg Hohenzollern bleibt unangetastet in HVB-Regie.
Veränderungen gibt es – in diesem Fall ab August 2021 – auch im Haigerlocher Raum. Dort, wo sich bisher die SWEG-Tochter Hohenzollerische Landesbahn (HzL), das Trillfinger Busunternehmen Sidler und die DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee (RAB) den Kuchen aufgeteilt haben, wird künftig ausschließlich die RAB unterwegs sein.
Rochade rund um Haigerloch
Das große Ulmer Nahverkehrsunternehmen gewann die Ausschreibung für die Linienbündel Haigerloch/Nord und Rosenfeld-Haigerloch. Konkret heißt das, dass die RAB-Busse künftig auch die jetzigen HzL-Linien 10 (Horb-Haigerloch-Rangendingen-Hechingen) und 11 (Haigerloch-Mühringen-Eyach) und die bisherige Sidler-Linie 19 (Haigerloch-Weildorf) bedienen werden.
Mehr Kontinuität gibt es im Raum Schömberg, wo auch künftig die Balinger Firma Maas fahren wird. In Meßstetten erhielt die Albstädter Firma Willy Kopp, eine Maas-Tochter, den alleinigen Zuschlag. Hier hat die Firma Beck vom Großen Heuberg, die bisher noch mit im Boot war, das Nachsehen.
Neuland mit Ausschreibung von „Linienbündeln“
Mit der europaweiten Ausschreibung von fünf sogenannten Linienbündeln hat der Zollernalbkreis komplettes Neuland betreten, sagt Hardy Losekamm, der Leiter der Verkehrsbehörde im Landratsamt. Damit sollte gewährleistet werden, dass sich die Verkehrsunternehmen im Bewerbungsfahren nicht ausschließlich auf die lukrativen Linien stürzen und die ertragsschwächeren Verbindungen wie Ladenhüter übrig bleiben. Außerdem erhoffte man sich Synergieeffekte durch die Bündelung einzelner Linien.
Schutz für den Mittelstand
Hätte der Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik, der die Aufträge am Montagabend einstimmig an die genannten Unternehmen vergab, allein den günstigsten Angebotspreis als Maßstab genommen, dann hätte die „große“ DB-Regio-Tochter RAB alle fünf Ausschreibungen gewonnen. Der Kreistag hatte jedoch noch eine Reihe weiterer Kriterien aufgestellt, um den regional mittelständischen Unternehmen eine faire Chance im Wettbewerb zu geben. So hatten die Kommunalpolitiker fixiert, dass nicht mehr als zwei Linienbündel an ein und denselben Anbieter gehen dürfen. Auf diese Weise kam die RAB nur bei den beiden Haigerlocher Paketen zum Zuge.
Weitere Schutzklauseln haben mit Umwelt- und Sozialstandards zu tun. So machte der Kreistag die Tarifbindung bei Löhnen und Gehältern ebenso zur Bedingung wie das Alter der Fahrzeugflotte (die Busse dürfen im Schnitt nicht älter als acht Jahre sein), die Einhaltung von Umweltstandards und barrierefreie Zugänge. Bonuspunkte im Vergabeverfahren gab es auch, wenn die Busse in einer schützenden Werkshalle stehen.
Klumpp braucht Betriebshof in Hechingen
„Diese Wertungskriterien“, schreibt das Landratsamt in seiner Bilanz der Ausschreibung, „haben ihren Zweck erfüllt und sich in der gewünschten Weise auf das Zuschlagsergebnis ausgewirkt“. Den im Markt gut etablierten Hechinger Verkehrsbetrieben, seit vielen Jahren als verlässlicher Partner des Landkreises anerkannt, hat der Heimvorteil (was den vorhandenen Betriebshof anbelangt) freilich nichts gebracht. Die Preisdifferenz zur Konkurrenz aus dem Nordschwarzwald war einfach zu groß.
Das Busunternehmen Klumpp aus Baiersbronn, das künftig die Stadt Hechingen mit ihrem südlichen und nördlichen Umland verbinden wird, bringt seine Referenzen vor allem aus dem Kreis Freudenstadt mit. Unter anderem betreibt Klumpp Buslinien auf der Schwarzwaldhochstraße und zwischen Freudenstadt, Baiersbronn und Tonbach. In Hechingen wird die Firma Klumpp künftig einen eigenen Betriebshof unterhalten müssen. Wo das sein wird, steht noch nicht fest. Vom Landkreis vorgeschrieben ist die örtliche Präsenz aber. Schließlich wäre es aus ökologischen Gründen nicht vertretbar, dass jeder eingesetzte Bus täglich von Baiersbronn aus anfährt. Festgeschrieben ist ein Anfahrtsweg zur Linie von maximal fünf Minuten. Außerdem dürfen die Busse nicht im öffentlichen Verkehrsraum geparkt werden.
Mehrkosten von knapp 2 Millionen Euro
Der Landkreis lässt sich sein neues Nahverkehrskonzept 1,94 Millionen Euro jährlich mehr kosten als bisher. Verkehrsamtsleiter Hardy Losekamm verspricht dafür eine „wesentliche Attraktivitätssteigerung“ durch ein „breiteres Angebot auf allen Linien“.
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Nichts ändert sich einstweilen im Osten des Zollernalbkreises, etwa im Killertal und auf der Burladinger Alb, wo der Vertrag mit der Hohenzollerischen Landesbahn noch ein paar Jahre läuft, und im Raum Albstadt, wo die RAB weiterhin unterwegs ist.
