Wolfgang Grupp vor seinem 82. Geburtstag
: „Das Fräulein gibt es nicht mehr. Das ist sehr schade“

Am 4. April wird der Burladinger Unternehmer Wolfgang Grupp 82. Noch immer schwimmt er jeden Morgen in seinem Pool, legt Wert auf Fitness und Attraktivität – und spricht in jeder Lebenslage Klartext.
Von
swp
Burladingen
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Wolfgang Grupp mit seiner Frau Elisabeth: Auch am Ende seines 82. Lebensjahres ist der Burladinger Textilunternehmer um flotte Sprüche nicht verlegen.

dpa/Felix Kästle

Am kommenden Donnerstag, 4. April 2024, wird Wolfgang Grupp 82 Jahre alt. Es ist sein erster Geburtstag, nachdem er die Führung seiner Textilfirma Trigema in Burladingen (Zollernalbkreis) an seine beiden Kinder abgegeben hat. In seinem Alltagsleben habe sich aber fast nichts verändert, seit er „nur noch“ Seniorchef ist, sagte er jetzt in einem Interview mit der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (NHA) in Kassel.

Was hat sich geändert? „Ich gehe später in die Firma“

Geändert habe sich allein, dass er am Morgen später in die Firma gehe. Grupp: „Statt um 6 Uhr stehe ich um 7 auf. Danach brauche ich noch zwei Stunden. Ich schwimme jeden Morgen im Freien, auch wenn es regnet oder schneit.“ Der Trigema-Seniorchef hat im Garten seines Wohnhauses einen annähernd 50 Meter langen Pool, der einem Fluss ähnelt.

„Das Fräulein gibt es nicht mehr. Das ist sehr schade“

Das Schwimmen am Morgen könnte ein Grund dafür sein, dass Wolfgang Grupp auch mit annähernd 82 Jahren noch megafit wirkt. Er erklärt, er habe sich in seinem Leben immer eine gewisse Disziplin abgenötigt. Für die Ernährung gilt das ebenso wie für den Sport. Grupp lässt anklingen, dass seine Beweggründe auch mit dem anderen Geschlecht zu tun haben: „Sehen Sie: Ich war 46 Jahre Junggeselle. Meine Frau sollte aber um die 20 sein. Ich musste also mit Mitte 40 den jungen Damen imponieren. Die wollen ja eine gewisse Attraktivität. Den Damen habe ich immer so bald wie möglich klargemacht, dass ich reiner Junggeselle bin. Sie sollten nicht denken, dass ich schon einmal verheiratet war und Kinder habe. Wir Junggesellen haben immer die Fräuleins bevorzugt. Heute wollen alle nur noch mit Frau angesprochen werden. Das Fräulein gibt es nicht mehr. Das ist sehr schade.“

Dass Wolfgang Grupp gegenüber seiner 24 Jahre jüngeren Frau Elisabeth, mit der er seit 1988 verheiratet ist, ganz Galan ist, machte er bei dem Gespräch ebenfalls deutlich. Die Journalisten wollte wissen, wieso er zu der Veranstaltung „Nordhessen-Champions“ im Kasseler Filmpalast nicht mit dem bekannten Trigema-Hubschrauber angereist sei. Grupps Antwort: „Manchmal nehme ich den Hubschrauber. Das geht bei Abendterminen aber nur, wenn wir nachts noch starten können. In diesem Fall war es so, dass meine Frau einen geschäftlichen Termin im Bayerischen Wald hatte. Da gibt es dann keine Diskussionen. Darum bin ich fünf Stunden mit dem Auto angereist.“

König von Burladingen? „Eine gesponnene Geschichte“

Aus nordhessischer Perspektive interessierte es offenbar auch brennend, wie man sich als „König von Burladingen“ fühlt. Auch dazu sprach Wolfgang Grupp Klartext: „Das ist eine gesponnene Geschichte. Früher gab es in Burladingen 26 Textilfabrikanten. Jeder hat versucht, dem anderen Aufträge wegzunehmen. Alle wollten sie bei Kaufhof, Karstadt und Quelle Lieferant sein. Dann haben diese Könige die Preise gedrückt und meine Kollegen haben nachgegeben. Ich habe dagegen Nein gesagt. Meine Kollegen meinten, sie hätten mir die Aufträge weggenommen. Das war aber nicht so, denn ich musste auf die Aufträge verzichten, um weiterhin am Standort Deutschland profitabel zu sein. Meine Kollegen sind alle Konkurs gegangen, nur Trigema ist übrig geblieben. Deshalb wird natürlich öfters vom König von Burladingen gesprochen.“

Grupp über die Rezepte seines Erfolges

Andere Burladinger Textilunternehmer sind ebenso in die Insolvenz gegangen wie die großen Warenhausketten. Wolfgang Grupp betont auch im hohen Alter bei jeder Gelegenheit sein Erfolgsrezept: „Pessimismus bringt einem nichts. Wer sagt, er habe ein großes Problem, ist meiner Meinung nach schon ein Versager, denn jedes große Problem war klein. Hätte man es als kleines gelöst, dann hätte man kein großes. Ich habe stets versucht, nicht über Probleme zu sprechen, sondern sie zu lösen, egal ob New-Economy-Krise oder Pandemie.“

„Nie über Verlagerung ins Ausland nachgedacht“

Wichtig, so Grupp, sei auch, die Produktionsarbeitsplätze in Deutschland aufrechtzuerhalten. Deshalb habe er auch noch nie über eine Verlagerung ins Ausland nachgedacht.

„Den Krieg mit Russland nicht verstanden“

Und noch etwas betont der Burladinger: Dauerhafter Streit bringt niemanden weiter. Grupp: „Man gibt sich die Hand, der Fall ist erledigt. So habe ich auch den Krieg mit Russland nicht verstanden. 20 Jahre haben wir positiv zusammengearbeitet, plötzlich waren wir Todfeinde. Da muss irgendetwas vorgefallen sein.“ Und weil er sich mit dem Krieg nicht abfinden wollte, hat Grupp auch das „Manifest für den Frieden“ von Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer für einen Waffenstillstand in der Ukraine unterzeichnet.

Wolfgang Grupp polarisiert gerne. Und fest steht: Auch wenn kurz nach dem Osterfest sein 83. Lebensjahr beginnt, wird der schillernde Unternehmer nicht von der Bildfläche der Öffentlichkeit verschwinden – und bei jeder Gelegenheit sein Mantra vertreten, dass die persönliche Unternehmerhaftung das A und O verantwortlichen Handelns in der Wirtschaft ist – und vom Steuergesetzgeber entsprechend honoriert werden müsste.