Wasserfontänen in Boll: Es plätschert seltener, weil sich die Nachbarn beschweren

Wenn es knallig heiß ist im Sommer, kann in Boll das private Planschbecken im Keller bleiben: Der Nachwuchs vergnügt sich auf dem Dorfplatz an den Wasserfontänen. Dabei kann es auch mal lauter werden.
Archiv- In Hechingen-Boll sorgen Wasserfontänen auf dem Dorfplatz für Kinderfreude, aber auch Lärm.
- Anwohner beschweren sich über die Lautstärke, weswegen die Fontänenzeiten eingeschränkt wurden.
- Neue Regelung: Betrieb nur nachmittags von 14 bis 18 Uhr, mit 15-minütigen Pausen alle 45 Minuten.
- Ein Hinweisschild wird vermieden, stattdessen wird auf Ruhezeiten im Nachrichtenblatt hingewiesen.
- Der Kompromiss soll Kinder und Nachbarn gleichermaßen zufriedenstellen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Sollte die Steinlachtal-Gemeinde Dußlingen das Vorbild für die halbe Region sein? Gemeint ist nicht der lärmerlösende Tunnel der B 27, sondern der Rathausvorplatz. Der ist ganz in der immer noch beliebten Unsitte der Granitsteine in Masse gestaltet – aber mit etlichen Wasserfontänen auf einem Teil der naturfremden Fläche. Und dort tummeln sich an ausgewählten Hitzetagen zahlreiche Familien mit Kleinkindern. Dußlingen hat zwar kein Freibad, aber für unterhaltsame Abkühlung ist gesorgt. Und weil direkt gegenüber der Wasserspiele der Bahnhof ist, dürfte die Szenerie durchaus bekannt geworden sein.
Hechingen hat die Fontänen mit dem neu gestalteten Obertorplatz ebenfalls bekommen. Weil's die gute Stube der Oberstadt ist, haben Stadt und Gemeinderat noch eins draufgelegt, keine Kosten gescheut, und die Wasserspiele farblich ausgestaltet. Auch wenn man die riesige Fläche aus chinesischem Granit eher nachdenklich betrachten mag: Wenn's dunkelt, und das Wasser in allen Farben sprutzelt, das hat schon was.
Was die Kernstadt hat, hat auch Boll bekommen. Der zweitgrößte Hechinger Stadtteil hat seinen gleichfalls mithilfe von Granitsteinen neu gestalteten Dorfplatz ebenfalls mit Fontänen garniert. Und wie in Dußlingen und Hechingen ziehen die Bollemer Wasserspiele die Kinderlein ziemlich magisch an. Die Folgen sind im Württembergischen wie im Hohenzollerischen identisch: Wo man sich freut, wird es mitunter laut. Das ist am Obertorplatz wegen der nahezu fehlenden Wohnnachbarschaft so bedeutend offenbar nicht. Halt, das Glockenspiel, das angeht, wenn man es mit Füßen tritt, hat merkliche Pausen bekommen beziehungsweise ist inzwischen gar nicht mehr zu hören.
In Boll allerdings wird direkt am Dorfplatz gewohnt. Leerstehende Gebäude im Zentrum gibt es in diesem Stadtteil so gut wie keine. Gut so! Allerdings gehen den Nachbarn, manchen, offenkundig nicht allen, die lärmenden Kinder aufs Gemüt. Das mag man als kinderfeindlich bezeichnen. Allerdings sollte man immer beide Seiten betrachten, und Lärm, egal, wie er zustande kommt, kann gesundheitsschädlich sein (Leserbriefe dazu bitte an die bekannte Adresse).
Der Bollemer Kompromiss
In Boll versucht man es unter der bewährten Regie von Ortsvorsteherin Meta Staudt im Ortschaftsrat jetzt mit einem Kompromiss: Die einen sollen weiterhin ihr Vergnügen, die andere zumindest teilweise ihre Ruhe. Grundsätzlich kann man auf den Kalender schauen und sich ausmalen, dass Duschen im Freien in Bälde sowieso kein Thema mehr sein wird. Aber ja, der nächste Sommer kommt bestimmt.
Vormittags geht gar nix
Die letzten heißen Tage des Jahres werden im Hechinger Stadtteil die Fontänen vormittags abgeschaltet bleiben. Nachmittags, genauer, von 14 bis 18 Uhr, sind Unterbrechungen programmiert: Alle 45 Minuten soll eine Viertelstunde lang nichts sprutzeln.
Nicht auch noch ein Schild
Das offenbar geforderte Hinweisschild, doch tunlichst leiser zu sein und auf die Nachbarn Rücksicht zu nehmen, schenkt sich der Ortschaftsrat allerdings. Das wäre dann wohl doch zu sehr in Richtung kinder- und familienfeindlich. Im Nachrichtenblatt wird stattdessen ein weiteres Mal auf die Ruhezeiten beim Dorfplatz verwiesen – und die Anwohner sind bereits persönlich informiert worden. Das nennt man dann kluge Vorwärtsverteidigung.

