Waldmanagement in Rangendingen: So viel altes Holz: Räumt denn niemand mehr auf?!

Früher wäre das vielleicht trockengelegt worden. Geht ja nicht, so ein kleiner See im gepflegten Wald. Von wegen! Viele neue Lebensräume bringt das klimaangepasste Waldmanagement für die verschiedensten Tierarten mit sich. Darüber hinaus hat so ein Tümpel noch weitere positive Effekte aufs (Wald-)Klima.
Christian Steinhilber- Rangendingen Gemeinderat informiert sich über klimaangepasstes Waldmanagement.
- Fokus auf Naturschutz, Förderung von 54.000 Euro erhalten.
- Erhalt von Habitatbäumen und naturbelassenen Flächen.
- Neue Lebensräume für Tiere durch Rückhaltebecken.
- Nachhaltige Forstwirtschaft sichert Zukunft und Biodiversität.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Was um alles in der Welt erzählt man Kommunalpolitikern Jahr für Jahr beim traditionellen Waldrundgang? In Rangendingen hat man einmal mehr das sogenannte Waldmanagement gewählt. Das kann man nicht oft genug thematisieren. Und es gibt ja auch dieses Bundesförderprogramm. Revierleiter Gabriel Werner hatte dafür vor Ort einige Info-Stationen vorbereitet. Seit 2023 wird das Vorhaben umgesetzt, und die Gemeinde erhält seither auch Fördergelder.
Das Waldmanagement dient hauptsächlich dem Naturschutz. Der Zuschuss wird anhand der Waldfläche berechnet. Die ergibt für Rangendingen 54.000 Euro. Besonders hervorzuheben ist, dass es im Gemeindewald keine größeren Hürden darstellte, die Kriterien zur Förderung zu erfüllen. Es geht beispielsweise darum, pro Hektar fünf Habitatbäume zu erhalten oder fünf Prozent der Waldfläche nicht zu bewirtschaften und diese naturbelassen zu erhalten. Zweiteres ist vor allem an den Hängen zum Starzeltal ohnehin der Fall, da eine Bewirtschaftung in den Steillagen teuer und aufwendig ist. Bei Habitatbäumen handelt es sich um Bäume, die besondere Strukturen für Lebensräume verschiedenster Lebewesen aufweisen: Faulstellen, Risse, Hohlstellen und vieles mehr.
Keine Chemie im Wald!
Diese Kriterien werden auch stichprobenartig kontrolliert und dann zertifiziert, unter anderem durch das „Forest Stewardship Council“. So auch die Vorverjüngung von Waldflächen mit Naturverjüngung. Diese greifen auch Borkenkäferschäden vor und sind daher sowieso gern genutzt. Ein weiteres Kriterium ist der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel. Als „Belohnung, wie man den Wald in den letzten Jahrzehnten behandelt hat“, ist die Förderung anzusehen, da in Rangendingen schon immer nachhaltig im Forst gehandelt wurde und dieser nie nur als reines Wirtschaftsobjekt behandelt wurde.

Revierleiter Gabriel Werner mit dem Plan in der Hand. Der Rangendinger Forstrevierleiter weiß bestens Bescheid und klärte die Gemeinderätinnen und -räte über das klimaangepasste Waldmanagement auf.
Christian SteinhilberTief im Wald, mehrere hundert Meter einen Steilhang zum Mönchsgraben hinab, machten sich die Rätinnen und Räte ein Bild von einer Stilllegungsfläche. Diese wurde zuletzt vor rund zehn Jahren mithilfe einer Seilbahn bewirtschaftet. Die dort stehen gebliebenen Bäume im 170-jährigen Eichenbestand in Südausrichtung und mit sandigem, trockenem Boden haben einen hohen ökologischen Wert. Darauf ging der Forstprofi in einem Frage-Antwort-Spiel näher ein. Extrem viel Totholz bindet zum einen viel Kohlenstoffdioxid, zum anderen bildet sich darauf Humus, und der bietet verschiedensten Lebensformen einen Lebensraum. Somit ergibt sich das Bild eines besonders urigen Waldes.
Gleich drei Fledermausarten
Dieser bietet Heimat für mindestens drei kartierte Arten von Fledermäusen, den Hirschkäfer und Spechte. Zu entdecken ist zudem die seltene Baumart der Elsbeere, die sich mit Trockenheit und Hitze weniger schwertut. Auch wenn das feuchtere Jahr 2024 durchaus etwas zur Erholung beitrug, versicherte der hinzugestoßene Christian Beck, Forstamtsleiter des Zollernalbkreises, ist die zukünftige Dimension der Elsbeere im Vergleich zur Eiche, wenn’s heißer und trockener wird, zu beachten.
Rückhaltebecken, also Tümpel
Fünf Rückhaltepunkten sind im Rangendinger Wald neu angelegt worden. Diese sollen der Trockenheit, welche Borkenkäferbefall und Tannensterben nach sich zieht, vorbeugen. Ein Schaubild erläuterte, dass die Niederschläge seit 2017 in der Vegetationsperiode unterdurchschnittlich sind, die Temperatur dafür aber über dem Mittel liegt. Daher wurden zu Jahresbeginn an mehreren Stellen kleine Gräben und Teiche angelegt, damit das Wasser im Wald bleibt. Dadurch soll sich auch der Grundwasserstand erholen. Die Kosten lagen, da Gerätschaften und Arbeiter schon vor Ort waren, bei rund 1.000 Euro.
Eine Unke lässt aufhorchen
Darüber hinaus bieten auch diese Maßnahmen wieder Lebensräume für bedrohte und seltene Arten, beispielsweise unter den Amphibien wie dem Feuersalamander und den Unken, welche gut an Ort und Stelle zu hören waren. Was vom Erfolg der Maßnahme zeugt.
Bürgermeister blickt voraus
Dass die Schwammfunktion und das Wasser in Zukunft ein Thema sind, das den Gemeinderat bei vielen Projekten begleiten werden, warf Bürgermeister Manfred Haug ein. Damit die Versorgung über das Wasserwerk in Bietenhausen gewährleistet wird, müsse auf die Schutzgebiete geachtet werden. Forstamtsleiter Christian Beck stieß ins selbe Horn: Wasser müsse schnell weg von den Waldwegen, um diese nicht zu beschädigen, und dann müsse es aber unbedingt im Wald gehalten werden.
