Von internationaler Bedeutung
: Rangendinger Wildkrautäcker werden Naturschutzgebiet – was das bedeutet

Das Rangendinger Ackerwildkrautgebiet gilt als landesweit einzigartig. Das Regierungspräsidium Tübingen will die Wiesen jetzt dauerhaft unter Schutz stellen. Wo sich Bürgerinnen und Bürger informieren können...
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red/hy
Rangendingen
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Landesweit einzigartig ist das Ackerwildkrautgebiet bei Rangendingen. Jetzt will das Regierungspräsidium für dauerhaften Schutz sorgen.

Landesweit einzigartig ist das Ackerwildkrautgebiet bei Rangendingen. Jetzt will das Regierungspräsidium für dauerhaften Schutz sorgen.

Sigrid Pohl
  • Regierungspräsidium Tübingen plant NSG „Rangendinger Wildkrautäcker“ und leitet Auslegung ein.
  • Unterlagen liegen 6. Juli 2026 bis 6. August 2026 aus – Einsicht und Stellungnahmen sind möglich.
  • Gebiet beherbergt über 160 Ackerwildkrautarten, seltene Käfer, zahlreiche Vögel, Falter und Wildbienen.
  • Schutz zielt auf Erhalt traditionell bewirtschafteter Äcker und artenreicher, nährstoffarmer Wiesen.
  • Behörden betonen Dialog: Bürgerinnen und Bürger können Bedenken online, schriftlich oder vor Ort einreichen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine der bedeutendsten Kulturlandschaften für Ackerwildkräuter in Rangendingen im Zollernalbkreis soll dauerhaft geschützt werden. Das hat jetzt das Regierungspräsidium (RP) Tübingen mitgeteilt. Die Behörde legt den Verordnungsentwurf und die Karten für das geplante Naturschutzgebiet „Rangendinger Wildkrautäcker“ vom 6. Juli 2026 bis einschließlich 6. August 2026 öffentlich aus. Innerhalb dieser Auslegungsfrist können Bürgerinnen und Bürger die Unterlagen einsehen sowie Bedenken und Anregungen vorbringen. Parallel erfolgt die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange.

Gebiet von bundesweiter bis internationaler Bedeutung

Mit der geplanten Schutzgebietsausweisung soll eine Kulturlandschaft erhalten werden, die zu den bedeutendsten Lebensräumen für Ackerwildkräuter im Regierungsbezirk Tübingen zählt und von bundesweiter bis internationaler Bedeutung ist. Die Wildkrautäcker in Rangendingen beherbergen zahlreiche Arten der sogenannten Segetalflora. Das sind seltene Wildpflanzen, die auf traditionell bewirtschafteten Äckern wachsen, darunter das Flammen-Adonisröschen und der Orientalische Ackerkohl.

Seltene Pflanzen und Käfer im Gebiet

Viele dieser Pflanzen sind infolge der Intensivierung der Landwirtschaft sehr selten geworden oder bereits aus weiten Teilen ihres früheren Verbreitungsgebiets verschwunden. Sie bilden zugleich die Lebensgrundlage zahlreicher spezialisierter, pflanzenfressender Käferarten wie für den stark gefährdeten Acker-Kokonrüssler, der in Rangendingen sein landesweit einziges Vorkommen hat. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu diesem außergewöhnlichen Artenreichtum zwischen Neckar und Schwäbischer Alb.

Das Flammen-Adonisröschen ist eines der seltenen Wildkräuter, die auf den Wiesen um Rangendingen ihr seltenes Vorkommen haben.

Das Flammen-Adonisröschen ist eines der seltenen Wildkräuter, die auf den Wiesen um Rangendingen vorkommen.

Sigrid Pohl

„Die Wildkrautäcker in Rangendingen gehören zu den wenigen Flächen, in denen sich eine außergewöhnlich artenreiche Ackerwildkrautflora erhalten hat“, so Mathias Broghammer, Gebietsreferent Zollernalbkreis am Regierungspräsidium Tübingen. „Das Ackerwildkrautprojekt wird hier seit mehr als 35 Jahren umgesetzt und unterstreicht auf eindrückliche Weise die wichtige Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz zur Erhaltung der biologischen Vielfalt.“

Die hohe Artenvielfalt ist Ausdruck einer über Jahrzehnte gewachsenen, strukturreichen Kulturlandschaft. Extensiv bewirtschaftete Äcker mit geringem Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln prägen das Gebiet ebenso wie artenreiche, nährstoffarme Wiesen. Feldraine, Hecken, Brachen und vielfältige Übergangsbereiche zwischen unterschiedlichen Lebensräumen ergänzen dieses Mosaik. Gerade diese Übergänge sind besonders artenreich, da hier unterschiedliche Lebensräume unmittelbar aufeinandertreffen.

Auf schonende Bewirtschaftung angewiesen

„Viele der im Gebiet vorkommenden Tier- und Pflanzenarten sind auf diese traditionelle, schonende Bewirtschaftung angewiesen“, heißt es in der Pressemitteilung des Regierungspräsidiums. „Sowohl eine Intensivierung als auch eine vollständige Aufgabe der Nutzung würde ihre Lebensgrundlage gefährden. Die dauerhafte Erhaltung dieser Wildkrautäcker ist somit entscheidend, um diesen Artenreichtum langfristig zu bewahren.“

160 verschiedene Arten von Wildkräutern

Die Ergebnisse der naturschutzfachlichen Erhebung untermauern die Bedeutung des geplanten Naturschutzgebietes. Nach dem bislang letzten vollständigen Erfassungsstand aus dem Jahr 2020 wurden mehr als 160 Ackerwildkrautarten sowie zahlreiche gefährdete Blatt- und Rüsselkäferarten nachgewiesen. Darüber hinaus kommen 18 Brutvogelarten, 51 Tagfalter- und Widderchenarten, 18 Heuschreckenarten, 70 Laufkäferarten und 40 Wildbienenarten vor. Auch Fledermäuse nutzen das Gebiet intensiv als Nahrungsraum; ihre Aktivität liegt dort bis zu dreimal höher als auf konventionell bewirtschafteten Flächen der Umgebung.

Bürger können Stellung nehmen

„Die naturschutzfachlichen Erhebungen zeigen eindrucksvoll die Bedeutung des Gebietes. Der Schutz dieser wertvollen Bestände an besonders blühenden Pflanzen, Käfern und Faltern gelingt nur im Dialog. Deshalb ist die öffentliche Auslegung ein wichtiger Bestandteil des Verfahrens und bietet allen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, ihre Anregungen und Bedenken einzubringen“, erklärt Klaus Knoblich, Verfahrensmanager für die Ausweisung von Naturschutzgebieten am Regierungspräsidium Tübingen.

So kann man die Unterlagen einsehen

Die Unterlagen, konkret der Verordnungsentwurf, die Karten und die Würdigung, liegen vom 6. Juli 2026 bis einschließlich 6. August 2026 beim Regierungspräsidium Tübingen in Papierform aus und können während der Öffnungszeiten eingesehen werden. Sie sind außerdem unter Bekanntmachungen | Regierungspräsidium Tübingen abrufbar. Zusätzlich stellen das Landratsamt Zollernalbkreis und die Gemeinde Rangendingen die Unterlagen während ihrer Sprechzeiten elektronisch zur Verfügung.
Bedenken und Anregungen zum Verordnungsentwurf und den dazugehörigen Karten können während der Auslegungsfrist schriftlich, zur Niederschrift oder elektronisch beim Regierungspräsidium Tübingen eingereicht werden.
Weitere Informationen zum Naturschutzgebiet sind unter Naturschutzgebiet in Planung: Rangendinger Wildkrautäcker zu finden.