Bin dabei! So lautete jüngst die Antwort eines Schalke-Fans auf die Frage: „Willst mit zum VfB?“ Ergänzend dazu ließ der blau-weiße Knappe wissen: „Habe schließlich Erfahrung im Abstiegskampf!“ Als ob die der VfB-Fan nicht hätte – leider! Und während sich der S04 inzwischen den direkten Wiederaufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga gesichert hat (Glückwunsch!), geht es bei den Mannen mit dem roten Brustring an diesem Samstag „um die Wurst“ – und gegen den 1. FC Köln. Gewinnen die Schwaben ihr Heimspiel und die Borussia aus Dortmund das ihre gegen die alte Dame Hertha aus Berlin, ist der Klassenerhalt ohne Umwege über die Relegation gesichert. Wenn nicht, muss der VfB in selbige.
Die HZ hat mit bekennenden VfB-Fans gesprochen, um zu erfahren, wie sie die brenzlige Situation am letzten Spieltag in der 1. Fußball-Bundesliga einschätzen – was sie glauben, was sie hoffen.

Roman Waizenegger

Roman Waizenegger, nicht nur Bürgermeister in Bisingen, sondern eben auch großer Stuttgart-Fan, bleibt sich treu: „Ich bin Optimist“, weshalb er den VfB gegen die Geißböcke mit 3:1 gewinnen sieht, und von den Dortmundern vor eigenem Publikum erwartet, dass sie mit drei Punkten gegen Hertha BSC Berlin für einen „versöhnlichen Saisonabschluss“ sorgen wollen. Direkter Klassenerhalt also! Und andernfalls? Sollte der VfB doch in die Relegation müssen, werde er wohl auf den Hamburger SV treffen, glaubt Waizenegger – und ist sich für diesen Fall leider sicher: Das wird ein „Tanz auf der Rasierklinge“.
Nur 30 Punkte nach 33 Spieltagen – wie bilanziert Waizenegger die Saison? Er habe, sagt er mit einem Augenzwinkern, nur noch den allerersten Spieltag im vergangenen August im Kopf. Da gewann der VfB mit 5:1 gegen Greuther Fürth – und „man träumte schon von den guten alten Zeiten“. Die Ernüchterung habe sich aber alsbald eingestellt – weil die Stuttgarter einfach keine Konstanz in ihr Spiel bringen. So wie (fast) immer halt, ausgenommen in den Meisterjahren.
Woran’s liegt? Dem Team mangele es an Führungsspielern – und „die, die in diese Rolle schlüpfen könnten, lässt man ziehen – zum Beispiel Gonzalo Castro.“ Der hätte, glaubt Roman Waizenegger, das Zeug dazu gehabt. Auch bedauert er, dass es dem Verein, trotz allseits attestierter guter Jugendarbeit, nie gelingt, seinen vielversprechenden Nachwuchs an sich zu binden.
Bemerkenswert wie alle VfB-Fans findet auch Waizenegger, dass in dieser wenig ruhmreichen Saison nicht ein einziges Mal „Trainer raus“-Rufe laut wurden. Ein Trainerwechsel, sagt er, hätte ja auch nichts gebracht – „das haben die Fans gut erkannt“.

Dieter Payean

Das findet auch Dieter Payean, Vorsitzender des TSV Bisingen und ein mindestens so großer VfB-Fan wie sein Bürgermeister. Ob der Mann auf der Bank Pellegrino Matarazzo oder sonst wie heißt – am „Zustand“ des VfB würde das nichts ändern. Allein, dass der Verein und die Fans bis zuletzt die Ruhe bewahrt haben, findet Payean „überraschend, bemerkenswert – und positiv“.
Ansonsten kann er dem Auftreten seines Lieblingsclubs in dieser „bescheuerten“ Saison (die er so überhaupt nicht erwartet hatte) nicht viel Positives abgewinnen. „Fast verrückt“ gemacht habe ihn, dass der VfB Spiele „verschlafen“ habe, die er hätte gewinnen können und müssen. Um dann – wie am vergangenen Sonntag – in der Allianz-Arena gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner Bayern München ganz groß aufzuspielen.
Dieses 2:2 indes macht Dieter Payean Mut fürs Spiel gegen den 1. FC Köln. „Ich glaube an den Sieg“, sagt er, 2:1 habe der VfB am Ende die Nase vorn. Zugleich beschäftigt ihn die Frage: „Spielt Dortmund mit letzter Konsequenz?“ Hoffentlich, lässt Dieter Payean tief in seine Fußballerseele blicken – und setzt darauf, dass sich Publikumsliebling Erling Haaland (der zur neuen Saison zu Manchester City wechselt) würdig und treffsicher von der Borussia und den Fans verabschieden will.
Wenn diese Rechnung nicht aufgeht, was dann? „Dann wird’s schwierig“, glaubt Payean. Egal, ob die Stuttgarter die Relegation gegen den HSV, Darmstadt oder wen auch immer spielen müssen. Die Mannschaften seien alle spielstark und er, Payean, sich nicht sicher, „ob ein ängstlicher VfB da gegenhalten kann“. Aber, bekommt der TSV-Vorsitzende, gleich wieder die Kurve: „Wir bleiben erstklassig.“

Leopold Schwenk

Diese Überzeugung teilt Leopold Schwenk, beim SV Rangendingen Mitglied im Sportabzeichenteam. Er wird auf der Tribüne der Mercedes-Benz-Arena sitzen, wenn die Stuttgarter den Sieg gegen Köln davontragen. 2:1 tippt er. Von der Dortmunder Borussia erwartet er gegen Hertha gar ein 3:0 – schon deren spielerischen Klasse wegen… und weil es für das Team von Marco Rose auch „um die Ehre“ gehe, um die schwarz-gelbe.
In der Relegation also sieht Schwenk den VfB nicht – und wenn doch? „Dann wird’s schwer.“ Sollte es dann gegen den Hamburger SV gehen, sieht er die Chancen bei 60:40 für die Rot-Weißen vom Neckar.
Aber nein: So weit wird’s nicht kommen, bleibt Leopold Schwenk zuversichtlich – obwohl, muss er einräumen, er auch nicht erwartet hatte, dass die Schwaben in dieser Saison schon wieder gegen den Abstieg kämpfen müssen. Ganz und gar nicht! Wie es doch so weit kommen konnte? „Uns hat die Konstanz gefehlt“, schließt sich Schwenk der Meinung von Roman Waizenegger an. „Vom Angriff bis nach hinten in der Abwehr“ hätten sich Mängel aufgetan.
Darüber hinaus vermisse er beim VfB Spieler mit Führungsqualitäten. Um zum Beispiel Partien wie die gegen Bochum oder die Hertha zu gewinnen. „Da musst du mental frei im Kopf und fokussiert sein“, weiß Leopold Schwenk. So wie am vergangenen Sonntag gegen Bayern München. Da habe eher der Deutsche Meister ein „Kopfproblem“ gehabt. Und der VfB war konzentriert. Das wünscht sich Leopold Schwenk nun auch gegen die Geißböcke – um dann gespannt auf die nächste Saison zu blicken… in der 1. Bundesliga, versteht sich!

Klaus Jetter

Zuletzt nach seiner Meinung gefragt sei der größte VfB-Fan überhaupt: Klaus – Schlappi – Jetter, zugleich Vorsitzender des VfB-Fanclubs Hohenzollern-Hechingen. Der Berufs-Optimist sagt: „Wir schaffen das!“ Erst recht nach der „Leistungsexplosion“ der Stuttgarter am Sonntag gegen Bayern München. Er glaubt an einen klaren 3:1-Sieg seines Clubs gegen Köln, und ist sich zugleich sicher, dass die Dortmunder im letzten Saisonspiel gegen Hertha „etwas gutzumachen haben“ bei ihren Fans. Denn: Mit ihrem guten Kader habe die Borussia doch eine richtig schlechte Saison gespielt.
An eine mögliche Relegation verschwendet er keinen Gedanken. Aber wenn denn doch? „Dann geht’s wahrscheinlich gegen den HSV – und das wird richtig schwer“… ist Klaus Jetter das einstige Versagen des VfB in der Relegation gegen Union Berlin noch in grausiger Erinnerung.
Wie es schon wieder dazu kommen konnte, dass die Schwaben um den Klassenerhalt bangen müssen? Weil sie in vielen Spielen „keinen Charakter gezeigt“ hätten. Ihr Spiel sei teils geradezu „beängstigend“ gewesen. Dabei, sagt Klaus Jetter, wäre „mit dieser Mannschaft so viel mehr drin gewesen“. Aber: Zu den oft „katastrophalen Leistungen“ hätten sich außerdem zu viele vergebene Torchancen gesellt. Das zu ändern hätte die Mannschaft eine Führung auf dem Platz gebraucht – „einen wie den Gonzalo Castro“. Den hätte der VfB-Fanclub-Vorsitzende gerne weiter auf dem Wasen kicken sehen.
Dem Trainer gibt Klaus Jetter keine Schuld. Pellegrino Matarazzo habe seinen Job gut gemacht – allein das Team sei zu oft unter seinen Möglichkeiten geblieben. Dass sich das in der neuen (Erstliga-)Saison grundlegend ändert, darauf ruht Jetters ganze Hoffnung.