Verein Straßenkatzen Balingen
: „Die Tiere verhungern, erfrieren oder sterben unter qualvollen Umständen“

Immer mehr Kommunen führen eine Katzenschutzverordnung ein. Wie die Stadt Balingen dazu steht und was der Verein Straßenkatzen Balingen fordert, um dem Tierleid ein Ende zu setzen.
Von
Andrea Maute
Balingen
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Auch in Deutschland leben unzählige Straßenkatzen. Die scheuen Tiere halten sich oft an abgelegenen Orten auf.

Auch in Deutschland leben unzählige Straßenkatzen. Die scheuen Tiere halten sich oft an abgelegenen Orten auf.

Verein Straßenkatzen Balingen
  • Verein Straßenkatzen Balingen fordert bundesweite Katzenschutzverordnung für Kastration und Registrierung.
  • Straßenkatzen leiden unter Hunger, Krankheit und Kälte – Millionen Tiere in Deutschland betroffen.
  • Viele Tierheime und Pflegestellen überlastet – tausende Katzen sterben unter qualvollen Umständen.
  • Bürger sollen streunende Katzen melden und per Briefaktion Politiker für Katzenschutz sensibilisieren.
  • Infos und Aktionen auf der Website des Vereins: www.strassenkatzen-balingen.de.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Tierleid ist nicht nur im Ausland groß. Auch in Deutschland gibt es Millionen Katzen, die kein Zuhause haben. Das Leben einer Straßenkatze ist weit entfernt von dem einer umsorgten Hauskatze. Es ist geprägt von Hunger und Krankheit. Oft sind Straßenkatzen verborgene Leidende, da sich die scheuen Tiere nicht selten in Hinterhöfen, auf Industriegeländen oder in Schrebergärten verstecken. Obwohl sie dadurch nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, sind sie dennoch da, kämpfen tagein, tagaus um ihr Überleben und vermehren sich unkontrolliert. Es entstehen neue Katzenpopulationen oder die bereits bestehenden Gruppen wachsen weiter – ein Teufelskreis, der das stille Leiden stetig vergrößert.

Aufnahmestopp in Tierheimen

Auch in Balingen und Umgebung, so berichtet Roswitha Gladel von Verein Straßenkatzen Balingen, gebe es zahlreiche Tiere, die dringend einer Behandlung bedürften. „Jede Katze, die keinem Halter zugeordnet werden kann, muss zunächst als Fundtier angesehen werden“, erklärt sie. In vielen deutschen Tierheimen herrsche derzeit allerdings Aufnahmestopp. Und auch private Pflegestellen seien längst am Limit, weiß Roswitha Gladel. Was dies für die zahlreichen Straßenkatzen bedeutet, fasst sie in aufrüttelnde Worte: „Tausende hilflose Kätzchen werden ihrem Schicksal überlassen, sie verhungern, erfrieren oder sterben unter qualvollen Umständen – das ist die traurige Realität.“

Obwohl Tierschutz im Grundgesetz verankert ist, habe der Bund die Verantwortung für den Katzenschutz an die Länder und diese an die Kommunen abgegeben. Viele Kommunen würden diese Pflicht jedoch von sich weisen, heißt es in einer Mitteilung des Vereins Straßenkatzen Balingen, der deshalb eine verbindliche, wirksame Regelung im Tierschutzrecht fordert: die Einführung einer bundesweiten Katzenschutzverordnung, die Katzenhalter, die ihren Tieren ohne räumliche Einschränkung Freigang gewähren, verpflichtet, diese kastrieren, kennzeichnen und registrieren zu lassen. Denn nur eine einheitliche gesetzliche Grundlage könne verhindern, dass weiterhin jährlich Tausende Katzenwelpen qualvoll sterben, machen die Verantwortlichen deutlich.

Streunende Katzen melden

Auch wenn es noch keine bundesweite Regelung gibt: Immer mehr Kommunen haben die Notwendigkeit zu handeln erkannt und bereits eine Katzenschutzverordnung erlassen. Beispiele sind etwa Schömberg, Rangendingen oder Hechingen. Und jüngst hat auch der Haigerlocher Gemeinderat für die Einführung gestimmt. Steht dieses Thema in Balingen ebenfalls auf der Agenda? Die SÜDWEST PRESSE hat bei der Stadt nachgefragt.

„Die im Tierschutzgesetz enthaltene Rechtsgrundlage verlangt zunächst eine Dokumentation als Grundlage für die Einführung einer Katzenschutzverordnung. Eine solche liegt uns bislang nicht vor, sodass schon deshalb die tatbestandlichen Voraussetzungen für die Einführung einer Katzenschutzverordnung nicht erfüllt sind“, teilt Pressesprecher Dennis Schmidt diesbezüglich mit.

Die kleine Mira hatte Glück im Unglück. Sie war eine der letzten Katzen, die noch von einer privaten Auffangstation aufgenommen werden konnte.

Die kleine Mira hatte Glück im Unglück. Sie war eine der letzten Katzen, die noch von einer privaten Auffangstation aufgenommen werden konnte.

Verein Straßenkatzen Balingen

Damit fehlende Zahlen keinen Hinderungsgrund darstellen, bittet Roswitha Gladel die Bürgerinnen und Bürger, streunende Katzen dem Verein Straßenkatzen Balingen zu melden. Auf der Homepage der Initiative „Politik für die Katz`“ ist auch eine Vorlage für einen Erfassungsbogen zur Katzenpopulation abrufbar.

Mitmachen bei der Briefaktion

Gemeinsam mit der Initiative hat der Balinger Verein unter der Überschrift „Schreiben für die Katz`“ eine Briefaktion ins Leben gerufen. Allen, denen das Schicksal der Straßenkatzen am Herzen liegt, werden dabei aufgefordert, sich per Brief an die Bundestagsabgeordneten in ihrem jeweiligen Wahlkreis oder an die Landtagsabgeordneten ihres Bundeslandes zu wenden und sie auf die Notwendigkeit der Einführung einer bundes- beziehungsweise landesweiten Katzenschutzverordnung aufmerksam zu machen. Auch auf kommunaler Ebene könne man sich engagieren, heißt es auf der Vereins-Homepage. Indem man sich in seiner Heimatstadt etwa für eine örtliche Katzenschutzverordnung einsetze.

Deren Einführung, so Dennis Schmidt, sei „eine politische Entscheidung, da die Städte hierdurch tierschutzrechtliche Aufgaben übernehmen, die eigentlich nicht zum Aufgabenkatalog der Städte und Gemeinden zählen.“ Der Anknüpfungspunkt der Städte und Gemeinden sei vielmehr das Fundrecht, „da Katzen im Falle eines Auffindens als Fundsache zu werten sind.“ Die Rechtsgrundlage im Tierschutzgesetz versuche hier aber, Tierschutzaufgaben auf Kommunen abzuwälzen. „Grundsätzlich würden wir deshalb eine dem Konnexitätsprinzip entsprechende Landesregelung begrüßen, zumal die Probleme mit ausgesetzten Katzen nicht an den Gemeinde- oder Kreisgrenzen haltmachen. Die Länder Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben dies bereits erkannt und landesweite Verordnungen mit einer entsprechenden Finanzierung erlassen“, heißt es von Seiten der Stadt Balingen.

Appell an die Tierhalter: „Lassen Sie Ihre Katze kastrieren!“

Auch wenn bislang noch keine landes- oder bundesweite Verordnung Tierhalter in die Pflicht nimmt: Roswitha Gladel kann nur an alle appellieren, ihre Tiere kastrieren zu lassen. Damit das Leid, mit dem die Tierschützer täglich konfrontiert werden, verhindert werden kann.

Was gibt ihnen die Kraft, trotz aller Schwierigkeiten und Rückschläge immer weiterzumachen? Es sind die kleinen Momente des Glücks, die es auch im Unglück gibt. Ein solcher ist etwa das Schicksal von Mira. „Für Mira habe ich wie eine Löwin gekämpft. Sie war eine der letzten Katzen, die von einer privaten Auffangstation noch aufgenommen werden konnte“, erzählt Roswitha Gladel. „Viele andere Jungtiere haben diese Chance nicht“, führt sie vor Augen und bittet alle darum, sich an der Briefaktion zur Einführung einer bundesweiten Katzenschutzverordnung zu beteiligen. „Denn nur dann haben die Tiere eine echte Chance.“

Gemeinsam für den Schutz der Straßenkatzen

Weitere Informationen zum Thema gibt es auf der Homepage des Vereins Straßenkatzen Balingen unter www.strassenkatzen-balingen.de. Dort findet man auch die Anleitung zur Briefaktion, die der Verein zusammen mit der Initiative „Politik für die Katz`“ ins Leben gerufen hat.