Unwetter Zollernalbkreis: Haufenweise Blitze, aber verheerend war der orkanartige Sturm mit Windstärke 11.

Die Gewitterkarte vom Donnerstagabend zeigt, woher das Unheil auf den Zollernalbkreis zukam: aus dem Südbadischen! Die weiße Farbe markier tdie kurz von 21 Uhr aktiven Gewitterzellen.⇥
Karl-Heinz JetterKarl–Heinz Jetter, seit Jahrzehnten der Wetterbeobachter im Zollernalbkreis und daheim in Heselwangen, ist selbst ein Betroffener: Zwei Zwetschgenbäume hat der Sturm in seinem Hausgarten umgerissen. Das freilich ist im Vergleich zu den Schäden anderswo im Landkreis fast ein Klacks. Jetter hat eine erste Wetter–Bilanz für den Donnerstagabend gezogen.
Auf breiter Front aus Südwest kommend und etwa von Pforzheim bis in die Nordschweiz reichend, zogen viele Einzelgewitter im Verbund nach Baden–Württemberg herein und erreichten, nachdem sie sich schon in Südbaden ausgetobt hatten, gegen 20.50 Uhr auch den Zollernalbkreis.
Aufwind und Abwind
Gewitter dienen in erster Linie dazu, große vertikale Temperaturunterschiede in der Atmosphäre abzubauen. Dazu steigt zunächst die warme, bodennahe Luft im Aufwindbereich in große Höhen auf. Als Ausgleichsbewegung bildet sich im weiteren Verlauf ein Abwindbereich, in dem die kühlere Luft aus der oberen Troposphäre Richtung Boden strömt.
Mehrere Zellen zusammen
Eine Einzelzelle besteht lediglich aus einem einzigen Auf– und Abwindbereich. Bei dem Gewitter am Donnerstag handelte es sich aber um einen Zusammenschluss mehrerer Gewitterzellen in verschiedenen Entwicklungsstadien mit mehreren Auf– und Abwindbereichen. Bildlich gesprochen, ist so eine Gewitterfront eine große Gewitterfamilie, die sich zu einem Mehrgenerationenhaushalt vereint hat. Ihre Dynamik ist wesentlich stärker, sodass die Wettererscheinungen heftiger als bei der Einzelzelle ausfallen. Dabei kommt es entlang der Böenfront zu Sturmböen sowie zu heftigem Starkregen mit Gefahr lokaler Überschwemmungen und mittelgroßem Hagel.
Windstärke 11
An der Beobachtungstelle in Heselwangen setzte das Gewitter schlagartig mit einer Windböe von 113 Stundenkilometern (Windstärke 11) ein, und gleichzeitig ging ein Sturzregen nieder, der durch den Sturm fast waagerecht daherkam. Für einen kurzen Moment fiel auch kleinkörniger Hagel. Innerhalb von zehn Minuten fielen am Beobachtungsort 19,7 Liter pro Quadratmeter und insgesamt 31,0 Liter während des ganzen Gewitters und den noch nachfolgenden Gewittern zur späteren Stunde.
Nach dem jetzigen Kenntnisstand war es vor allem der orkanartige Sturm, der ganze Bäume umriss, Dächer abdeckte und anderweitige Schäden verursachte.
