Umzug der Heimatbücherei
: Wir wehren uns – sonst bleibt von Hohenzollern nichts mehr übrig

Die Hohenzollerische Heimatbücherei muss weiterleben – und zwar an einem würdigen Ort und nicht im Keller des ehemaligen Krankenhauses. Das fordert der Hechinger Heimatgeschichtsforscher Dr. Adolf Vees in einem Gastbeitrag.
Von
Adolf Vees
Hechingen
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Mittwochnachmittags bleibt dieser Tisch nie leer: Im Lesesaal der Hohenzollerischen Heimatbücherei gibt es stets ein Stelldichein von Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen Heimatforschung betreiben.

600 Regalmeter Bücher und Schriften über Hohenzollerns Geschichte und Gegenwart: Das ist die Hohenzollerische Heimatbücherei, noch untergebracht im Haus Heiligkreuzstraße 10 in der Hechinger Oberstadt. Der Landkreis plant aber den Umzug ins Zentrum am Fürstengarten.

Hardy Kromer
  • Streit um Umzug: Die Hohenzollerische Heimatbücherei soll ins Zentrum am Fürstengarten.
  • Geplant sind Kellerräume im ehemaligen Kreiskrankenhaus, teils getrennt und auseinanderliegend.
  • Kritiker warnen vor einem „Schattendasein“ und fordern einen würdigen Ort im bisherigen Gebäude.
  • Im Raum stehen je 110.000 Euro von Kreis und Stadt für die „Ertüchtigung“ der neuen Räume.
  • Appell an Kreis- und Gemeinderäte: Den Umzug ablehnen, um die Institution zu erhalten.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Seit dem Mittelalter sind wir, die wir im untergegangenen Hohenzollerischen Ländchen leben, immer etwas Eigenes gewesen. Wir sind Schwaben, ohne Zweifel, aber Württemberger oder Badener, die die überwiegende Mehrheit des Landes Baden-Württemberg ausmachen, sind wir keineswegs. Wir haben, so klein unser Ländchen auch sein mag, eine eigene Identität.

Die Besonderheit durchgehalten

Diese Besonderheit haben wir durchgehalten, vom hohen Mittelalter bis in unsere Tage. Wie stürmisch und bedrohlich die politischen und dynastischen Bedingungen, rings um uns her, auch immer gewesen sind.

Adolf Vees im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit 89 Jahren hat er sein Amt als Ortsbeauftragter des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge aufgegeben.

Der 89-jährige Dr. Adolf Vees ist Autor zahlreicher heimatgeschichtlicher Veröffentlichungen und Träger der Hechinger Bürgermedaille.

ist A

Wer uns in Unkenntnis des deutschen Südwestens einen Württemberger oder Badener nennt, dem widersprechen wir mit Heftigkeit. Wir leben in einem Ländchen mit großer Geschichte, in bewusster Katholizität gegenüber dem pietistischen Württemberg oder dem Calvinismus in Baden. Wir haben im Mittelalter die aus Württemberg vertriebenen Juden als Schutzjuden aufgenommen und mit ihnen die Industrialisierung des frühen 19. Jahrhunderts eingeläutet. Das prägt uns. Es gibt uns Stolz und Halt. Wer kann uns das nehmen?

Die Post kennt kein Hohenzollern mehr

Hechingen, Hohenzollern, Haigerloch, Hohenzollern schrieb ich auf meine Couverts, wenn ich in den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts Briefe aus meinen Studienorten Kiel oder Cambridge an meine Schulkameraden und an meine Eltern in der Heimat sandte.

Region Neckar-Alb

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Seit Jahren steht auf keinem Brief mehr, wo Hechingen liegt. Die Post kennt kein Hohenzollern mehr. Es tut weh. Eine kalte, nichtssagende Zahl hat dem schönen Wort in den Sechzigern den Garaus gemacht.

Schwerster Schlag: die Kreisreform

War dieser Verzicht, wie behauptet, der Vereinfachung und Rationalität geschuldet, so führte der junge Südweststaat im Jahr 1973 mit seiner Kreis- und Kommunalreform den schwersten Schlag gegen Zollern. Er löste den Hohenzollerischen Kommunalverband auf. Das stolze Landeshaus in Sigmaringen wurde aufgegeben. Identität unseres Ländchens vom Kloster Habsthal am Rande des Bodensees bis vor die Tore von Freudenstadt, unverwechselbare Geschichte, die den Badenern und Württembergern unbekannt oder zumindest ein Rätsel war, sodass ohne Zögern neben der politischen Annullierung auch gut funktionierende, Respekt und Halt gebende Institutionen zunichte gemacht wurden. Ich nenne die Hohenzollerische Landebank, die Hohenzollerische Landesbahn und die Hohenzollerische Feuerversicherung. Ein in Generationen gelebtes Miteinander wurde institutionell gestrichen. Das Schlagwort hieß „Modernisierung. Schau nicht zurück. Blicke nach vorn“.

Dabei hatte die Kreisstadt Hechingen nach 1945 ihre Lebensfähigkeit auch ohne die 1945 verlorene preußische Hilfe und Fürsorge unter Beweis gestellt. Der aus Schlatt stammende Landrat Hans Speidel, ein Zoller aus Verantwortung und Leidenschaft, hatte die Stadtstruktur mit einem gut eingefügten, vielfach bewunderten Landratsamts- und Tagungsgebäude ebenso zukunftsfähig gemacht wie durch das neuerbaute Krankenhaus am Rande des Fürstengartens. Mit seiner charmanten Baustruktur, in der wohltuende Ruhe und Schönheit des oberen Feilbachtals, mit der Kunst seiner Ärzte und Ärztinnen war es dem fachlichen und menschlichen Gewicht der nahen Universitätskliniken Tübingen durchaus gewachsen.

„Wir blieben Hohenzollern...“

Wir blieben Hohenzollern, als die vielen Kleinstaaten des deutschen Südwestens von der Karte verschwanden, von Fürstenberg über Ellwangen bis hin zu Vorderösterreich, im Konfessionsstreit des Dreißigjährigen Krieges, in den Folgekriegen der Französischen Revolution nach 1789. 1803 haben wir den Reichsdeputationshauptschluss überstanden, waren nicht der Entschädigung weltlicher Fürsten zum Opfer gefallen, die westlich des Rheins Land an Frankreich verloren hatten. 1815 konnten wir uns auf dem Wiener Kongress behaupten. Wir blieben Hohenzollern in der Revolution von 1848, als uns Preußen annektierte, aber nicht auslöschte. Wir blieben Hohenzollern am Ende des Ersten Weltkrieges, als Preußens Dynastie zu Ende ging. Wir blieben Hohenzollern beim Untergang des Deutschen Reiches 1945, als eine völlig neue Staatsstruktur entstand, die mit den alten Bundesländern der Weimarer Zeit nicht zu vergleichen war.

Zollern blieb in unserm Sinn und in unserem Gefühl.

Ein Ort der Lehre und der Bildung

Alles nur Geschichte, nichts als Geschichte? Nein, es ist unser Weltbild, unser geistiges Zuhause im Rahmen der großen Welt. Aufbewahrt in der Hohenzollerischen Heimatbücherei, im Justizviertel, auf halbem Weg vom Obertorplatz zum Gymnasium. Im 1. Obergeschoss eines Gebäudes, das der alte Landkreis Hechingen im Ensemble seines Landratsamtes 1956 gebaut hat. Ein Haus, das unverzichtbar zum kulturellen Erbe unserer Stadt gehört. Ein würdiger Ort für Zollerns Geschichte. Ein Ort der Lehre und der Bildung.

Umzug in ein Schattendasein droht

Was lese ich vor ein paar Tagen in unserem Lokalblatt, das freundlicherweise noch immer Hohenzollerische Zeitung heißt? Der Landrat in Balingen will das Haus aufgeben. Die Heimatbücherei soll ausziehen. Im verlassenen Kreiskrankenhaus seien Räume frei. Im Kellergeschoss. Auseinanderliegende Räume, getrennte Zugänge. Im Haushaltsplan des Kreises und der Stadt sind jeweils 110.000 Euro zur „Ertüchtigung“ vorgesehen. Für einen Umzug in ein Schattendasein.

„Wir wehren uns!“

Es wäre der Untergang des letzten lebenden Zeugen der Hohenzollerischen Lande. Ein bildungsfeindlicher Akt. Eine Respektlosigkeit, gegenüber uns allen, die wir wissen wollen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Respektlos gegenüber den Gralshütern Heinrich Fassbender und Alf Müller, Gründer und Bewahrer dieser einzigartigen Bücherei. Wir wehren uns. Kreisverordnete, Ratsherren und Ratsfrauen unserer Stadt, stimmt gegen den Umzug! Die Heimatbücherei muss weiterleben, an würdigem Ort.